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Für deutsche Bauern wird die Ernte "sehr mager"

Der ungewöhnlich starke Regen vernichtet Getreide im Nordosten. Mais und Zuckerrüben profitieren jedoch vom feuchten Sommer.

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Für 2011 dürfte die Getreideernte im Vergleich zum Vorjahr um rund zwölf Prozent zurückgehen. Schuld ist das schlechte Wetter.

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Der ungewöhnliche Sommer hat auch eine gute Seite. Das warm-feuchte Wetter treibt den Mais in die Höhe. Auch die Zuckerrüben entwickeln sich prächtig. Insgesamt aber macht das extreme Wetter den Bauern in Deutschland schwer zu schaffen.

Die Getreideernte liegt mit 39 Millionen Tonnen um zwölf Prozent unter dem Vorjahresergebnis und ist damit zum dritten Mal in Folge erneut gesunken. Das geht aus der „Bilanz der Ernte 2011“ hervor, die der Deutsche Bauernverband (DBV) in Berlin vorgestellt hat. Klaus Kliem, Getreideexperte des DBV und Präsident des Thüringer Bauernverbands, sprach von einem „sehr mageren Ergebnis“.

Das gilt vor allem auch für den Weizen, der wichtigsten Getreidekultur in Deutschland. Mit 21 Millionen Tonnen fiel die Ernte um 2,5 Millionen Tonnen geringer als im Vorjahr aus. Bei Raps ist die Erntemenge sogar um 34 Prozent auf 3,7 Millionen Tonnen zurückgegangen. Auch bei Roggen und Wintergerste verzeichneten die Bauern zum Teil drastische Ernteeinbußen. „Wir Bauern haben um jedes Korn gekämpft“, sagte Kliem.

Auch der vergangene Sommer war schlecht

Schon im vergangenen Sommer hatte es stark geregnet. Dadurch verzögerte sich die Aussaat des Wintergetreides. Der Winter war dann lang und kalt. Im Frühjahr herrschte in weiten Teilen Deutschlands extreme Trockenheit – auf die im Sommer extrem starke Niederschläge folgten. Im Nordosten der Republik ist die Ernte regelrecht ins Wasser gefallen.

In einigen Regionen fiel an einem Tag soviel Regen wie sonst in einem Monat. In Mecklenburg-Vorpommern wurden allein im Juli Regenmengen gemessen, die um mehr als 300 Prozent über dem Normalwert lagen. „Für viele Bauern ist es eine echte Katastrophe“, sagte Kliem. Die Böden waren so durchnässt, dass die Mähdrescher zunächst gar nicht auf die Felder fahren konnten.

Weil das Getreide zum Teil feucht gedroschen werden musste, sind den Landwirten Zusatzkosten für die dadurch notwendig gewordene Trocknung entstanden. Gestiegen sind auch die Kosten für Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel , für Treibstoff und Arbeitslöhne. Das Preisniveau beim Getreide ist aber nur etwa so hoch wie im Vorjahr.

Moderater Preisanstieg erwartet

Unterm Strich müssen viele Bauern daher erhebliche Einkommensbußen hinnehmen. Trotz der schlechten Ernte aber werden die Preise für Nahrungsmittel nach Einschätzung des Bauernverbands nur leicht steigen. Der Anstieg dürfte dabei im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate bleiben.

Um künftig besser auf die Folgen von extremen Wetterlagen und Preisschwankungen an den globalen Agrarmärkten vorbereitet zu sein, forderte Kliem für die Landwirtschaft eine „steuerfreie Risikoausgleichsrücklage in der Bilanz“. So könnten die Bauern in guten Jahren Geld für Notzeiten zurücklegen, das sie dann auch erst versteuern müssten. Bislang lehnt das Bundesfinanzministerium eine solche Regelung jedoch ab. Eine Risikoversicherung als Alternative will dagegen der Bauernverband nicht.

Insgesamt wollte Kliem dennoch keine „düstere, sondern eine realistische Bilanz“ der Ernte ziehen. So zeichnet sich trotz einiger frostiger Nächte in der ersten Maiwoche eine bessere Apfelernte als im Vorjahr ab, auch bei Birnen, Süßkirschen, Pflaumen und verschiedenen Beerenarten rechnet der Bauernverband mit einem leichten Mengenplus.

Europaweite Ernteausfälle

Mit Blick auf die Europäische Union (EU) erwartet Kliem „keine sehr gute Ernte“. Frankreich, der größte Getreideproduzent innerhalb der EU, hatte im Frühjahr wie Deutschland unter extremer Trockenheit gelitten. Die Getreideernte werde daher mit 60 Millionen Tonnen um neun Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr. Insgesamt rechnet die Brüsseler EU-Kommission in diesem Jahr mit 281 Millionen Tonnen Getreide, was in etwa der Vorjahresmenge entspricht.

Schätzungen für die weltweite Getreideproduktion insgesamt liegen noch nicht vor. Das US-Landwirtschaftsministerium hat aber vor kurzem die Schätzungen zur weltweiten Weizenproduktion um etwa zehn Millionen Tonnen angehoben. Sie dürfte damit bei 672 Millionen Tonnen liegen. Das sind zwar 24 Millionen Tonnen mehr als noch im Vorjahr. Doch dürfte die Menge nicht ausreichen, die wachsende Nachfrage zu decken. „Die Lagerbestände werden also weiter abgebaut“, stellte Kliem fest. „Dies spricht für ein weiterhin stabiles Preisniveau.“

Langfristig werden sich die Bauern auf verändertes Klima einstellen müssen. Wissenschaftler sagen feuchtere und kühlere Winter voraus, im Frühjahr wird es mehr Trockenheiten geben. Kliem appellierte an die Pflanzenzüchter, neue Getreidesorten zu entwickeln, die Dürren und Nässe besser vertragen können.