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Milliardenbetrug bei UBS - Festnahme in London

In London hat die Polizei einen Mann festgenommen: Er soll an betrügerischen Geschäften beteiligt gewesen sein, die die Schweizer Großbank UBS bislang zwei Milliarden Dollar gekostet haben.

Die Londoner Polizei schlug am frühen Morgen zu: Gegen 4.30 Uhr deutscher Zeit wurde in der britischen Hauptstadt ein Mann festgenommen, Verdacht: Betrug. Der 31-Jährige soll, wie britische Medien berichten, im Zusammenhang mit betrügerischen Geschäften stehen, die der Schweizer Großbank UBS einen Verlust von rund zwei Milliarden Dollar eingebracht haben.

Ermittelt wird gegen den Mann wegen des Verdachts auf “fraud by abuse of position” – er soll demnach seine Vertrauensposition missbraucht haben. Die Neue Zürcher Zeitung gibt eine Stellungnahme der UBS wieder, wonach ein "Händler mit beträchtlicher krimineller Energie" für den Verlust verantwortlich sein soll, der am Mittwochnachmittag entdeckt worden war. Der Mann bleibt vorerst in Gewahrsam der Polizei. Die Financial Services Authority, Großbritanniens Finanzaufsicht, wurde inzwischen eingeschaltet, ebenso wie die Schweizer Bankenaufsicht Finma und die US-Finanzaufsicht.

Am Donnerstagmorgen hatte die UBS mitgeteilt, dass ihr durch nicht genehmigter Geschäfte eines Händlers ihrer Investmentbank ein Verlust von voraussichtlich etwa zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) entstanden sei. „Es ist möglich, dass UBS deshalb im dritten Quartal 2011 einen Verlust bekanntgeben wird“, teilte die Bank mit . Die Untersuchung der Vorfälle dauere an, berichtete UBS, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Der Aktienkurs des Geldinstituts fiel zunächst um mehr als neun Prozent. Am Vormittag erholte sich der Kurs deutlich und lag mit einem Minus von gut fünf Prozent bei 10,35 Franken. Kundenpositionen seien von dem Schaden nicht betroffen, hieß es von der Bank weiter.

In einer internen Mitteilung versuchte das Management, die Mitarbeiter zu beruhigen: „Es ist uns bewusst, dass Sie bereits seit einiger Zeit mit ungünstigen, volatilen Märkten konfrontiert sind. Obwohl diese Nachricht bedauerlich ist, wird die fundamentale Stärke unseres Unternehmens dadurch nicht beeinträchtigt.“ Die Konzernleitung bat die Mitarbeiter in dem Memo, sich weiterhin auf Ihre Kunden zu konzentrieren. „Diese zählen in diesen unsicheren Zeiten auf Ihre Unterstützung“, hieß es weiter.

Jenseits der finanziellen Folgen fällt nach Ansicht von Analysten vor allem der Reputationsschaden für die Bank ins Gewicht, die sich eben erst von den Folgen der Finanzkrise und dem Steuerstreit mit den USA erholt hat. Damals hatten reiche Kunden in Scharen die Flucht ergriffen, weil sie das Vertrauen in die Bank verloren hatten. Konzernchef Oswald Grübel war mit dem erklärten Ziel angetreten, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.

Die UBS, an deren Verwaltungsratsspitze ab 2013 Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, ist in der Finanzkrise durch schwere Zeiten gegangen. Gerade von den Folgen fast genesen, hatte der UBS-Konzern im zweiten Quartal einen herben Rückschlag erlitten. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Steuern aus dem operativen Geschäft fast um ein Drittel auf 3,9 Milliarden Franken (3,35 Mrd Euro).

Die Bank hatte in den Jahren 2007 bis 2008 knapp 28 Milliarden Franken Verluste angehäuft und musste vom Staat gerettet werden. Das Institut steht unter Druck: Nach dem Gewinneinbruch im zweiten Quartal, vor allem dem schwachen Investmentbanking geschuldet, sollen etwa 3500 Stellen gestrichen werden – jede 20. Stelle im Konzern.

Der Spekulationsfall erinnert an die französische Großbank Societe Generale , die vom Wertpapierhändler Jerome Kerviel Anfang 2008 an den Rande des Zusammenbruchs gebracht worden war . Er hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut – mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen.