Finanzkrise

Greenspan warnt vor weiteren Bankenpleiten

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Finanzmarktguru Alan Greenspan schlägt Alarm: Der frühere Chef der US-Notenbank warnt vor weiteren Bankenpleiten wegen der Finanzkrise. Er bezeichnete die Kreditkrise als "ein Ereignis, wie es ein- oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt". Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass der Abschwung auch die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht trifft.

Der ehemalige Chef der US-Zentralbank, Alan Greenspan, hat vor weiteren Bankenpleiten im Zuge der Finanzkrise gewarnt. „Es kann sein, dass eine Reihe von Banken und Finanzinstitutionen am Rande der Zahlungsunfähigkeit von den Regierungen gerettet werden“, schrieb Greenspan in einem Beitrag für die "Financial Times“. Der ehemalige Notenbankchef bezeichnete die Kreditkrise als "ein Ereignis, wie es ein- oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt“.


Die Krise wurde nach Ansicht Greenspans "nicht dadurch beendet, dass die Zentralbanken riesige Dosen kurzfristiger Liquidität injizierten“. Erst als staatliche Kredite an die Stelle von Krediten privater Banken getreten seien – wie im Fall der US-Bank Bear Stearns oder der britischen Bank Northern Rock –, sei ein Anschein von Stabilität an den Märkten wiederhergestellt worden.


In einer stärkeren Regulierung sieht Greenspan keinen Ausweg aus der Finanzkrise. "Regulierung, die angeblich effektive Lösung für die heutige Krise, war nie in der Geschichte fähig, Finanzkrisen zu eliminieren“, schrieb der ehemalige Notenbankchef. Es bestehe die Gefahr, dass einige Regierungen versuchten, ihren Zugriff auf die Wirtschaft zurück zu erlangen. „Breitet sich das aus, könnte die Globalisierung zurückgedrängt werden – mit einem horrenden Preis.“

Unter der Leitung von Greenspan hatte die US-Zentralbank Fed nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 eine Politik des billigen Gelds betrieben. Im Juni 2003 erreicht der Leitzinssatz das Rekordtief von 1,0 Prozent. Schuldenmachen, wie etwa die Aufnahme von Krediten auch von Hauskäufern mit nur geringem Einkommen, wurde damit immer billiger. Kritikern Greenspans zufolge war dies ein Auslöser für die aktuelle Finanzkrise.


Unterdessen mehren sich die Anzeigen, dass der Aufschwung auch in Deutschland zu Ende geht. Die deutsche Wirtschaftsleistung sank im Frühjahr offenbar noch stärker als ohnehin befürchtet. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung“ ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres um ein Prozent zurück. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hält vor dem Hintergrund der verschlechterten Wirtschaftsbedingungen eine Rezession in diesem Jahr für möglich. Aus diesem Grund warnen Experten auch vor zu hohen Lohnabschlüssen.

Beim BIP hatten die meisten Experten bisher ein Minus von etwa 0,5 Prozent erwartet. Ein Rückgang um 1,0 Prozent würde laut „Süddeutscher Zeitung“ einen Ausfall von noch einmal zwölf Milliarden Euro bedeuten. Sollte die Wirtschaft auch im laufenden dritten Quartal schrumpfen, wäre Deutschland – zumindest nach technischer Definition – binnen kürzester Zeit vom Aufschwung in die Rezession gerutscht. Die endgültige BIP-Zahl für das zweite Quartal wird in der nächsten Woche veröffentlicht.

„Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession noch in diesem Jahr liegt bei 50 Prozent“, sagte der Konjunkturexperte des IMK, Peter Hohlfeld, der „Berliner Zeitung“. Es könne leicht sein, dass das schwache Wachstum ins Minus dreht. Sowohl die Industrieproduktion als auch die Geschäftserwartung seien stark zurückgegangen. Bereits im Herbst werde die Beschäftigung in Deutschland wieder abnehmen.

Vor diesem Hintergrund warnte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, vor übermäßigen Lohnerhöhungen in den kommenden Wochen. „Die Verteilungsspielräume werden enger. Mit überzogenen Abschlüssen würde in einer sich abschwächenden Konjunktur der Abschwung noch verstärkt“, sagte Hundt der „Bild“-Zeitung. Der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Stefan Kooths, sagte diesbezüglich: „Ich halte einen Anstieg der Bruttolöhne im nächsten Jahr von 2,5 bis 3,0 Prozent für verträglich“.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, glaubt trotz dieser Warnungen von Ökonomen nicht an einen Abschwung. Für die zweite Jahreshälfte und den Beginn des kommenden Jahres rechne er mit deutlich schwächeren Zahlen, "aber nicht mit einem Abschwung“, betonte Wansleben in der „Neuen Presse“.

Der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, forderte Entlastungen für Einkommensschwache anlässlich des sich abzeichnenden Wirtschaftsabschwungs. In der „Berliner Zeitung“ sprach er sich für Steuersenkungen für die unteren Einkommensschichten aus.