Technischer Fehler

Opel stoppt den Verkauf des Elektroautos Ampera

Nach dem Feuer in einer Batterie wird die Technik überarbeitet . Nun verzögert sich die Auslieferung des Wagens auf unbestimmte Zeit.

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Der Autobauer Opel stoppt europaweit die geplante Auslieferung des Elektroautos Ampera – eines der größten Hoffnungsträger der General-Motors-Tochter. Grund sind Probleme mit den Batterien.

Weil die vollgeladenen Akkus der Fahrzeuge – ähnlich wie Benzintanks – ein Risikofaktor nach Unfällen sind, will Opel die Sicherheit der Stromspeicher verbessern. „Es ist derzeit nicht absehbar, wann wir mit der Auslieferung beginnen können“, sagte ein Sprecher.

Seit Oktober kann der Ampera, der bei GM in Detroit produziert wird und identisch mit dem Modell Chevrolet Volt ist, bestellt werden. Das Basismodell für den europäischen Markt kostet 42.950 Euro. Bislang gibt es in Europa 6500 Vorbestellungen für den Ampera. Die ersten Fahrzeuge hätten im Frühjahr an die Kunden geliefert werden sollen. Vom Volt wurden in den USA bereits 6000 Modelle verkauft.

Crashtest bestanden

Anlass für den Lieferstopp Opels waren Tests der US-Sicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) im Mai dieses Jahres. Dabei wurde nach einem Seitenaufprall das Fahrzeug auf das Dach gedreht, um einen Überschlag zu simulieren. Das Auto bestand den Crashtest, den es so in Europa nicht gibt, zwar mit der bestmöglichen Punktzahl (fünf Sterne). Doch nachdem es anschließend auf einem Gelände abgestellt worden war, fing es drei Wochen später Feuer.

Die NHTSA vermutete, dass der Brand von den Batterien des Autos ausging und untersuchte einzelne Speichermodule. Einige Tage nach einem Test im November entzündeten sich schließlich einzelne der untersuchten Komponenten. „Wir arbeiten nun daran, Lösungen zu finden, damit Batterien nach einem Unfall eine möglichst geringe Restladung haben“, sagte der Sprecher. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Aufgrund der langen Lieferzeiten sei noch keinem Kunden in Europa eines der Batteriefahrzeuge übergeben worden.

Der Ampera ist ein Auto mit sogenanntem Range-Extender-Antrieb. Er kann rein elektrisch betrieben zwischen 40 und 80 Kilometer weit fahren. Bei leerer Batterie springt ein Verbrennungsmotor an, der im Generatorbetrieb Strom erzeugt. Der Ampera war für diese Technologie, die die Hauptschwäche vieler E-Autos – die eingeschränkte Reichweite – ausgleicht, mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht worden.

Neben GM und Opel gibt es derzeit weltweit nur eine Handvoll Automobilhersteller, die Autos mit Elektromotor in Serienfertigung produzieren. Noch übersichtlicher ist die Zahl der Modelle, die ausschließlich mit Strom angetrieben werden. Renault, Nissan oder Mitsubishi bauen beispielsweise entsprechende Fahrzeuge mit großen Voltspeichern.

Probleme mit den Batterien sind bei diesen Herstellern bislang nicht bekannt. „Wir haben unsere Elektrofahrzeuge gerade einem erneuten Crashtest unterzogen, der erfolgreich verlaufen ist. Es gibt keine Probleme und daher keine Lieferverzögerungen“, sagte ein Renault-Sprecher. Die Franzosen produzieren als Elektroautos unter anderem die Limousine Fluence Z.E.

Auch der japanische Hersteller Mitsubishi, der seit 2009 weltweit rund 20.000 Stück seines Elektroautos iMiEV verkauft hat, meldet keine Störungen bei der Batterietechnik: „Brände oder ähnliches gab es bei uns bislang nicht“, sagte ein Sprecher. Die selbe Aussage kommt von Nissan.

Die Probleme bei Opel sind dem Start ins Elektroauto-Zeitalter nicht gerade förderlich. Ohnehin fällt die bisherige Bilanz der Stromer gerade in Deutschland ernüchternd aus. In den ersten elf Monaten des Jahres wurden nach Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) gerade mal 1808 Elektroautos in Deutschland neu auf die Straße gebracht.

Und Privatkunden meiden die Elektroautos praktisch völlig. Ganze 101 Elektroautos wurden in elf Monaten von Privatkunden gekauft. Bis zum Ende des Jahres werden es nach CAR-Prognosen keine 120 Elektroautos sein, die neu in Privathand übergehen. Das wäre eine „Absatzzahl“, die unter der der Jahre 1996, 1997 und 1998 läge.