Arbeitgeberpräsident

Hundt ruft zum Boykott des Nachhaltigkeitskodex auf

Arbeitgeberpräsident Hundt wehrt sich gegen den Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Er fordert Firmenchefs auf, den Kodex nicht zu unterstützen.

Foto: picture alliance / dpa

Arbeitgeberchef Dieter Hundt hat deutsche Konzernchefs in einem persönlichen Brief zum Boykott des Deutschen Nachhaltigkeitskodex aufgerufen. „Ein neuer Kodex für die ganze Wirtschaft ist der falsche Weg“, schreibt der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in dem Brief, der unter anderen an die Chefs der Deutschen Bank und der Allianz, Josef Ackermann und Michael Diekmann, ging und der der „Morgenpost Online“ vorliegt.

Der Kodex, so Hundt würde, selbst wenn er freiwillig bleibe, „zu erheblichem Druck führen, Bürokratie zu akzeptieren, die keinen wirklichen Nutzen stiftet“. Hundt schließt mit der Aufforderung: „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dem sich jetzt abzeichnenden Kodex keine Unterstützung mehr zukommen ließen.“

Analysten und Industrie reagieren mit Unverständnis

Der Brief traf Ende September bei den Konzernchefs ein. In der kommenden Woche will der von der Bundesregierung gegründete Rat für Nachhaltige Entwicklung, nach monatelangen Beratungen - auch mit Vertretern der Konzerne - seinen Entwurf für einen Nachhaltigkeitskodex der Regierung übergeben.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) teilt die Kritik des BDA-Chefs explizit nicht. Als „Angebot an Unternehmen“ - völlig freiwillig und ohne gesetzlichen Zwang – sei gegen einen deutschen Nachhaltigkeitskodex nichts einzuwenden, sagte der Leiter der Rechtsabteilung des BDI, Heiko Willems der „Morgenpost Online“.

Auch Analysten reagierten mit Unverständnis auf die Attacken der BDA. Viele Unternehmen lieferten heute schon gute Informationen zur Nachhaltigkeit, andere schauten sich die Entwicklung des Kodexes „wohlwollend an“, sagte Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), die mehr als 1000 Analysten vertritt.

Die Firmen hätten das Bekenntnis zu deutschen Standards als Chance erkannt, um Investoren und Geschäftspartner weltweit zu überzeugen. Zum späten Protest von Arbeitgeberchef Hundt sagt Frank: „Für die plötzliche Aufregung gibt es keinen Grund.“

Mehr zum Thema lesen Sie in der Morgenpost Online.