Positivszenario

Glück für Europa – Wenn die Griechen zustimmen

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou lässt sein Volk entscheiden. Doch welche Folgen hätte ein Votum für die Sparpläne und Euro-Zone?

Drei Monate ist es her, dass Griechenlands Premier Giorgos Papandreou die Welt in Angst und Schrecken versetzte, als er sich für eine Volksabstimmung über das zweite EU-Hilfspaket entschied. Es waren Monate der Verunsicherung. Nicht nur, dass Aktien- und Anleihekurse auf neue Rekordtiefs fielen.

Mindestens genauso stark hat das Vertrauen der Europäer im Rest der Welt gelitten. Papandreous Volte, so heißt es nicht nur bei Investoren, sondern auch bei Regierungen in Asien und Amerika, habe vorgeführt, wie wenig Europa in der Lage ist, seine eigenen Probleme anzupacken.

Papandreou aber sah das immer anders. Der Grieche wusste, dass seinem Reformkurs die Legitimation durch die Bevölkerung fehlte. Dass seine Politik daran scheitern könnte, war ihm klar – schon weil er täglich die Demonstranten vor den Büros seiner Ministerien sah. Wenn Griechenlands Demokratie daran nicht zerbrechen solle, müsse er die Stimmung drehen, wird er häufig zitiert. Die Volksabstimmung ist das Spiel, das Papandreou gewinnen muss, damit er seine Reformen fortsetzen kann.

Verbleib des Landes in der Euro-Zone

Im Januar ist es so weit. Viel hat sich der in den USA studiert habende Premier bis dahin einfallen lassen. Die Griechen, erklärt er immer und immer wieder, stimmten eben nicht nur über weitere Sparmaßnahmen ab, sondern über den Verbleib ihres Landes in der Euro-Zone, vielleicht sogar in der EU.

„Wollt ihr ein Teil Europas sein, modern und zukunftsfähig, oder interessieren euch nur eure Renten, die ihr nach einer Staatspleite nicht mehr ausbezahlt bekommt“, fragt er sie provokativ in groß angelegten Werbeaktionen. Demgegenüber sieht die Opposition alt aus.

"Griechenland ist ein Teil Europas"

Am entscheidenden Tag, kurz nach 19 Uhr, ist in Griechenland weitgehend ausgezählt. Das Ergebnis steht fest. Eine überraschend starke Mehrheit von 59 Prozent der Griechen votiert für Sparpaket, Schuldenschnitt und Euro-Hilfen. Sie entscheidet sich aber für noch viel mehr. „Griechenland ist ein Teil Europas“, diktieren sie Reportern nach Verlassen der Wahllokale immer wieder in die Blocks. „Die Reformen mögen schmerzhaft sein, aus unserer Sicht sind sie sogar ungerecht. Aber wir wollen nicht in die Vergangenheit zurück.“

Zwar hatte sich in den Tagen vor der Abstimmung in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet. Niemand jedoch – außer Papandreou vielleicht – hatte tatsächlich mit diesem Ergebnis gerechnet. Plötzlich ist all das Misstrauen der vergangenen Wochen vergessen.

Gigantische Kursgewinne

Als in der Nacht danach in Asien die Märkte öffnen, drehen die Börsen deutlich ins Plus. Der Dax startet am Morgen mit gigantischen Kursgewinnen. Und der Euro gewinnt erstmals seit Monaten wieder an Wert gegenüber dem Dollar.

In den nächsten Wochen geht die Arbeit aber erst richtig los. Die neuerlichen Sparmaßnahmen müssen umgesetzt, die Beteiligung der privaten Banken am Schuldenschnitt durchgesetzt werden. Noch einmal wackelt es an den Märkten ein bisschen – kein Vergleich allerdings zu den Wochen davor. Plötzlich verweist jeder darauf, dass Papandreou mit seinem gewagten Schritt enorm an Legitimation gewonnen hat. Griechenland stehe hinter ihm und seinem Weg. Misstrauisch wird lediglich beobachtet, wie Italien sich so nach und nach von den gegebenen Versprechen wieder verabschiedet.