Einkaufsmanagerindex

Die Euro-Zone ist auf dem Weg in eine Rezession

Der Einkaufsmanagerindex fällt auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Experten rechnen daher mit einer Rezession und Zinssenkung.

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Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist auf dem Weg in die Rezession. Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister schrumpften im Oktober so deutlich wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Hauptgrund dafür: Wegen der Verunsicherung durch die Schuldenkrise stellen viele Kunden ihre Investitionen zurück.

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel um 1,9 auf 47,2 Zähler, teilte das Markit-Institut unter Berufung auf eine Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit. Damit rutschte das stark beachtete Barometer weiter unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. "Die meisten Indikatoren deuten an, dass es in den kommenden Monaten eher schlechter als besser werden wird", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Deutsche Privatwirtschaft legt leicht zu

Im Gegensatz zur Euro-Zone hat sich die Geschäftsaktivität in der deutschen Privatwirtschaft im Oktober leicht erhöht. Allerdings rührte die höhere Dynamik ausschließlich von den Dienstleistern her, wie Markit mitteilte.

Der Index für den Servicesektor kletterte demnach auf 52,1 Punkte von 49,7 im Vormonat und erreichte damit das höchste Niveau seit drei Monaten. Ökonomen hatten eine Stagnation des Index erwartet. Die Industrie schrumpfte indessen. Der Index des verarbeitenden Gewerbes fiel auf 48,9 Zähler, von 50,3 im September.

Düstere Zeiten für die Euro-Zone

Viele Experten rechnen deshalb mit einer Rezession in der Euro-Zone. „Für das Schlussquartal sieht es zunehmend düster aus“, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Sein Haus rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent.

Für 2012 sei eine Stagnation zu befürchten. „Doch selbst dies setzt voraus, dass die Staatsschuldenkrise nicht eskaliert“, sagte Weil. „Kommt es zu einem Unsicherheitsschock wie nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, würde die Euro-Wirtschaft wohl auch im Jahresdurchschnitt 2012 deutlich schrumpfen.“

Die meisten Ökonomen gehen deshalb davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins senken wird, um mit billigerem Geld Investitionen und Konsum anzuschieben. „Wir gehen davon aus, dass die EZB ihren Leitzins Anfang kommenden Jahres auf 1,0 Prozent senken wird“, sagte Ben May von Capital Economics. Derzeit liegt er bei 1,5 Prozent.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,2 auf 47,3 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit Juli 2009. Die Aussichten auf eine rasche Besserung stehen nicht gut: Die Aufträge gingen so stark zurück wie seit knapp zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Dienstleistungsbranche gab um 1,6 auf 47,2 Punke nach. Keiner der 35 von Reuters befragten Analysten hatte damit gerechnet, dass dieser Wert so deutlich unter die wichtige 50-Punkte-Marke abrutscht.