Lebenshaltung

Verbraucherpreise sinken erstmals seit Jahresbeginn

Die Kosten der Lebenshaltung verbilligen sich um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Ursache dafür ist der Preisrückgang beim Heizöl.

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Billigeres Öl hat die deutschen Verbraucherpreise im August erstmals seit Jahresbeginn sinken lassen. Sie fielen um durchschnittlich 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt in einer Schätzung mit.

„Für den ersten Rückgang seit Januar sorgten vor allem Preissenkungen für Heizöl und Kraftstoffe “, sagte ein Statistiker. Im Juli hatte es noch einen Anstieg um 0,4 Prozent gegeben. Die Jahresteuerungsrate fiel gleichzeitig auf 2,3 Prozent und verharrte damit über der Zwei-Prozent-Marke, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Im Juli hatte sie bei 2,4 Prozent gelegen - noch schneller waren die Preise zuletzt vor knapp drei Jahren gestiegen.

Experten sehen die Inflation in den kommenden Monaten weiter auf dem Rückzug, weil die schwächere Weltkonjunktur die Preise für viele Rohstoffe drückt. „Wir haben den Höhepunkt der Inflation überschritten“, sagte Analyst Lothar Hessler von HSBC Trinkaus. „Grund dafür ist vor allem der fallende Ölpreis.“ Ähnlich sieht das Helaba-Experte Stefan Mütze: „Wir haben in Deutschland keinen großen Preisdruck – auch wegen der schwächeren Konjunktur. Bis Ende des Jahres dürfte die Inflation weiter zurückgehen.“ Dann werden wieder Teuerungsraten unter zwei Prozent erwartet.

Auch Lebensmittel werden günstiger

Entlastet wurden die Verbraucher vor allem durch den sinkenden Ölpreis, der wegen Rezessionssorgen in den USA und vielen Euro-Ländern sowie dem Triumph der Rebellen im ölreichen Libyen spürbar nachgab. Nach Berechnungen der Commerzbank mussten für Heizöl und Benzin rund drei Prozent weniger bezahlt werden als noch im Juli. Auch Obst, Gemüse und viele andere Lebensmittel waren in der Erntesaison deutlich günstiger zu haben. Details wollen die Statistiker am 9. September nennen.

Der EZB gibt dem nachlassende Inflationsdruck eine Atempause. Wegen wachsender Inflationsgefahren hatte sie ihren Leitzins in diesem Jahr zweimal angehoben – von 1,0 auf 1,5 Prozent. „Inflation kann für die EZB kein Thema mehr sein: Kurz- bis mittelfristig muss sie sich jedenfalls keine Sorgen machen“, sagte DekaBank-Experte Sebastian Wanke. Wegen der schwachen Konjunktur im Euro-Raum gehen die meisten Experten inzwischen davon aus, dass die EZB ihren Leitzins in diesem Jahr nicht mehr antastet. Ursprünglich war noch mindestens eine weitere Anhebung erwartet worden.

Wirtschaft schwächelt

Der Aufschwung in der Euro-Zone war im Frühjahr fast zum Erliegen gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs nur noch um 0,2 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es noch 0,8 Prozent. Höhere Zinsen können das Wachstum dämpfen, weil sie Kredite für Konsum und Investitionen verteuern. Besonders die gegen eine Schuldenkrise kämpfenden Euro-Länder wie Italien und Spanien würde das treffen.