Krisengipfel

Börsen feiern Euro-Beschlüsse - Dax und Euro steigen

Europas Börsen haben am Donnerstag die Beschlüsse der Euro-Staaten zur Lösung der Schuldenkrise mit deutlichen Kursgewinnen gefeiert.

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Die Händler freuen sich über die Beschlüsse beim Euro-Gipfel in Brüssel.

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Besonders gesucht waren am Donnerstag, wenige Stunden nach dem EU-Gipfel zur Euro-Schuldenkrise, deutsche und französische Finanztitel, die in der Spitze mehr als 14 Prozent zulegten. Der Dax stieg bis zum Mittag um 4,4 Prozent auf 6282 Punkte und notierte damit so hoch wie seit Anfang August nicht mehr. Auch die Börsen in Paris und Mailand legten mehr als vier Prozent zu. In Athen war die Erleichterung besonders groß: Der Standardwerte-Index sprang um 6,6 Prozent in die Höhe. Die Kurse der griechischen Banken legten mehr als elf Prozent zu. Der EuroStoxx lag 4,6 Prozent im Plus.

Echte Euphorie wollte in den Handelsräumen zwar nicht aufkommen, da viele Details noch ungeklärt sind. Doch zogen die Umsätze im Aktienhandel merklich an, ein Zeichen für echtes Investoreninteresse. „Jede Einigung ist besser als keine Einigung“, erklärten die Devisenanalysten der Commerzbank. Schließlich bestehe zumindest die Chance auf eine merkliche Entspannung der Euro-Krise. Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler Bank, sah das ähnlich: Allein die Tatsache, dass sich die Politiker zu einer Entscheidung durchgerungen haben, gebe Rückenwind. „Das Ergebnis des Gipfels zeigt letztlich, dass Griechenland in der Euro-Zone bleiben wird“, fasste Aktienstratege Heino Ruland von Ruland-Research zusammen.

Beim Sondergipfel hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder unter anderem auf ein Rettungspaket für Griechenland inklusive eines 50-prozentigen Schuldenschnitts für die privaten Gläubiger geeinigt. Zudem verständigten sie sich auf eine Hebelung des Euro-Rettungsschirm EFSF.

„Mit der Einigung auf einen Schuldenschnitt für Griechenland von 50 Prozent hat man ein großes Stück Unsicherheit beseitigt“, erklärte Analyst Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets in Brüssel. „Es ist sehr wichtig, den Markt davon zu überzeugen, dass das ein guter Plan ist. Die Wiederherstellung des Vertrauens ist in diesem Heilungsprozess ein wichtiger Schritt.“ Allerdings gab es auch viele skeptische Stimmen. Einige Analysten kritisierten, dass noch viele Details ausstünden. Es sei nicht sicher, ob die Hebelung des EFSF gelinge, warnten die Devisenanalysten der Commerzbank. „Der massiv erhöhte Griechenland-Haircut könnte bestehende Ansteckungseffekte verstärken und neue auslösen.“

Trotz der Skepsis einiger Börsianer fiel die Reaktion der Banken-Aktionäre europaweit besonders positiv aus. Der Stoxx-Branchenindex stieg um fast sieben Prozent. Im Dax führten die Aktien der Deutschen Bank mit einem Plus von über 14 Prozent und der Commerzbank mit einem Aufschlag von mehr als zwölf Prozent die Gewinnerliste an. In Paris standen BNP Paribas und Societe Generale mit Kurssprüngen von über 16 beziehungsweise über 14 Prozent ganz oben auf den Einkaufszetteln der Anleger. Vor allem die französischen Banken hatten unter der Unsicherheit über den Schuldenschnitt für Griechenland gelitten. Auch die Aktien der Versicherer zogen kräftig an: Allianz stiegen um über sieben Prozent, Axa um fast 13 Prozent.

Zudem kamen bei den Anlegern eine Reihe von Bilanzen deutscher Großkonzerne gut an: allen voran Bayer und BASF , deren Aktien bis zu fast sieben beziehungsweise sechs Prozent zulegten. Ebenfalls zu den Gewinnern zählten die Lufthansa -Aktien, die um knapp sieben Prozent zulegten. Analysten sprachen von soliden Ergebnissen.

Auch VW lockten mit ihrem Zwischenbericht Käufer an: die Aktien stiegen um rund acht Prozent. „VW steht mit einem guten Marken-Mix einfach besser da als die Konkurrenz – vor allem Daimler“, fasste ein Börsianer zusammen. „Das Ergebnis unterstreicht die Stärke des Geschäftsmodells von VW“, fügte ein weiterer hinzu. Nur Daimler fuhren dem Dax mit einem relativ mageren Plus von knapp drei Prozent hinterher. Börsianer zeigten sich von dem Ergebnis enttäuscht.