Europas Schuldenkrise

Die Stunde der Wahrheit für Merkel rückt näher

Der Druck auf Angela Merkel, ihr Nein zu Euro-Bonds zu überdenken, wächst. Denn ohne weitere Anleihekäufe der EZB, oder eben Euro-Bonds, wird es nicht gehen.

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Zumindest in einer Hinsicht liefert die vergeigte Auktion von Bundespapieren ein klares Signal: Deutschland ist für Investoren nicht um jeden Preis der sichere Hafen in der Euro-Zone. Die Großanleger sind nicht bereit, ihr Geld für einen Minizins von weniger als zwei Prozent für zehn Jahre auszuleihen. Zu groß sind ihnen die Risiken in einem so langen Zeitraum – sei es nun die Sorge vor Inflation, die Gefahr sinkender Bonität oder gar die Angst vor einem Zahlungsausfall. Auch Deutschland ist eben nicht unantastbar.

Umgekehrt bedeutet ein verpatzter Anleihenverkauf nicht automatisch, dass nun grundsätzlich die Kreditwürdigkeit des Landes infrage gestellt ist. Bei Papieren mit kürzeren Laufzeiten beispielsweise ist die Nachfrage weiter rege. Aber der Käuferstreik bei den zehnjährigen Bundespapieren ist ebenso wie die kontinuierlich steigenden Risikoaufschläge für Länder wie Frankreich und Spanien ein Misstrauensvotum der Finanzmärkte.

Kaum Hoffnung auf Ruhe am Anleihemarkt

Zu lange dauert jenen die Umsetzung des Ausbaus des Euro-Rettungsschirmes. Zu ungewiss und langfristig erscheinen ihnen die Konsolidierungsbemühungen der Schuldenstaaten. Und zu sehr haben sich Merkel & Co. verbissen in der Diskussion über Euro-Bonds und Anleihenaufkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Erst die Entwicklung der kommenden Tage wird zeigen, wie viel Zeit die Märkte der Politik noch geben, um endlich Antworten zu liefern. Die klammheimliche Hoffnung manchen Politikers in Berlin, auf ein wenig vorweihnachtliche Ruhe am Anleihemarkt setzen zu können und vielleicht bis Januar Gelegenheit zu haben, die bereits beschlossene Ertüchtigung des Rettungswerkes in die Realität umzusetzen, dürfte sich jedenfalls zerschlagen haben.

Deutschland wird einen Gutteil der Kosten der Krise tragen müssen

Der Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihre stabilitätsorientierte Euro-Politik in der Haushaltsdebatte noch einmal vehement verteidigt hat, ihre Position zu Euro-Bonds oder der Rolle der EZB noch einmal zu hinterfragen, steigt. Bislang hat sie es geschafft, das Land so durch die Krise zu steuern, dass die Bürger die Turbulenzen nicht wirklich gespürt haben. Die Märkte aber gehen längst davon aus, dass Deutschland einen Gutteil der Kosten der Krise wird tragen müssen.

In ihren Augen bleibt am Ende eben nur die Wahl, dass die Bundesrepublik entweder für die Schulden anderer Euro-Staaten mithaftet oder die EZB in ganz großem Stil Anleihen aufkauft – was nichts anderes bedeutet, als dass frisches Geld gedruckt wird. Die Stunde der Wahrheit für die Kanzlerin rückt näher. Vielleicht deshalb hat Merkel die Bürger am Mittwoch im Bundestag schon mal vorsorglich auf riesige Herausforderungen eingestimmt.