Betrugsverdacht

Auch Großbritannien ermittelt gegen Deutsche Bank

Nach dem die US-Justiz am Freitag Anklage gegen die Deutsche Bank erhoben hat, ermitteln nun auch die britischen Aufsichtsbehörden wegen Betrugsverdacht gegen das Finanzinstitut. In der Folge fielen die Aktien des Unternehmens zu Börsenbeginn um 4,2 Prozent.

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Die Furcht vor einer Rezession hat dem Dax zur Eröffnung am Montag erneut zugesetzt. Nach seinem 3,4-prozentigen Kursrutsch am Freitag startete er mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 5417 Punkte in die neue Börsenwoche. „Es werden wieder die altbekannten Themen – Euro-Schuldenkrise und Sorgen um US-Rezession – gespielt“, sagte ein Börsianer. Da die Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen sei, müsse mit dünnen Umsätzen gerechnet werden. „Somit sollte man sich auf einen kaufarmen Handelstag einstellen, bei dem wieder die eine oder andere Absurdität zu beobachten sein wird.“

Zu den größten Verlierern im Dax zählte die Deutsche Bank, deren Aktien 4,2 Prozent auf 24,92 Prozent abrutschten. Damit notierten sie auf dem niedrigsten Stand seit März 2009. In den USA steht das Institut wegen umstrittener Hypothekengeschäfte vor Gericht. Darüber hinaus ermitteln die britischen Aufsichtsbehörden einem Zeitungsbericht zufolge wegen Betrugsverdacht gegen die Deutsche Bank. Die Untersuchung des Serious Fraud Office (SFO) solle Beweise dafür liefern, das Finanzinstitute ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen lieferten, berichtet die Financial Times.

Die Deutsche Bank selbst nehme die Vorwürfe zwar ernst, betonte Deutsche-Bank-Chef Ackermann am Montag auf einer Branchenkonferenz des „Handelsblatts“ in Frankfurt. „Wir setzen uns aber dort zur Wehr, wo wir gute Gründe haben. Die sollen uns beweisen, dass Betrug im Spiel ist.“ So würden heute andere Maßstäbe an die Dokumentation der Hypothekenunterlagen gelegt als zu den Boomzeiten auf dem amerikanischen Häusermarkt. Darauf eine Klage aufzubauen, sei die Suche „nach dem letzten Strohhalm“, sagte Ackermann. Ein Rückzug aus den USA wegen der Rechtsstreitigkeiten komme für die Deutsche Bank nicht infrage.

Ackermann wünscht sich einen engeren Schulterschluss der mit US-Hypothekenklagen überzogenen Geldhäuser. „Wir müssen uns als Banken überlegen, bei dem Thema enger zusammenzuarbeiten“, so Ackermann. So ließe sich manchen Vorwürfen besser entgegentreten. Er habe darüber auch schon mit Credit-Suisse-Verwaltungsratschef Urs Rohner gesprochen, der ebenfalls an der Tagung teilnahm.

In den USA sehen sich zahlreiche Großbanken mit Klagen wegen ihrer Hypothekengeschäfte konfrontiert. Die Vorwürfe reichen von unrechtmäßigen Zwangsräumungen bis zur Verschleierung von Risiken bei faulen Immobilienkrediten. Erst am Freitag hatte die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte verklagt. Sie wirft den Instituten – darunter auch der Deutschen Bank – vor, bei dem Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Deutschlands größtes Geldhaus hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise zieht nun für Investoren überraschend auch die Aufsichtsbehörde der beiden größten staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac vor Gericht. Der Klageschrift vom Freitag zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht – davon entfallen mehr als 14 Milliarden Dollar auf die Deutsche Bank. Eine Sprecherin des deutschen Branchenprimus sagte, das Institut werde sich entschlossen zur Wehr setzen. Die Vorwürfe seien unbegründet.

Die Federal Housing Finance Agency (FHFA) wirft den Instituten vor, die Qualität der an die beiden professionellen Investoren verkauften Kreditbündel falsch dargestellt zu haben. Die Deutsche Bank ist in den USA wegen ihrer Hypothekengeschäfte in eine ganze Reihe von Verfahren verwickelt, die mit Milliarden-Strafzahlungen enden können. Die Prozesse dürften sich über Jahre hinziehen.

Die FHFA hat unter anderem auch Goldman Sachs, Bank of America, deren Abteilung Merrill Lynch, JPMorgan Chase, Citigroup und Morgan Stanley sowie die britischen Geldhäuser HSBC und Barclays sowie die Credit Suisse im Visier. Insgesamt werden der FHFA zufolge 17 Unternehmen angeklagt.

Einem Bericht der „New York Times“ zufolge ist die Klage vor dem Bezirksgericht von Manhattan das Ergebnis von Ermittlungen, in deren Rahmen die Aufsicht die betroffenen Institute im vergangenen Jahr zur Befragung vorgeladen hat. Die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben beim Platzen der Finanzblase vor drei Jahren hohe Summen verloren und mussten verstaatlicht werden. Es gilt als zentrale Ursache der Krise, dass die Finanzkraft von Immobilienkäufern notorisch und offenbar auch systematisch überschätzt wurde, um mehr Kredite zu vergeben. Dabei verließ sich der Markt darauf, dass der Wert der mit den Hypotheken belasteten Immobilien immer weiter und in anhaltend hohem Tempo steigt.

Angesichts der jüngsten Börsenturbulenzen kommt der überraschende Schritt der Behörde zu einer ungünstigen Zeit und droht die Aktienkurse der Branche weiter zu belasten. Deutsche-Bank-Aktien verloren am Freitag fast sechs Prozent, während der Dax rund 3,4 Prozent einbüßte. Auch die Commerzbank rutschte 5,5 Prozent ab. Neben der US-Klage bewogen neue Sorgen wegen des hoch verschuldeten Griechenlands und enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten die Anleger zum Rückzug. Bei der Deutschen Bank schürten zudem Spekulationen über eine weitere Sparrunde Unruhe. Am Freitag schlossen die Aktien von Goldman Sachs und JP Morgan mehr als 4,5 Prozent im Minus. Anteilsscheine von Citigroup büßten 5,3 Prozent ein, die Papiere der Bank of America sogar 8,3 Prozent.