Ängste an den Märkten

Neues Jahrestief – DAX im freien Fall

Sorgen um den Zusammenbruch des Finanzsystems haben den DAX am Mittag um vier Prozent auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren stürzen lassen. Deutsche Bank und Commerzbank verlieren drastisch.

Die Furcht der Anleger vor einer Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise hat am Montag für einen erneuten Kursrutsch an den internationalen Aktienmärkten gesorgt. „Die Lawine ist ins Rollen gekommen“, sagte ein Börsianer. „Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung.“ Unter besonders großem Verkaufsdruck standen einmal mehr die Finanzwerte, allen voran die Aktien der Deutschen Bank, die zusätzlich unter Klagen und Ermittlungen mehrerer Aufsichtsbehörden litten. Auf der Suche nach „sicheren Anlagehäfen“ nahmen Investoren Kurs auf Bundesanleihen und Gold .

Als ein Grund für die aktuelle Aktienmarkt-Schwäche nannte Aktienhändlerin Anita Paluch von ETX Capital die Nachwehen der schwachen US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag. Sie hatten eine Stagnation beim Stellenaufbau signalisiert. Die US-Notenbank werde ihre Entscheidung über ein mögliches neues Konjunkturprogramm allerdings nicht allein auf Grundlage dieser einen Zahl treffen, betonte Paluch.

In Europa wüchsen wegen der Unterbrechung der Gespräche Griechenlands mit den Geldgebern EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Zweifel an den Sanierungsbemühungen des hoch verschuldeten Mittelmeer-Anrainers. Entsprechend verteuerten sich die Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps, CDS ) für griechische Bonds. Mögliche Belastungen aus der Schuldenkrise nagten aber auch am finanziellen Ansehen Deutschlands. Die CDS auf Bundesanleihen stiegen ebenfalls.

Zweifel an einer schnellen und nachhaltigen Lösung für die Griechenland-Krise nährten zudem die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, sagten Börsianer. Nach der Wahlniederlage von CDU und FDP hatten sich Politiker von Union und Liberalen kritisch zu den Griechenland-Hilfen geäußert.

Die Analysten der UBS rechneten nicht mit einer baldigen Erholung der Kurse. „Angesichts der Verschlechterung des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes ist es schwierig zu begründen, warum die Aktienmärkte deutlich über ihre Tiefs vom Sommer steigen sollten.“

Aktien auf Talfahrt

Der Dax rutschte am Vormittag um bis zu 4,1 Prozent auf 5308,77 Punkte ab und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit September 2009. Der EuroStoxx50 verlor ebenfalls 4,1 Prozent auf 2129,20 Zähler. Im Gegenzug stiegen die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx , die die Nervosität der Anleger messen, um jeweils rund 15 Prozent. Die Leitindizes anderer europäischer Staaten von Frankreich über Großbritannien , Spanien , Italien bis zur Schweiz rutschten zwischen 2,5 und vier Prozent ab. Zuvor hatten bereits die Börsen in Tokio und Shanghai um jeweils zwei Prozent nachgegeben.

Die Rezessionsangst spiegelte sich auch an den Rohstoff-Märkten wider: Der Preis für ein Fass (159 Liter) der richtungsweisenden US-Rohölsorte WTI fiel trotz möglicher Lieferengpässe wegen des Tropensturms „Lee“ im Golf von Mexiko um 1,9 Prozent auf 84,80 Dollar. Eine Tonne des wichtigen Industriemetalls Kupfer kostete mit 8986 Dollar ein Prozent weniger als zum Vorwochenschluss.

Die Anti-Krisen-Währung Gold übersprang dagegen kurzzeitig die psychologisch wichtige Marke von 1900 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und lag damit nur rund zehn Dollar unter ihrem bisherigen Rekordhoch. Für Investoren aus der Euro-Zone war das Edelmetall mit bis zu 1334,81 Euro so teuer wie noch nie. Der Bund-Future markierte mit 137,95 Punkten ebenfalls eine neue Bestmarke.

Deutsche Bank vor Milliarden-Klagen

Die Aktien der Deutschen Bank fielen um bis zu 9,1 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 23,64 Euro. In den USA reichte die Federal Housing Finance Agency (FHFA) eine milliardenschwere Klage wegen umstrittener Hypothekengeschäfte ein. Daneben ermitteln einem Zeitungsbericht zufolge britische Aufsichtsbehörden wegen Betrugsverdachts gegen die Deutsche Bank.

Für Verunsicherung in der Bankenbranche sorgte außerdem die Forderung des IWF nach einer Zwangskapitalisierung europäischer Institute. Der europäische Bankenindex rutschte daraufhin um 5,5 Prozent ab und notierte damit auf dem Niveau von April 2009. EZB-Ratsmitglied Mario Draghi bezeichnete die Warnung vor einer Kapitallücke allerdings als übertrieben.