Fachkräftemangel

In Deutschland fehlen fast 30.000 Lehrlinge

Auch in diesem Jahr wird es für die deutsche Wirtschaft schwierig, ihren Fachkräftebedarf durch Ausbildung zu sichern. Unternehmen klagen über einen massiven Mangel an Bewerbern.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ende September waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Montag noch 29.700 Lehrstellen unbesetzt. Bei sinkenden Bewerberzahlen stieg das Lehrstellenangebot. Mit einem Plus von 10,2 Prozent wurden vor allem deutlich mehr betriebliche Lehrstellen angeboten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach von einem erfreulichen Trend. Der Bundesregierung und den Wirtschaftsverbänden im Ausbildungspakt warf der DGB gleichwohl vor, mit „Rechentricks“ die Ausbildungssituation schön zu rechnen.

Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt

Bei den Arbeitsagenturen waren bis Ende September 519.500 Ausbildungsstellen und damit 7,5 Prozent mehr gemeldet als im Jahr zuvor. Davon waren Ende September noch 29.689 unbesetzt. Dem standen 11.550 noch unversorgte Ausbildungsbewerber gegenüber. Rechnerisch gab es somit zum Beginn des Ausbildungsjahres noch 18.100 offene Lehrstellen mehr als unversorgte Bewerber. Im vorigen Jahr betrug dieser Lehrstellenüberhang nur 7400 Stellen.

Die Zahl der Bewerber ging insgesamt um 2,5 Prozent zurück auf 538.200, während das Angebot an betrieblichen Lehrstellen um 10,2 Prozent auf 468.900 zulegte. Dazu dürften die gute Konjunktur und das Interesse der Betriebe an einer Sicherung des Fachkräftenachwuchses beigetragen haben.

In Industrie und Handel wurden nach Angaben aus Kreisen des Ausbildungspaktes von Bundesregierung und Wirtschaft bis Ende Oktober 340.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das seien 12.900 oder 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Handwerk habe mit 152.500 neuen Lehrverträgen nur einen leichten Rückgang um 0,6 Prozent verzeichnet. In den Freien Berufen habe es 43.100 (plus 1,1 Prozent) Neuverträge gegeben. Ihre Bilanz wollen Regierung und Verbände am Nachmittag vorlegen.

DGB – Talsohle durchschritten

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock zog eine gemischte Bilanz. „In diesem Jahr scheint es, als hätten wir die Talsohle durchschritten und könnten mit einem Plus von 3,4 Prozent Verträgen uns wieder normalen Verhältnissen nähern“, erklärte Sehrbrock. Es sei aber falsch, wenn im Ausbildungspakt, bei dem die Gewerkschaften nicht mitmachen, von glänzenden Chancen für junge Leute die Rede sei. Regierung und Wirtschaft zählten 65.200 Jugendliche als versorgt, „die sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser halten“. In Wahrheit liege die Zahl der unversorgten Bewerber somit bei 76.800. Sie übersteige damit die Zahl der noch offenen Plätze um mehr als das Doppelte.