Gewerkschaftstag

Denkzettel für IG-Metall-Chef Berthold Huber

Die IG Metall wollte ihre Führung "effizient" und "schlank" aufstellen. Doch damit scheitert der Vorstand an den Traditionalisten.

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Debakel für die Führungsspitze der IG Metall auf dem Gewerkschaftstag: Der Plan für die Verkleinerung der Vorstandsspitze von sieben auf nur noch fünf geschäftsführende Mitglieder ist gescheitert. Der vom Vorstand selbst eingebrachte Antrag zur entsprechenden Änderung der Satzung verpasste die nötige Zweidrittelmehrheit. Von den 471 gültigen Stimmen der an der Abstimmung teilnehmenden Delegierten entfielen nur 305 auf Ja. 314 und damit neun Stimmen mehr wären nötig gewesen. Der Erste Vorsitzende Berthold Huber kommentierte das Votum zähneknirschend: „Das ist zu respektieren, und dafür werde ich als überzeugter Demokrat einstehen.“

Der Vorstand schlug daraufhin zwei Kandidaten für die beiden freien Posten vor: Christiane Benner, beim Vorstand zuständig für den Aufbau der Mitgliederwerbung im Ingenieursbereich, und Jürgen Kerner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Augsburg. Am Abend konnte Huber dann aufatmen: Die Delegierten wählten ihn mit überwältigender Mehrheit erneut zum Vorsitzenden. Er erhielt 96,2 Prozent der Delegiertenstimmen. Vor vier Jahren hatten 92,6 Prozent für ihn gestimmt. Die Wahl der anderen Vorstände stand bis Redaktionsschluss noch aus.

Die Vorstandsverkleinerung sollte eine natürliche Folge des Reformkurses der Spitze sein: In den vergangenen vier Jahren waren bereits in der Verwaltung 200 Stellen abgebaut worden – um die IG Metall „schlank und effizient“ zu machen, wie Huber es nennt. 20 Mio. Euro spart die Gewerkschaft so jährlich, diese Mittel sollen der Mitgliederwerbung zugute kommen. Die hatten Wetzel und Huber bei ihrem Antritt als absolute Priorität ausgerufen. Nun sollte auch an der Spitze der Rotstift angesetzt werden.

Wolfgang Rhode, im Vorstand zuständig für das Handwerk, und Jugend-Beauftragte Regina Görner sollten ausscheiden. Pikant bei dieser Entscheidung war, dass Görner das einzige CDU-Mitglied im Vorstand ist – Huber hatte vor dem Gewerkschaftstag gesagt, dass es für eine Einheitsgewerkschaft, die von politischen Parteien unabhängig ist, besser sei, keinen Parteienproporz zu haben. In der SPD-dominierten IG Metall, war es bisher Tradition, auch einem CDU-Mitglied einen Platz im Führungsteam zu reservieren. Die Entscheidung gegen Görner hatte die CDU-nahen Delegierten verschreckt.

Der Widerstand gegen die Verkleinerung kam vor allem aus den Bezirken Niedersachsen und Frankfurt. Traditionell gelten diese Bezirke als links. Ihnen passen manche Aspekte des Reformkurses des pragmatischen Führungsduos nicht. Zudem dürften sie sich ausgeschlossen fühlen: Die Strategie der größten Einzelgewerkschaft der Welt wird vor allem von einem kleinen Kreis festgelegt: Neben Huber und Wetzel sind das der geschäftsführende Finanzvorstand Bertin Eichler sowie der Bezirkleiter von Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, und der Bezirksleiter aus Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard. Alle sind Verfechter des Reformkurses.

Die Delegierten gaben unterschiedliche Gründe für ihre Ablehnung des Antrages an. So sagte Wolfgang Förster aus dem Bezirk Frankfurt am Main etwa: „Unsere IG Metall sollte den Schlankheitswahn der Unternehmen nicht mitmachen“. Walter Mann aus Würzburg, kann nicht nachvollziehen, dass „Umorganisierung Reduzierung heißt“. Dass die CDU in der Spitze repräsentiert ist, hält er für eine „gute Tradition“, zudem befürchtet er, dass bei einer Vorstandsverkleinerung mehr Arbeit auf die zweite Ebene verlagert würde. Bertina Murkovic aus Hannover befürchtet eine „mögliche Verkleinerung des demokratischen Willensbildungsprozesses“.

Auf der anderen Seite verteidigte Frank Patta, Vorsitzender der IG Metall Wolfsburg, die Verkleinerung. „Wir brauchen eine bewegliche, agile, leicht zu erreichende Mannschaft an der Spitze, einen Dienstleister“. Es sei nicht eine Frage der Anzahl der Köpfe, ob die Spitze es schaffe, den Reformprozess in Gang zu bringen.

Berthold Huber rief nach der Schlappe zur Einigkeit auf: „Wir dürfen eines nicht machen“, so Huber, „in Kategorien von Siegern und Besiegten reden“. Er verteidigte seinen Kurs. „Wir haben in den letzten Jahren gute Arbeit gemacht, da können wir stolz drauf sein. Das darf man nicht in den Hintergrund stellen“.

Die IG Metall kann in diesem Jahr das erste Mal seit 22 Jahren ein Plus bei ihren Mitgliederzahlen verzeichnen – dies ist zu großen Teilen auch auf den Modernisierungskurs von Wetzel und Huber zurückzuführen. „Fünf oder Sieben“, das sei keine existenzielle Frage für die IG Metall, sagte Huber. Eine existenzielle Frage sei: „Können wir in künftigen Krisen wieder den Grundsatz ‚keine Entlassungen' durchsetzen? Können wir Auseinandersetzungen in den Betrieben und in der Fläche erfolgreich bestehen?“ Dass die IG Metall in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten durchsetzungsstark belieb, das, so Huber, stehe nicht in der Bibel. „Das ist tägliche Arbeit und darum geht's“.