Griechenland-Rettung

Top-Ökonom Sinn hofft, dass die Euro-Gipfel platzen

Mehrere Wirtschaftsforscher fordern einen tiefen Schuldenschnitt in Griechenland. Sie fürchten, dass Deutschland noch mehr zahlen muss.

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Führende Ökonomen haben in einer Umfrage von "Morgenpost Online“ zum Euro-Krisengipfel von der Politik einen tief greifenden Schuldenschnitt für Griechenland gefordert. „Die Politik muss den Tatsachen ins Augen sehen, ehrlich sein und sagen, dass Griechenland einen Schuldenschnitt braucht und bekommt“, sagt Markus Brunnermeier, Professor in Princeton. „50 Prozent wären nötig.“

Brunnermeier vertritt damit keine Einzelmeinung. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn – bekannt für durchaus umstrittene Thesen zu Griechenland – geht sogar noch weiter: Er hoffe, dass die „beiden Rettungsgipfel platzen.“ Dort werde doch nur darüber beraten, wie das deutsche Portemonnaie noch weiter geöffnet werden könne .

„Die Politik sollte aufhören, dem vielen in Griechenland verdorbenen Geld immer mehr neues Geld hinterher zu werfen“, fordert er. Bevor die Europäer Athen in die Insolvenz und damit in die Umschuldung schicken würden, „müssen die Euro-Regierungen ihre Banken aber durch Aufkauf neuer Aktien rekapitalisieren, damit sie die Abschreibungsverluste auf griechische und eventuell portugiesische Papiere leichter wegstecken können.“

Seit Monaten streiten die Mitglieder der Euro-Zone, ob Griechenland über einen Schnitt von einem Teil seiner erdrückenden Schuldenlast befreit werden soll. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist dem Vernehmen nach für eine radikale Lösung. Angeblich will er von den Banken einen Forderungsverzicht von 50 bis 60 Prozent. Das aber lehnten die Franzosen als Vertreter der gesamten Südländer in der Euro-Zone bislang ab. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy war nach Informationen von Morgenpost Online lange Zeit bereit, mit seinen heimischen Kreditinstituten einen Schnitt von 35 Prozent zu verhandeln.

Anders als die hiesige Konkurrenz sind Frankreichs Banken stärker in Griechenland engagiert. Eine Umschuldung würde sie so hart treffen, dass einige Kapitalprobleme bekämen. Sarkozy – im Wahlkampf um das Präsidentenamt – müsste sie mit Staatsgeld stabilisieren. Weil Frankreich aber wegen seiner Verschuldung unter Beobachtung der Ratingagenturen ist, müsste er an anderer Stelle sparen. Populär ist das nicht.

Die Wissenschaftler warnen, Reformen wegen ihrer Unpopularität in der Bevölkerung aufzuschieben. „Bekommt die Politik die Euro-Krise nicht in den Griff, droht der Euro-Zone eine Lehman-Krise“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank. Die Anleger seien verängstigt . Sie sähen Athen als Präzedenzfall für Italien. Deshalb sei auch die Ansteckungsgefahr auf andere Euro-Länder so immens. Und Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank, sieht zudem Gefahren durch eine Hebelung des Rettungsfonds EFSF via einer Absicherungslösung: Diese Maßnahme könnte die Kapitalprobleme von Italiens Banken vergrößern.

„Wenn der Wert der alten Staatsanleihen ohne Versicherung sinkt, bekommen italienische Banken im Repomarkt der Banken untereinander wegen höherer Abschläge dafür weniger Geld.“ Und dann droht ihnen eine Finanzierungslücke. Wie bei der gesamten Euro-Rettung steckt der Teufel also in den Details.