Nach Razzia

Ackermann kündigt Rückzug bei Deutscher Bank an

Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann steht nicht mehr als Kandidat für den Aufsichtsrat des Unternehmens zur Verfügung. Zuvor waren seine Büros durchsucht worden.

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Seine Augen bleiben in weiten Teilen der Rede auf das Manuskript gesenkt. Nur einen kurzen Moment blitzt das gewinnende Lächeln auf, das sein Gesicht bei feierlichen Anlässen für gewöhnlich überstrahlt. Doch es ist kein gewöhnlicher Tag für Josef Ackermann. Nur eine halbe Stunde, bevor er an diesem Montagabend in Frankfurt die Laudatio auf den besten Banker Europas hält, gab die Deutsche Bank bekannt, dass Ackermann nicht mehr länger als Kandidat für den Aufsichtsrat zur Verfügung stehen wird. Und just an diesem Tag wurde auch bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Jahre nach den Mannesmann-Querelen erneut hinter Ackermann her ist: Sie ermittelt wegen versuchten Prozessbetrugs gegen ihn. Nun muss er lobende Worte für seinen Kollegen Peter Sands finden, der mit dem Titel „European Banker of the Year“ ausgezeichnet wird.

Nun ist er erneut Beschuldigter. Volle vier Tage lang haben die Ermittler der Staatsanwaltschaft München die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main auf den Kopf gestellt. Ihr besonderes Interesse galt den Räumen des Vorstandschefs: Sie durchsuchten akribisch das Büro von Josef Ackermann. Ihr Verdacht: Der Vorstandsvorsitzende soll vor Gericht gelogen haben, als er sich in diesem Mai zur Kirch-Pleite geäußert hatte. In der vergangenen Woche durchkämmten die Beamten zudem die Geschäftsräume des Aufsichtsratschefs Clemens Börsig und des früheren Deutsche-Bank-Managers Tessen von Heydebreck. Auch bei dem ehemaligen Vorstandschef Rolf Breuer durchsuchten die Beamten Privaträume – inklusive seines Urlaubsdomizils in Österreich.

Dass die Vorgänge an die Öffentlichkeit drangen, ist einem juristischen Kniff der Anwälte der Deutschen Bank zu verdanken. An diesem Montag sollte der Schadensersatzprozess rund um die Kirch-Pleite am Münchner Oberlandesgericht weitergehen. Eigentlich ein Routinetermin. Die Rechtsnachfolger des inzwischen verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch werfen der Deutschen Bank vor, vorsätzlich die Pleite des Medienkonzerns verursacht zu haben. Sie beziehen sich dabei unter anderem auf ein in New York geführtes Fernsehinterview von Breuer, in dem dieser 2002 die Kreditwürdigkeit von Kirch infrage gestellt hatte. Nach Kirchs Lesart war das der Todesstoß für seinen Konzern. An diesem Montag hätte eigentlich Friede Springer, die Mehrheitsaktionärin der Axel Springer AG („Bild“, Morgenpost, „Welt“), als Zeugin aussagen sollen – doch gleich zu Beginn ließen die Anwälte der Deutschen Bank den Prozesstag platzen: Sie warfen dem Richter Guido Kotschy Befangenheit vor, weil er mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet haben soll. Das habe in den Hausdurchsuchungen gemündet. Daraufhin brach der Richter die Sitzung ab.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine Razzia sowie Ermittlungen gegen mehrere Beteiligte des Zivilverfahrens. Dem Vernehmen nach verdächtigt die Staatsanwaltschaft Ackermann und die anderen Banker der Falschaussage. Sie bezieht sich dabei auf Äußerungen, die die Manager im Mai dieses Jahres im Münchener Zivilprozess gemacht haben.

„Ich kann dazu nichts sagen“

Die Befragung des Richters drehte sich damals um eine Vorstandssitzung aus dem Jahre 2002. Im Protokoll der Sitzung steht der Satz, dass die Deutsche Bank gebeten worden sei, als Mediator zwischen dem Medienunternehmer und anderen Parteien zu fungieren. Kirchs Anwälte unterstellen, dass sich die Deutsche Bank ein lukratives Beratungsmandat bei Kirch hatte holen wollen. Die Manager haben dies bestritten. Gegen Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Aussagen setzt sich die Bank zur Wehr: „Die Deutsche Bank weist die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft München als haltlos und ihr Vorgehen als unverhältnismäßig zurück“, erklärte das Institut. Ackermann selbst gab sich schmallippig. „Ich kann dazu nichts sagen, ich weiß davon nichts“, sagte er bei der „Euro Finance Week“.

Als reinen Zufall bezeichnet man es in Deutsche-Bank-Kreisen, dass ausgerechnet an diesem Tag auch Ackermanns endgültiger Abschied von der Bank bekannt wurde. Eigentlich sollte er nach seinem Abgang als Vorstandschef im kommenden Frühjahr direkt an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln – worauf er nun verzichtet. Dass aus dem Posten-Wechsel nichts werden könnte, hatte sich tatsächlich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Denn das Aktiengesetz erschwert den früher durchaus üblichen Schritt vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Aktionäre, die 25 Prozent des Kapitals vertreten, müssen dafür eine Ausnahmeregelung beantragen. Für die erforderlichen Gespräche mit Investoren fehle ihm die Zeit, ließ Ackermann mitteilen.