Josef Ackermann

"Staatsanleihen haben risikolosen Status verloren"

Euro-Anleihen sind bei Auslandsinvestoren zunehmend unbeliebt, sagt Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Der Branche drohten unruhige Zeiten.

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht die Finanzbranche vor einem „unruhigen Jahrzehnt“. Wer immer noch glaube, die Branche könne zu ihrem Geschäftsgebaren von vor der Finanzkrise zurückkehren, „sollte sich schleunigst eines Besseren besinnen“, sagte Ackermann bei der „Euro Finance Week“ in Frankfurt. Staatsanleihen hätten ihren Status als risikofreie Anlage verloren , Schwellenländer würden wichtiger.

Es werde immer schwieriger, ausländische Großinvestoren vom Kauf europäischer Staatsanleihen zu überzeugen . Im Nahen Osten und anderswo fürchteten mögliche Anleger, nach dem Kauf zu einer Lastenteilung aufgefordert zu werden, sagte Ackermann.

Die Investoren sagten sich, „wir kaufen doch keine Anleihen, wenn wird dann zu einem burden-sharing, einer Lastenteilung , aufgefordert werden“, sagte Ackermann. Die stärkere Regulierung von Ausfallversicherungen für Staatsanleihen sei deshalb abträglich.

Forderungen nach einer Zerschlagung von Banken erteilte Ackermann eine Absage. Er sprach sich dafür aus, an dem Modell festzuhalten, das Privatkunden- und Finanzmarktgeschäft unter einem Dach vereint. Allerdings müssten Banken ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten.

"Die Spreu wird sich stärker vom Weizen trennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wettbewerber aus dem Markt ausscheiden oder sich mit anderen zusammentun, ist in unserer Branche größer denn je“, befand Ackermann.

Die Regulatoren mahnte er, Europas Banken nicht zu viele Fesseln anzulegen : „Dabei verlieren wir die Wettbewerbsfähigkeit.“ Vor allem bräuchten Geldinstitute mehr denn je den Rückhalt der Gesellschaft. „Banken können langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn sie das Vertrauen der Gesellschaft besitzen“, sagte Ackermann. „Für Banken ist es unerlässlich, im Hinblick auf ihre Angebotspalette auch zu prüfen, ob sie der realen Wirtschaft und den Menschen dienen.“