Nach fast drei Jahren an der Spitze des US-Internetunternehmens Yahoo ist die Vorstandsvorsitzende Carol Bartz am Dienstag entlassen worden. Ihr Amt werde vorläufig von Finanzvorstand Timothy Morse übernommen, teilte das Unternehmen mit. Langfristig suche man jedoch nach einem dauerhaften Nachfolger für Bartz.
„Ich bin sehr traurig, euch mitteilen zu müssen, dass mich Yahoo's Aufsichtsratsvorsitzender gerade am Telefon gefeuert hat“, zitierte der US-Fernsehsender CNN auf seiner Internetseite aus einer E-Mail Bartz' an die Mitarbeiter von Yahoo. „Es war mir ein Vergnügen, mit eich zu arbeiten und ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute.“
Die Anleger reagierten positiv auf die Personalentscheidung. Nach ersten Berichten über Bartz' Entlassung auf der Internetseite allthingsd.com stieg die Yahoo-Aktie um sieben Prozent. Bartz hatte bei ihrem Amtsantritt 2009 einschneidende Veränderungen bei Yahoo angekündigt und wollte den angeschlagenen Internetkonzern damit wieder auf Erfolgskurs bringen.
In ihre Zeit fällt die Kooperation mit dem Software-Konzern Microsoft bei der Internetsuche. Trotz des starken Partners tut sich Yahoo schwer, sich gegen den größeren Konkurrenten Google zu behaupten. Mit dem sozialen Netzwerk Facebook ist noch ein weiterer Gegner im Kampf um die lebenswichtigen Werbegelder aufgetaucht. Kritiker warfen ihr vor, dass es ihr nicht gelungen sei, gegen die Konkurrenten Google und Facebook Boden gutzumachen.
Bartz hat seit ihren Amtsantritt zwar Hunderte Stellen gestrichen und damit die Kosten deutlich gesenkt. Doch Yahoo verlor weiteren Boden gegen Google; der Umsatz schrumpfte. Zuletzt schwächelte ausgerechnet das wichtige Geschäft mit grafischen Werbeanzeigen. Dabei sind diese „Banner“ eigentlich das Steckenpferd von Yahoo.
Verwaltungsrats-Chef Roy Bostock deutete eine Neuaufstellung des Internetkonzerns an. Der Verwaltungsrat habe eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung angestoßen, erklärte Bostock. Die Möglichkeiten für das künftige Wachstum von Yahoo würden ausgelotet. Parallel dazu läuft die Suche nach einem endgültigen Konzernchef.
AFP/dapd/dpa/AFP/cb




