Bezahlfernsehen

Sky-Aktie bricht nach EuGH-Urteil ein

Fußballfans können sich nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes über preiswertere TV-Abos freuen. Die Aktien der Pay-TV-Sender reagierten deutlich auf den Richterspruch.

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Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes könnte das Geschäftsmodell europäischer PayTV-Anbieter gehörig durcheinanderbringen. Fernsehzuschauer müssen nicht mehr unbedingt einen einheimischen PayTV-Sender abonnieren, um sich Fußball-Übertragungen anzuschauen, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Grundsatzurteil am Dienstag. (Die Urteile in der deutschen Übersetzung hier: Rechtssachen C-403/08 und C-429/08 ) Gegen das Urteil des EuGH ist keine Berufung mehr möglich.

Die Fußballfans dürften auch auf ausländische Fernseh-Anbieter zurückgreifen, die manchmal viel billiger sind. Nationale Vorschriften, die die Verwendung ausländischer Decoderkarten für das PayTV untersagen, verstießen gegen den freien Dienstleistungsverkehr, erläuterte das Gereicht.

Für die europäischen Profi-Fußballclubs und Bezahlfernsender ist das eine schlechte Nachricht, für die Fußballfans eher eine gute. Bisher konnten die Bundesliga, die englische Premier League oder die spanische Primera Division ihre Fußballrechte in jedem EU-Land einzeln verkaufen – meist für viel Geld an PayTV-Sender wie Sky Deutschland oder BSkyB in Großbritannien.

Abos im Bezahlfernsehen könnten billiger werden

Der jeweilige Heimatmarkt der Topligen ist dabei natürlich am interessantesten – so bekommt die Bundesliga-Dachorganisation DFL in der laufenden Spielzeit für die TV-Rechte in Deutschland gut 400 Millionen Euro, für die gesamten TV-Rechte im Ausland nur rund 50 Millionen Euro.

Mit dem Urteil des EU-Gerichts könnten Fußball-Abos im Bezahlfernsehen billiger werden. Denn analog zu den Preisen für die TV-Rechte verlangen die PayTV-Sender für ihre Fußball-Abos im Heimatmarkt der Ligen natürlich am meisten – ein spanischer Fußballfan ist bereit, mehr für Live-Spiele aus Primera Division zu bezahlen, als etwa ein deutscher – und umgekehrt.

Konkret entschied das Luxemburger Gericht auch über die Klage einer Pub-Besitzerin aus England, die einen griechischen Fernseh-Kanal abonnierte, um die Spiele der Premier League zu zeigen. Das kam für die Kneipenbetreiberin deutlich günstiger als ein Vertrag mit BSkyB.

Aktien von Pay-TV-Sendern brechen ein

Nach dem Urteil gerieten die Aktien der PayTV-Sender prompt unter Druck: An der Londoner Börse verloren die BSkyB-Aktien 1,3 Prozent – Sky Deutschland brachen um zehn Prozent ein. Unmittelbare Auswirkungen auf das Geschäft habe das Urteil aber nicht, sagte ein Sprecher von Sky Deutschland.

Zunächst müsse das Urteil noch in nationales Recht umgesetzt werden. Dann seien die Lizenzgeber – also die DFL in Deutschland – am Zug. Sie müssten sich überlegen, ob sie für die Fußballfernsehrechte noch weiter so viel Geld verlangen könnten.

Die DFL erklärte in einer ersten Reaktion, sie werde die Urteilsbegründung hinsichtlich möglicher Konsequenzen prüfen. Man sei jedenfalls nicht überrascht von der Entscheidung.

Die DFL habe „Vorkehrungen getroffen, um Auswirkungen sowohl auf die nationalen als auch die internationalen Medienrechte soweit wie möglich einzuschränken“, hieß es in der Mitteilung. Eine Möglichkeit zu neuen Verhandlungen mit den TV-Sendern bietet sich bald: Demnächst schreibt die DFL die Bundesliga-Übertragungsrechte ab der Saison 2013/14 neu aus.