Deutsche Bank gibt Gewinnziel auf

Ackermann muss in seinem letzten Jahr zurückrudern

Jetzt haben die Finanzmarktturbulenzen endgültig auch die Deutsche Bank erreicht. Das Investmentbanking schwächelt. Die Bank tritt auf die Kostenbremse und kappt ihre Gewinnprognose.

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Die Deutsche Bank hat sich von ihrem angestrebten Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro verabschiedet. Die Schuldenkrise im Euro-Raum und die Unsicherheit an den Märkten sorgten dafür, dass das für dieses Jahr angepeilte Ergebnis „nicht mehr erreichbar“ sei, sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Dienstag in London. An der Börse war es für die Bank schon vor der Ankündigung nach unten gegangen.

Die Staatsschulden-Krise im Euro-Raum und die anhaltenden Turbulenzen an den Märkten machen der Bank zu schaffen. Der Wert der Deutsche-Bank-Aktie fiel binnen drei Monaten von 41,18 Euro auf am Dienstag noch 24,26 Euro. Im dritten Quartal bleibe das Ergebnis somit „deutlich hinter den Erwartungen zurück“, teilte die Bank am Dienstag mit. Vor allem die Investmentsparte habe „nach einem schwachen, enttäuschenden Ergebnis“ im dritten Quartal deutlich ihre Ziele verfehlt, sagte Ackermann bei einer Konferenz in der britischen Hauptstadt. Hinzu kämen weitere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen in Höhe von 250 Millionen Euro. Bereits im zweiten Quartal hatte die Deutsche Bank 155 Millionen Euro auf griechische Schuldpapiere abgeschrieben.

Neuer Rekord muss her

Den einst angepeilten Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro für 2011 kassierte die Bank deshalb am Dienstag wieder ein. Es wäre das beste Ergebnis seit Bestehen der Deutschen Bank gewesen, und gleichzeitig das letzte unter Vorstandschef Josef Ackermann, bevor dieser im Mai kommenden Jahrs seinen Posten abgibt. Ihren bisher größten Gewinn hatte die größte Privatbank Deutschlands im Vorkrisenjahr 2007 erreicht. Damals nahm sie vor Steuern 6,5 Milliarden Euro ein. 2010 erwirtschaftete sie einen Vorsteuergewinn von rund vier Milliarden Euro.

Zumindest das Ziel, einen neuen Rekord aufzustellen, gibt die Bank aber noch nicht ganz auf. Er sei zuversichtlich, dass das Institut in diesem Jahr in seinen klassischen Feldern – dem Bankgeschäft mit Privatkunden und Firmen – den „besten Vorsteuergewinn aller Zeiten“ einfahren werde, sagte Ackermann.

Ihre Investmentbanking-Sparte fährt die Bank derweil weiter zurück. Bis Ende März kommenden Jahres werde das Unternehmen 500 Arbeitsplätze im Wertpapiersegment streichen, teilte die Bank mit. Betroffen seien „vor allem“ Mitarbeiter außerhalb Deutschlands. Mit diesem Zeitplan würde die Bank ihren Personalabbau in der Investmentbanking-Abteilung noch vor dem Wechsel an der Vorstandsspitze abschließen. Dies ist bedeutend, da ausgerechnet der Chef der Investmentbanking-Sparte, Anshu Jain, gemeinsam mit Deutschland-Chef Jürgen Fischen im Mai den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernehmen soll.

Die Börse zeigte sich von der Ankündigung des Kreditinstituts weitgehend unbeeindruckt. Der Aktienkurs der Bank war bereits vor der offiziellen Ankündigung um mehr als sechs Prozent in den Keller gegangen. Neben der Deutschen Bank verloren auch andere Finanzinstitute an den europäischen Handelsplätzen am Dienstag wieder deutlich. Außerdem hatten Beobachter bereits in der vergangenen Woche damit gerechnet, dass Ackermann seinen Auftritt in London dafür nutzen könnte, um seine Gewinnerwartungen zu kassieren.