Anleihenverkauf

Investoren misstrauen deutschen Bundesanleihen

Bislang galt Deutschland als sicherer Hafen inmitten der Euro-Schuldenkrise. Doch die Investoren sind hochnervös: Bei einer Auktion von Bundesleihen konnte nur ein Teil der Papiere verkauft werden. Finanzexperten bezeichneten die teils gescheiterte Kreditaufnahme sogar als Desaster.

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Auch Deutschland scheint im Studel der europäischen Schuldekrise mitgerissen zu werden. Eine Kreditaufnahme der Bundesregierung scheiterte am Mittwoch teilweise. Eigentlich wollte der Bund einen Kredit in Höhe von sechs milliarden Euro aufnehen.

Bei der Auktion für einen Zehnjahreskredit kamen allerdings nur etwa 3,9 Milliarden Euro zusammen – eine ungewöhnlich schwache Nachfrage. Analysten sahen darin ein generelles „Misstrauensvotum gegen die Euro-Zone".

„Dass Deutschland einen so hohen Anteil einer Auktion nicht an den Markt bringen kann, habe ich noch nicht erlebt“, sagte Experte Rudolph Hessler vom Bankhaus HSBC Trinkaus.

Der Bundesreigerung will das restliche Emissionsvolumen nun am sogenannten „Sekundärmarkt“ anbieten, wo bestehende Anleihen gehandelt werden. Die neue Anleihe war mit einem Kupon über zwei Prozent ausgestattet. Bei einem Durchschnittskurs von 100,15 Prozent lag die erzielte Rendite bei 1,98 Prozent. Dies ist etwas weniger als die Rendite für zehnjährige Titel am Sekundärmarkt.

Die Bundesfinanzagentur kommentierte das Ergebnis in einer Stellungnahme, was ebenfalls ungewöhnlich ist: „Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Marktumfeld“, äußerte sich die Agentur. Dies bedeute allerdings nicht, dass die Bundesrepublik nicht mehr ausreichend günstiges Geld auf den internationalen Finanzmärkten aufnehmen könne. „Es ergibt sich daraus überhaupt kein Problem für die Refinanzierung des Bundes“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Mittwoch in Berlin.

Bankökonomen zeigten sich von der schwachen Auktion vor den Kopf gestoßen. Helaba-Analyst Umlauf sprach von einem „sehr besorgniserregenden“ Ergebnis. HSBC-Experte Hessler resümierte, selbst Deutschland könnte in dem aktuell nervösen Marktumfeld kaum noch große Summen am Anleihemarkt platzieren.

In den letzten Tagen und Wochen hatte sich die Lage am europäischen Markt für Staatsanleihen immer weiter verschlechtert. Nach Italien und Spanien waren zuletzt sogar Länder in „Kerneuropa“ wie Frankreich, Belgien und Österreich unter Druck geraten. Auch dieses Länder müssen den Investoren immer höhere Zinsen bieten. Deutschland blieb von diesem Trend bislang verschont und profitierte sogar davon. So kann sich der deutsche Staat derzeit so günstig wie selten zuvor refinanzieren. Hintergrund der gesamten Entwicklung ist die europäische Schuldenkrise, die das Vertrauen der Anleger stark belastet.

Die Anleger an den Aktienmärkten reagierten zunächst mit Verkäufen und dann mit Lethargie. Bei sehr geringen Umsätzen notierte der Dax am Mittwochnachmittag mit 5528 Punkten kaum verändert auf dem niedrigeren Vortagesniveau. Sollte der Index den Handelstag im Minus beenden, wäre es der achte Verlust-Tag in Folge und damit die drittlängste Negativ-Serie des deutschen Leitindex.