Trotz heftiger Kritik von Politik und Gewerkschaften hat die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit dreizehn Monaten die Leitzinsen erhöht. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet begründete die Anhebung um einen Viertel Prozentpunkt auf nun 4,25 Prozent mit den gestiegenen Teuerungsgefahren im Euroraum. Wir werden tun, was nötig ist, um Preisstabilität zu gewährleisten“, sagte Trichet. Inzwischen ist der Leitzins in der Währungsunion so hoch wie zuletzt vor etwa sieben Jahren.


Im Juni hatten die Verbraucherpreise in der Euro-Zone wegen der rasant steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise den Rekordwert von vier Prozent erreicht. Die Teuerungsrate liegt damit deutlich über dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent.

Anders als von den Finanzmärkten erwartet, ließ Trichet dennoch offen, ob die Notenbank im Jahresverlauf weitere Zinsschritte nach oben beschließen wird. „Wir haben keine Tendenz und legen uns vorab nie fest. Unsere Geldpolitik wird nach der heutigen Entscheidung dazu beitragen, mittelfristig Preisstabilität zu erreichen“, sagte er.

Während der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar daraufhin deutlich unter Druck geriet und bis auf 1,5737 Dollar sank, zogen die Kurse am Rentenmarkt leicht an.


Vor der EZB-Entscheidung hatten zahlreiche Politiker und Gewerkschafter verlangt, auf die Zinserhöhung zu verzichten, um die schwächer werdende Konjunktur nicht noch weiter zu belasten. So forderte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die EZB auf, Wachstumsziele stärker zu gewichten. Hingegen verwies Trichet in seiner Rede darauf, dass die Abwärtsrisiken zwar zugenommen hätten, die Konjunktur im Euroraum aber weiterhin robust sei.

Wirtschaftsvertreter und Ökonomen begrüßten das Zinssignal der Währungshüter. „Die Entscheidung der EZB mag unbequem sein, ist aber notwendig und richtig“, sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann. Das Preisklima im Euro-Raum habe sich dramatisch verschlechtert. Dabei könne die EZB nicht tatenlos zusehen.

„Was die EZB entscheidet, wird nun von den neuen Daten abhängen. Derzeit deutet nichts auf eine weitere Zinserhöhung im August hin“, sagte Deutschland-Chefökonom Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort. Hingegen kritisierte der Chefvolkswirt des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dierk Hirschel, die Währungshüter gefährdeten durch ihren harten Kurs Hunderttausende Arbeitsplätze.

Die EZB ist die erste große Notenbank, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres ihren Leitzins heraufgesetzt hat.


Für die Verbraucher wirkt sich die Zinsanhebung der Währungshüter unterschiedlich aus. Während Kredite und Baudarlehen teurer werden, können Anleger mit steigenden Zinserträgen ihrer Sparkonten rechnen.

Was der Zinsentscheid für die Verbraucher bedeutet: Kredite werden teurer, Sparkonten bringen mehr

Reuters/lw