Anleihen-Kauf

Schwellenländer wollen die Euro-Zone retten

Im Kampf gegen die Krise kann die Euro-Zone auf Hilfe aus China und Brasilien hoffen. Doch dafür verlangen sie auch eine Gegenleistung.

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Große Schwellenländer wollen laut einem Zeitungsbericht der Euro-Zzone in der Schuldenkrise zur Hilfe kommen. Im Gespräch sei, den Internationalen Währungsfonds (IWF) schlagkräftiger zu machen, damit dieser wiederum die Bemühungen der Euro-Zone bei der Krisenabwehr unterstützen kann. Das berichtet die britische „Financial Times“. Befürworter des Plans seien China und Brasilien, Details würden aber noch nicht feststehen.

Eine der Möglichkeiten wäre der – in der Finanzkrise bereits bewährte – Ankauf von Anleihen, die der IWF ausgibt. Auf diese Weise könnten die Schwellenländer Europa helfen, ohne direkt Staatsanleihen von Krisenstaaten erwerben zu müssen – was ihnen unter Umständen Verluste einbrächte, zitierte die Zeitung den früheren Leiter der China-Abteilung des Währungsfonds.

Die Maßnahmen könnten auf dem G-20-Gipfel Anfang November in Cannes vorgestellt werden, heißt es in dem Bericht. Am Freitag und Samstag kommen zunächst die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Paris zusammen, um über Lösungen für die Euro-Schuldenkrise zu beraten. Nach Einschätzung Japans sollte Europa seiner Finanzbranche energisch unter die Arme greifen. Beim G-20-Treffen werde er die Europäer zu großangelegten Hilfsprogrammen drängen, sagte Finanzminister Jun Azumi. Auch der Euro-Rettungsschirm EFSF solle daran Anteil haben.

Japan werde seine bittere Erfahrung mit einer zu zögerlichen Eindämmung der eigenen Bankenkrise in den 90er Jahren bei den G 20 zur Sprache bringen. Japan habe damals die Folgen fauler Kredite unterschätzt und zu zaghaft gehandelt, sagte Azumi auf dem Weg nach Paris.

IWF bereitet kurzfristige Kredite vor

Abseits der offiziellen Agenda dürften die Krise Griechenlands und die überbordenden Staatsschulden auch anderer Euro-Länder die Gespräche prägen. Der Internationale Währungsfonds bereitet G-20-Vertretern zufolge kurzfristige Kreditlinien vor, um wirtschaftliche gesunden Staaten bei Liquiditätsproblemen zu helfen.

Der Plan dafür werde in den kommenden Tagen dem Direktorium des IWF vorgelegt, sagte ein Diplomat. Die G-20-Gruppe stimme dem Vorschlag zu. Demnach könnten die Kreditlinien binnen weniger Wochen eingerichtet werden. Staaten sollen daraus Geld für drei bis sechs Monate erhalten. Das Vorgehen würde die Euro-Zone dabei entlasten, angeschlagene Mitglieder zu unterstützen.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker will im Kampf gegen die Euro-Krise Banken unter Umständen zu einer Gläubigerbeteiligung verpflichten. „Die Privatbanken müssen wissen, dass wenn die freiwillige Gläubigerbeteiligung nicht ausreichen wird..., dass wir dann auch ins Auge fassen müssen, dass es zu einer nicht-freiwilligen Gläubigerbeteiligung kommt“, sagte der luxemburgische Regierungschef im Deutschlandfunk.

Bereits in der kommenden Woche soll ein Gespräch mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Herman van Rompuy und Vertretern der Privatbanken stattfinden. Juncker sagte zudem, einige europäische Banken müssten rekapitalisiert werden. So müsse sichergestellt werden, dass es keine Infizierungsgefahr für das gesamte Bankensystem gebe. „Man muss die Lage der verschiedenen Bankhäuser in Europa getrennt beachten und beobachten und man braucht hier wahrscheinlich maßgeschneiderte Lösungen. “

Am Vorabend hatte die Banken-Krise in Europa neuen Zündstoff bekommen: Die Ratingagentur Fitch drohte mehreren Großbanken mit der Herabstufung ihrer Bonität. Der Ausblick für die Bank of America, Morgan Stanley, Goldman Sachs und fünf europäische Banken sei auf negativ gesetzt worden, teilte Fitch mit. Zu den betroffenen Instituten in Europa gehört neben Barclays Bank, BNP Paribas, Société General und Credit Suisse auch die Deutsche Bank .

Analysten gingen davon aus, dass Fitch die Kreditwürdigkeit der Banken schon bald herabstufen könnte. Im Falle der Bank of America sei Fitch allgemein darüber besorgt, wie sich die gegenwärtige Wirtschafts- und Marktlage auf die Geschäfte des Kreditinstituts auswirken könnten, teilte die Ratingagentur mit. Zudem sei die größte US-Bank noch immer stark in dem volatilen Immobilienmarkt der Vereinigten Staaten engagiert.

Sorgen bereiten Fitch auch mehrere Klagen, denen sich die Bank of America wegen des Verkaufs von durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere ausgesetzt sieht. Bei Morgan Stanley beobachte Fitch die Umstrukturierung mit Sorge. Die New Yorker Bank will seinen Investmentbereich verkleinern und die Vermögensverwaltung ausbauen. Damit soll das Geschäftsmodell auf eine solidere Grundlage gestellt werden. Bei Goldman Sachs stehe das gesamte Kapitalprofil und die Abhängigkeit der Bank von Handelserlösen unter besonderer Beobachtung, teilte Fitch mit.