Der Dax hat seinen Erholungsversuch am Donnerstag abgebrochen und den neunten Tag in Folge mit einem Verlust beendet. Der deutsche Leitindex ging 0,54 Prozent tiefer bei 5428,11 Punkten aus dem Handel, nachdem er zeitweise fast zwei Prozent zugelegt hatte. Seit dem 11. November hat er damit mehr als 10 Prozent an Wert verloren. In der zweiten Reihe konnten sich die Indizes derweil im Plus behaupten, kamen aber ebenfalls deutlich von ihren Tageshochs zurück. Der MDax legte 1,44 Prozent auf 8222,70 Punkte zu, und der TecDax stieg um 1,72 Prozent auf 647,22 Punkte.
„Angela Merkel hat der Hoffnung auf gemeinsame europäische Anleihen am Nachmittag wieder einen Dämpfer versetzt“, sagte Händler Jakob Penndorf von Alpha Wertpapierhandel. Die Bundeskanzlerin bleibt nach ihrem Treffen mit Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Mario Monti bei ihrem Nein zu Euro-Bonds. Zuvor hatte die Spekulation um deren Einführung noch gemeinsam mit dem überraschend gestiegenen ifo-Geschäftsklima für positive Impulse gesorgt.
Die Titel der Commerzbank setzten ihre am Vortag eingeleitete Erholung fort. Sie kletterten an der Spitze des Leitindex um 4,53 Prozent auf 1,223 Euro. Es folgten die Lufthansa-Papiere mit einem Plus von 2,82 Prozent, obwohl sich die Fluglinie wegen der anhaltend schwierigen Geschäftslage einen Investitionsstopp verhängt hat. HeidelbergCement legten etwas mehr als 2 Prozent zu, und auch der Autosektor zeigte sich freundlich. Daimler und BMW stiegen um knapp 1 Prozent.
Auch Aktien der Deutschen Bank hielten sich mit 0,43 Prozent auf24,315 Euro im Plus und trotzten damit den neuen Marktspekulationen über eine Kapitallücke von 3 Milliarden Euro. Bislang hatten Experten auf Basis vorläufiger Angaben der europäischen Bankenaufsicht EBA beim Branchenprimus eine Lücke von 1,2 Milliarden Euro gesehen. Inzwischen ist aber klar, dass die Kriterien verschärft werden. Die Bank sieht sich dafür jedoch gut gerüstet. Jüngst favorisierte defensive Werte aus der Gesundheitsbranche waren derweil die größten Dax-Verlierer: Fresenius-Aktien sackten als Schlusslicht um 2,63 Prozent ab.
Im MDax zogen die Aktien von Heidelberger Druck um 7,10 Prozent auf 1,298 Euro an. Laut Händlern wurde auf eine mögliche Insolvenz des Wettbewerbers Manroland spekuliert. Vossloh-Papiere kletterten an der Spitze des Index mittelgroßer Werten um 7,28 Prozent auf 71,45 Euro. Großaktionär Heinz-Hermann Thiele will sein Engagement bei dem Verkehrstechnik-Konzern nun doch weiter ausbauen und lässt einen Erwerb von 25 Prozent prüfen.
Mit Blick auf die internationalen Märkte gab der EuroStoxx 50 um0,31 Prozent auf 2090,25 Punkte nach. Auch die Börse in London gab moderat nach. In Paris schloss der Cac 40 nur knapp im Minus. In den USA wurde wegen Thanksgiving nicht gehandelt.
Am deutschen Rentenmarkt sprang die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,84 (Vortag: 1,67) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,82 Prozent auf 129,45 Punkte. Der Bund Future verlor 0,57 Prozent auf 135,03 Punkte. Der Euro fiel moderat. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3373 (1,3387) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7478 (0,7470) Euro.
Auch die Börsen in Asien sind zum Wochenausklang erneut unter Druck geraten. Der Nikkei in Tokio verharrte auf dem niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren, den er am Vortag erreicht hatte. Anleger sorgten sich zunehmend, dass die Schuldenkrise in der Euro-Zone zu einer Kreditklemme führen könnte, falls die Finanzierungskosten außer Kontrolle gerieten.
FDP-Spitze warnt CDU vor Kursschwenk bei Euro-Bonds
Im Streit um Euro-Bonds wächst unterdessn in der FDP-Führung offenbar die Angst vor einem Kursschwenk der Union. „Die dauerhafte und unbegrenzte Übernahme von Schulden anderer Länder durch Euro-Bonds wird die FDP verhindern. Ich erwarte, dass auch der Koalitionspartner hart bleibt“, warnte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Birgit Homburger die Union im Onlineportal „Bild.de“, der Einführung von Euro-Bonds zuzustimmen.
Hintergrund für die FDP-Attacke: In der Koalition gibt es immer mehr Abgeordnete, die ein Nein zu Euro-Bonds nicht mehr kategorisch ausschließen.
dpa/dapd/nbo




