Nachfrage steigt

Eine Million Hartz-IV-Kinder nutzen Bildungspaket

Etwa 44 Prozent der Hartz-IV-Kinder profitieren vom Bildungspaket. Die meisten beantragen einen Zuschuss zum Mittagessen.

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Nach einem schleppenden Start ist die Nachfrage nach dem Bildungspaket für Hartz-IV-Kinder im Sommer spürbar gestiegen. Umfragen des Deutschen Städtetages und des Deutschen Landkreistages zufolge wurden inzwischen für gut 44 Prozent der Kinder Anträge gestellt, wie die beiden kommunalen Spitzenverbände einen Tag vor einem „Runden Tisch“ mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Umsetzung des Pakets mitteilten. Im Juni hatte die Quote erst 27 Prozent betragen.

Vertreter der Spitzenverbände zeigten sich zufrieden mit dem Anstieg. Insgesamt erreicht das Paket damit rund eine Million Kinder. Die Zwischenbilanz könne sich sehen lassen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags Stephan Articus. „Immer mehr Eltern werden durch die intensive Informationsarbeit von Bund, Ländern und Kommunen auf die Leistungen aufmerksam.“ Das Bildungspaket setze sich nach und nach durch.

Nachgefragt werden vor allem Zuschüsse zum Schulessen, zu Schulausflügen und Klassenfahrten sowie zu Vereinsbeiträgen, wie Landkreistags-Präsident Hans Jörg Duppré erläuterte. Schülerbeförderung und Nachhilfe spielten dagegen eine untergeordnete Rolle.

Lernangebote werden nur wenig genutzt

„An diese Leistungen hat der Gesetzgeber sehr enge Voraussetzungen geknüpft“, betonte Duppré. Die beiden Spitzenverbände warnten vor überzogenen Vorstellungen. Eine hundertprozentige Inanspruchnahme sei nicht realistisch, weil „Vereine Kindern aus armen Familien kostenlose Mitgliedschaften anbieten, nicht alle Kinder Musikunterreicht nehmen wollen oder versetzungsgefährdet sind“, sagte der Präsident des Landkreistages.

Zudem werde auch nicht überall Mittagessen in Kindergärten und Schulen angeboten, das bezuschusst werden könnte, erklärte Articus. In den Gesprächen zwischen Bund, Ländern und Kommunen werde kontinuierlich daran gearbeitet, zu Vereinfachungen bei der Bewilligung der Anträge zu kommen, sagte Articus weiter. Bei Sachleistungen, für die sich der Gesetzgeber entschieden habe, sei das Verfahren zwangsläufig komplizierter als bei Geldleistungen.

Das Bildungspaket war am 1. April mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten gestartet. Ministerin von der Leyen rief daraufhin erstmals einen „Runden Tisch“ zur Umsetzung des Pakets ein. Es sieht für die rund 2,5 Millionen Kindern aus Familien mit geringem Einkommen finanzielle Unterstützung vor, um die sozialen Chancen dieser Kinder zu verbessern.

Allerdings müssen die Leistungen einzeln beantragt werden. Neben den Hartz-IV-Familien bekommen auch die Empfänger von Sozialhilfe, Kinderzuschlag und Wohngeld Hilfen für ihren Nachwuchs. Um für das Paket zu werben, haben viele Kreise sogar jeden Hartz-IV-Haushalt extra angeschrieben. Articus mahnte, auch Schulen, Kindergärten, Vereine und Eltern müssten bei der Umsetzung mitwirken.