Neuer Wirtschaftsberater

Barack Obama macht Arbeitsmarkt zur Chefsache

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Tobias Kaiser

Foto: dpa

Nachdem viele Top-Ökonomen das Weiße Haus verlassen haben, hat Obama nun den US-Arbeitsmarkt-Experten als Berater gewonnen.

Ein Experte für den Arbeitsmarkt wird Barack Obama im Wahlkampf beraten: Alan Krueger, Professor an der Elite-Universität Princeton wird künftig den Stab der Wirtschaftsberater im Weißen Haus leiten. Krueger wird damit Nachfolger von Austan Goolsbee, der den Posten verlassen hat, um an die Universität von Chicago zurückzukehren.

Den Weg zum Oval Office wird Krueger wohl ohne Probleme finden, denn der Top-Ökonom war in den 90er-Jahren Chefvolkswirt im Arbeitsministerium und bis zum vergangenen Herbst Staatssekretär im Finanzministerium. Unter Finanzminister Timothy Geithner kümmerte sich Krueger dort um wirtschaftspolitische Fragen. Allerdings wird sich Krueger an viele neue Kollegen gewöhnen müssen, denn im Kreis der wichtigsten ökonomischen Berater des Präsidenten herrscht seit gut einem Jahr ständiges Kommen und Gehen.

Ursprünglich hatte Obama brillante Wissenschaftler um sich versammelt , als er im Januar 2009 antrat. Ein Team aus Praktikern wie Timothy Geither von Goldman Sachs und Akademikern wie dem Harvard-Professor Larry Summers sollten der Regierung helfen, die größte Volkswirtschaft der Welt aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu manövrieren.

Berater verlassen das Weiße Haus

Seitdem haben allerdings alle Top-Berater dem Weißen Haus den Rücken gekehrt; geblieben ist einzig Timothy Geithner. Den Anfang machte im vergangenen Juli Haushaltsdirektor Peter Orzag. Er legte nach anderthalb Jahren sein Amt nieder. Ihm folgte wenige Wochen darauf Christina Romer, die den Stab der Wirtschaftsberater im Weißen Haus geleitet hatte. Die Top-Ökonomin erklärte, sie wolle wieder als Professorin an die Universität von Berkeley zurückkehren.

Auf sie folgte Austan Goolsbee, den jetzt Alan Krueger beerben wird. Auch der ehemalige Finanzminister Paul Volcker hat in den vergangenen Monaten den Beraterkreis des Präsidenten verlassen, genauso wie Obamas ehemals wichtigster Berater, der Harvard-Ökonom Lawrence (Larry) Summers. Er hatte die Konjunkturpakete konzipierte und die Gesundheitsreform vorangetrieben.

Das Weiße Haus versicherte bei jedem der Abgänge , sie seien schon lange geplant gewesen. Und jeder der Ökonomen hatte eigene Gründe: Summers beispielsweise ist an die Universität Harvard zurückgekehrt; andernfalls hätte er seine Professur auf Lebenszeit dort verloren. Dennoch: Es drängt sich fast zwangsläufig der Eindruck auf, dass hier einige Berater noch schnell ein sinkendes Schiff verlassen, bevor ihre Reputation zu stark angekratzt gewesen wäre.

Handlungsspielraum ist eingegrenzt

Denn seit die demokratische Partei von Präsident Obama die Mehrheit im Kongress verloren hat, hat die Regierung weniger Handlungsspielraum. Zudem erholt sich die US-Wirtschaft weit langsamer als erwartet von der Finanzkrise; inzwischen wird sogar diskutiert, ob die Volkswirtschaft erneut in eine Rezession zurückfallen könnte.

Derzeit kämpfen die USA mit einer Arbeitslosigkeit von gut neun Prozent - der historisch hohe Wert sorgt für gesellschaftliche Verwerfungen, auch weil die Sozialsysteme des Landes für solch eine Situation nicht ausgestattet sind. Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte das zentrale Thema bei der Präsidentschaftswahl 2012 werden.

Die Berufung des Arbeitsmarkt-Experten Krueger ist deshalb auch ein Signal an die Wähler, dass Obama die Schaffung neuer Jobs zur Chefsache machen will. Anlässlich der Ernennung von Krueger kündigte Obama an, dass er in der kommenden Woche dem US-Kongress Vorschläge zum Ausbau der teils maroden US-Infrastruktur machen wird. So sollen neue Jobs im Bausektor entstehen und laut Obama vor allem Familien aus der Mittelschicht mehr Einkommen verschafft werden.