Spritpreise

Diesel ist jetzt fast so teuer wie Superbenzin

Der Steuervorteil von Diesel zu Benzin beträgt 22 Cent. Doch beim Preis merkt man davon zur Zeit nichts. Die Regierung sieht keinen Grund, etwas für die Diesel-Fahrer zu tun.

Foto: Infografik Welt Online

Erst waren die Fahrer von Autos mit Benzinmotoren die Dummen, weil sie sich Monate lang mit dem Für und Wider des neuen E-10-Benzins herumschlagen mussten. Anfangs zahlten sie einen übertrieben hohen Preis für das alte Superbenzin, erst nach dem Sommer verringerten die Ölkonzerne den Preisabstand auf rund drei Cent, was dann auch der ADAC für angemessen hielt.

Und jetzt trifft es die Diesel-Fahrer: Ihre Tankrechnung ist fast genauso hoch wie die eines Benzinfahrers . Der Preisabstand zwischen beiden Sorten beträgt gerade einmal vier Cent im Bundesdurchschnitt. Dabei hat der Bund seit Mitte der 90er-Jahre die Steuer für Diesel bewusst deutlich niedriger festgelegt als für Benzin, um den Gütertransport und Vielfahrer zu entlasten. Aktuell beträgt der Steuervorteil 22 Cent. Doch dieser Abstand ist nun fast aufgezehrt.

Politik plant keine Eingriffe

Doch die Politik hat offensichtlich nicht vor, etwas für die gebeutelten Autofahrer zu tun. „Das Bundesfinanzministerium denkt derzeit nicht daran, aufgrund der Marktgeschehnisse beim Dieselpreis eingreifend zu wirken“, hieß es etwas umständlich aus dem Ministerium. Eine Absenkung der Mineralölsteuer beim Diesel komme nicht in Betracht.

Der Bund nimmt jährlich rund 40 Mrd. Euro an Steuern aus dem Energiebereich ein. „Dieses Geld ist gerade in der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage fest eingeplant“, hieß es im Finanzministerium. Ebenso wenig dürfte sich an der Pendlerpauschale etwas ändern. „Da ist ganz bestimmt nichts geplant. Die Bundesregierung wird nicht bei jeder Preisänderung an den Tankstellen mit der Pendlerpauschale reagieren“, sagte Norbert Barthle, haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Dabei ist die Entwicklung eindeutig: Lag der Preisunterschied zwischen Diesel und Benzin nach Berechnungen des ADAC im vergangenen Jahr durchschnittlich noch bei 19 Cent und ein Jahr davor bei 20 Cent, so waren dies von Januar bis Oktober 2011 nur noch zwölf Cent. Für das Gesamtjahr 2011 rechnet der ADAC mit zehn Cent. Und der Trend wird sich fortsetzen. „Auch ein Gleichstand der Preise ist in den kommenden Monaten nicht auszuschließen“, sagte Rainer Wiek, Chefredakteur des Energie-Informationsdienstes (EID).

Warum wird Diesel so teuer?

Doch was sind die Gründe, dass Diesel so teuer geworden ist? Immerhin mussten Dieselfahrer am 15.November mit Erschrecken feststellen, dass der Literpreis von 1,50 Euro und damit ein neuer Rekordstand erklommen wurde. Auf der einen Seite hängt dies direkt mit dem Ölmarkt zusammen: Diesel ist ein stark gefragtes Produkt am wichtigsten Handelsplatz Europas in Rotterdam.

Dort hat sich der Preis pro Tonne Diesel von Oktober bis jetzt von 930 Dollar (689 Euro) auf nunmehr 1030 Dollar erhöht. Benzin ist dagegen von 940 Dollar auf 880 Dollar sogar günstiger geworden. Die Nachfrage nach Diesel ist deshalb so groß, weil Länder wie die USA, China oder Indien Diesel für ihre Tankstellen oder zur Stromerzeugung importieren. In den Vereinigten Staaten sind die Tanklager für Diesel unmittelbar vor dem Winter um zehn Prozent geringer gefüllt, als sonst in der Jahreszeit üblich.

Im Winter ist Diesel teurer

Daneben wirkt sich die Wintersaison in Deutschland auf die Preise aus: Diesel und Heizöl sind ähnliche Produkte aus ein und derselben Raffinerieproduktion. Hausbesitzer bestellen in diesen Wochen so viel wie noch nie in diesem Jahr, ihre Heizöltanks sind im Durchschnitt nur zu 50 Prozent gefüllt. Die Heizölpreise liegen deshalb auch parallel zum Dieselpreis auf Rekordniveau.

Raffinerien wiederum haben aber nur eine begrenzte Kapazität für die Diesel-Herstellung, sie können diesen Anteil nicht spontan erhöhen. Ohnehin schließen große Ölkonzerne wie Shell, Total oder BP Raffinerieanlagen in Westeuropa, weil sie mit diesem Geschäft aus ihrer Sicht nicht genug Geld verdienen. „In Westeuropa werden wir ein Raffinerie-Problem bekommen. Die Konzerne ziehen sich aus dem Markt zurück“, sagte ein Ölexperte.

Schon heute ist Russland der größte Diesellieferant für deutsche Tankstellen. All das führt zu einer Verknappung und damit zu steigenden Preisen. Und da die Dieselnachfrage weiter wächst – in den vergangenen Jahren waren es bis zu fünf Prozent –, wird sich der Preistrend fortsetzen. Hinzu kommt: 2011 wird der Rohölpreis im Jahresdurchschnitt erstmals über 100 Dollar liegen. Auch das facht die Preise an.

Treiben die Ölkonzerne den Dieselpreis?

Auf der anderen Seite sind es natürlich die Ölkonzerne, die die Tankstellenpreise festlegen. Und an ihnen gibt es wieder einmal Kritik: „Für die Konzerne ist beim Benzin derzeit nicht viel zu holen. Der ADAC hat den Verdacht, dass sie deshalb versuchen, die Margen beim Diesel in die Höhe zu treiben“, hieß es bei dem Automobilklub.

Der Benzinpreis sei – gemessen an den Preisen in Rotterdam und dem Rohölpreis – angemessen. „Beim Diesel kann man das nicht sagen“, verlautete es aus dem ADAC. Im Detail belegen oder mit Zahlen untermauern kann der ADAC diese Behauptung nicht.

Doch auch der Branchendienst EID sieht es ähnlich: „Die Marge beim Diesel ist derzeit sicherlich etwas besser als beim Benzin“, sagte EID-Chefredakteur Wiek. Am Gesamtbild des deutschen Tankstellenmarktes ändere dies jedoch wenig. Deutschland gilt nicht nur bei den Experten des EID als einer der am härtesten umkämpften Ölmärkte. Am reinen Verkauf von Benzin und Diesel verdienen Konzerne wie auch Mittelständler kaum mehr als einen Cent je Liter nach Abzug aller Kosten. „Einige Unternehmen hatten in den ersten Monaten des Jahres Probleme, ihre Kosten zu decken“, sagte Wiek. In Ländern wie Italien oder Großbritannien ist ein Vielfaches davon drin.