Wertpapier-Zocker

UBS verliert Milliarden - Händler festgenommen

Ein 31 Jahre alter Wertpapierhändler soll der Schweizer Großbank UBS einen gewaltigen Verlust beigebracht haben - durch hochriskante Geschäfte mit fremdem Kapital. Der UBS-Kurs stürzte ab. Und dass der Verlust bei zwei Milliarden Dollar liegt, ist nur eine vorläufige Schätzung.

Am Mittwochnachmittag hatte man bei der Schweizer Großbank UBS gemerkt: Da stimmt etwas nicht. Einige Stunden später wurde die Londoner Polizei aktiv: Sie nahm einen 31 Jahre alten Mann fest – angeblich, so berichten es britische Medien, ein Wertpapierhändler der UBS. Er soll nach Angaben der UBS einen Verlust von rund zwei Milliarden Dollar verursacht haben durch „nicht genehmigte Geschäfte“ – der „rogue trader“ soll ohne Abstimmung mit fremdem Kapital bei hohem Risiko jongliert haben.

Ermittelt wird gegen den Mann wegen des Verdachts auf „fraud by abuse of position”, er soll seine Vertrauensposition missbraucht haben. Die Neue Zürcher Zeitung gibt eine Stellungnahme der UBS wieder, wonach der Händler „mit beträchtlicher krimineller Energie“ ans Werk gegangen sein soll. Bei der Verlusthöhe von zwei Milliarden US-Dollar (knapp 1,5 Mrd Euro) handele es sich um eine gegenwärtige Schätzung, so die UBS. Der Verdächtige bleibt vorerst in Gewahrsam der Polizei. Die Financial Services Authority, Großbritanniens Finanzaufsicht, wurde inzwischen eingeschaltet, ebenso wie die Schweizer Bankenaufsicht Finma und die US-Finanzaufsicht. Der Aktienkurs der UBS stürzte daraufhin ab.

Der Festgenommene war laut Berichten britischer Medien in der Londoner Investment-Filiale der UBS mit börsenntotierten Fonds befasst („Director ETF and Delta 1 trading“). Ein Mann mit dem Namen des Verdächtigen hat in Nottingham studiert, besitzt ein Profil bei Facebook und auch eines bei dem Geschäfts-Netzwerk LinkedIn, mit Verbindungen zu weiteren UBS-Wertpapierhändler in London. In Großbritannien beschäftigt die UBS insgesamt 6000 Mitarbeiter.

Am Donnerstagmorgen hatte die UBS mitgeteilt, dass ihr durch nicht genehmigter Geschäfte eines Händlers ihrer Investmentbank ein Verlust von voraussichtlich etwa zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) entstanden sei. „Es ist möglich, dass UBS deshalb im dritten Quartal 2011 einen Verlust bekanntgeben wird“, teilte die Bank mit . Die Untersuchung der Vorfälle dauere an, berichtete UBS, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Der Aktienkurs des Geldinstituts fiel zunächst um mehr als neun Prozent. Dann erholte er sich wieder. Kundenpositionen seien von dem Schaden nicht betroffen, hieß es von der Bank weiter.

In einer internen Mitteilung versuchte das Management, die Mitarbeiter zu beruhigen: „Es ist uns bewusst, dass Sie bereits seit einiger Zeit mit ungünstigen, volatilen Märkten konfrontiert sind. Obwohl diese Nachricht bedauerlich ist, wird die fundamentale Stärke unseres Unternehmens dadurch nicht beeinträchtigt.“ Die Konzernleitung bat die Mitarbeiter in dem Memo, sich weiterhin auf Ihre Kunden zu konzentrieren. „Diese zählen in diesen unsicheren Zeiten auf Ihre Unterstützung“, hieß es weiter.

Die UBS gehört in Europa zu den Banken, die am schwersten von der Finanzkrise getroffen wurden. Sie häufte in den Jahren 2007 und 2008 knapp 28 Milliarden Franken an Verlusten an und musste vom Staat gerettet werden. Mit 60 Milliarden Franken wurde die Bank schließlich gestützt. Mehr als 10.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Anfang des Jahres hatte sich der Credit-Suisse-Konkurrent noch auf dem Wege der Besserung gezeigt.

Im zweiten Quartal gab es dann aber wegen Problemen im Investmentbanking erneut einen Rückschlag. Der Gewinn brach wieder ein. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Steuern aus dem operativen Geschäft fast um ein Drittel auf 3,9 Milliarden Franken (3,35 Mrd Euro). Jetzt droht gar abermals ein Verlust. UBS-Chef Oswald Grübel setzt daher erneut den Rotstift an und will weitere Stellen streichen.

Der jetzt verursachte Milliardenschaden ist Wasser auf die Mühlen von Kritikern des Bankensystems, in dem noch immer Händler scheinbar ohne Kontrolle zocken. Prominentester Fall ist bisher der französische Händler Kerviel . Er soll Anfang 2008 seinen Arbeitgeber Société Générale mit Wetten auf den Dax und EuroStoxx 50 ohne Wissen seiner Vorgesetzten um knapp fünf Milliarden Euro gebracht haben.

Kerviel wurde deswegen 2010 zu einer fünfjährigen Haftstrafe und zu Schadenersatz in der verursachten Milliardenhöhe verurteilt. Die Richter hatten es als erwiesen angesehen, dass Kerviel auf eigene Faust gehandelt hat. Kritiker bezweifeln dies – und sollte es tatsächlich so sein, so habe das Risikomanagement der französischen Bank versagt, so ihre Argumentation.

Der Fall in Frankreich ist der bisher größte dieser Art. Es gibt jedoch noch eine Reihe ähnlicher Fälle. So hatte beispielsweise Nick Leeson für Schlagzeilen gesorgt. Der Händler hatte mit Wetten auf steigende japanische Aktienkurse 1,4 Milliarden US-Dollar in den Sand gesetzt und damit die britische Traditionsbank Barings zu Fall gebracht.