Europas Banken

Die Abwertungsorgie der Ratingagentur Moody's

Die US-Ratingagentur Moody's stuft 21 europäische Institute herab. Die Zweifel steigen, dass die Staaten den angeschlagenen Geldhäusern noch helfen.

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Die Ratingagentur Moody's hat die Sorgen um Europas Banken weiter angeheizt. Die Analysten setzten zum Rundumschlag an und senkten den Daumen über zwölf britische und neun portugiesische Institute, darunter große Häuser wie Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds.

Für Großbritanniens Geldhäuser begründete Moody's den Schritt damit, dass die Banken in künftigen Notlagen weniger Hilfe von der britischen Regierung erwarten könnten. Der Staat würde zwar vermutlich systemrelevanten Institute unterstützen, aber nicht in dem Maße wie dies 2008 geschehen ist. Kleinere Banken könnten in Schieflagen noch weniger auf Steuergelder vertrauen.

In Portugal sind die wichtigsten Kreditinstitute des Landes von der neuerlichen Herabstufung betroffen, etwa die staatliche Caixa Geral de Depositos, die größte Bank des Landes, sowie mit der BCP die größte Privatbank Portugals. Grund für die Abstufung seien in erster Linie die große Menge portugiesischer Staatsanleihen, die die Banken in ihren Bilanzen halten und die schwachen Konjunkturaussichten.

In Großbritannien reagierten die Aktien von RBS und Lloyds mit deutlichen Verlusten von jeweils rund zwei Prozent auf die eigene Rating-Herabstufung. Besonders unter Druck scheint die krisengeschüttelte RBS zu sein.

Ihre Rettung durch den britischen Steuerzahler vor drei Jahren war mit 45 Mrd. Pfund die teuerste der ganzen Welt. Heute gehört sie zu 82 Prozent dem britischen Staat. Wie die „Financial Times“ in ihrer Freitagsausgabe berichtete, wächst in der britischen Regierung die Sorge, dass die RBS eine neue Geldspritze vom Staat brauchen könnte.

Demnach könnte der Großbank das Kapital knapp werden, sollten die europäischen Staatspapiere im Portfolio der Bank zu sehr abwerten. „Wenn es in Europa eine breite Bewegung zur Rekapitalisierung von Banken gibt, ist es denkbar, dass auch die RBS mehr Staatshilfen benötigt“, zitiert die Zeitung einen anonymen Regierungsvertreter.

Die RBS war eine von fünf Banken, die die europäischen Stresstests im Juli zwar bestanden, aber eine relativ niedrige Kernkapitalquote aufwiesen. Die anderen vier Banken waren Commerzbank, Deutsche Bank, Société Génerale und UniCredit.

EBA nimmt Banken erneut unter die Lupe

Unbestätigten Gerüchten zufolge prüft die Europäische Bankenaufsicht EBA derzeit erneut, wie europäische Banken auf mögliche Ausfälle von Staatspapieren vorbereitet wären. Ein RBS-Sprecher sagte, es gebe keinen Anlass zur Sorge.

Seit den Stresstests im Juli habe die Bank die Summe ihrer italienischen Staatsanleihen von 4,7 Mrd. Euro auf vier Mrd. Euro reduziert. Den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen von ursprünglich 1,2 Mrd. Euro habe sie zur Hälfte abgeschrieben. Ihre Kernkapitalquote läge bei 11,1 Prozent und damit höher als die der meisten europäischen Banken.

Auch der britische Schatzkanzler George Osborne versuchte die Lage zu beruhigen. „Ich bin überzeugt, dass die britischen Banken gut kapitalisiert und liquide sind“, sagte er im BBC-Radio. Sie ständen besser da als viele Banken in der Euro-Zone. Die Herabstufung von Moody's spiegele nur das Bemühen der Regierung wider, künftig weniger Steuergelder in die Rettung der Banken zu stecken.

Im September hatte eine Regierungskommission einen Bericht veröffentlicht, nach dem das Investmentbanking bei britischen Banken künftig klar getrennt werden muss vom Endkundengeschäft. Sollte sich eine Bank verspekulieren, sollen die Spareinlagen der Kunden somit nicht mehr in Gefahr geraten. Damit gäbe es für den britischen Staat auch keine Notwendigkeit mehr, die Banken zu retten.

Während Osborne versuchte Zuversicht zu verbreiten, war der britischen Notenbankchef Mervyn King eher in apokalyptischer Stimmung. „Dies ist unzweifelhaft die größte Finanzkrise, die die Welt jemals erlebt hat“, sagte er dem TV-Sender Channel 4.

2008 und 2009 sei die Situation um einiges einfacher gewesen als heute. Am Donnerstag hatte King daher die Notenpresse der Bank of England angeworfen. In den kommenden vier Monaten sollen durch den Ankauf von britischen Staatspapieren 75 Mrd. Pfund zusätzliches Geld in Umlauf gebracht werden.

EZB hilft den Banken mit 40 Milliarden Euro

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag angekündigt, den Banken in der Schuldenkrise mit neuen Milliardenhilfen unter die Arme zu greifen. Wie EZB-Chef Jean-Claude Trichet nach seiner letzten großen Ratssitzung in Berlin mitteilte, legt die Zentralbank ein 40 Mrd. Euro schweres Ankaufprogramm für Pfandbriefe und andere gedeckte Anleihen auf.

Doch vor einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy gibt es offenbar Streit um die Hilfen für Europas Banken. Während Merkel bei einer Banken-Rekapitalisierung die EU-Länder selbst in der Pflicht sieht, befürwortet Sarkozy einen Einsatz des Euro-Rettungsfonds, wie EU-Diplomaten sagten.

Die EU-Kommission will demnächst Vorschläge für einen abgestimmten Noteinsatz machen. Zuletzt wuchs die Sorge, dass die Banken in den Schuldenstrudel der Euro-Länder hineingerissen werden. Befürchtet wird, dass Banken durch wertlos gewordene Staatsanleihen in eine finanzielle Schieflage geraten.

Merkel hatte sich deswegen wiederholt dafür ausgesprochen, die Banken mit Kapitalspritzen zu unterstützen. Wenn die Banken dies nicht selber schaffen, müssen laut Kanzlerin die nationalen Regierungen das Problem lösen. Erst als letztes Mittel will Merkel den Rettungsfonds EFSF einsetzen.