Filmverkauf im Internet

Wie ein Berliner zum Ebay-Millionär wurde

| Lesedauer: 4 Minuten
Hans Evert

Foto: BZ/Ufuk Ucta

Ronny Krüger hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist damit reich geworden. Über das Online-Auktionshaus Ebay verkauft er mit seiner Firma täglich Hunderte Filme. Mittlerweile ist der Berliner einer von 505 Ebay-Millionären in Deutschland.

Ronny Krüger hatte einen Job, der ihm leidlich Spaß machte. Privat hatte er ein Faible für Filme, also ein Hobby, das Geld kostete. Der Berliner war bis 2005 Elektroniker bei einem Nachfolgebetrieb der traditionsreichen AEG in Berlin. „Die Firma ist längst pleite“, sagt Krüger. Er hatte da bereits gekündigt und sich selbstständig gemacht. Sein Unternehmen nennt sich Solfire, sitzt in Reinickendorf, und das, was für ihn früher nur Hobby war, ist nun sein Broterwerb. Krüger macht in Filmen. Er verkauft DVDs und Blue-Ray-Scheiben. Ohne Ebay, sagt er, wäre es dazu nicht gekommen.

Krüger gehört zur Spezies der Ebay-Millionäre. Das sind jene Händler, die über die Internetplattform einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielen. Ebay geht davon aus, dass es in diesem Jahr 505 dieser Umsatzgiganten geben wird. Dem Unternehmen zufolge nimmt die Zahl der Ebay-Millionäre stetig zu. Vergangenes Jahr waren es 463 in Deutschland, als man sie 2008 erstmals zählte, rund 320.

Die meisten Ebay-Millionäre gibt es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hessen. In Thüringen sitzen die Ebay-Millionäre mit dem größten Umsatz, dahinter kommt schon Berlin. Die größten Erfolgsaussichten haben Händler, die mit Autoteilen, Computern oder Möbeln handeln. Auch Heimwerkerutensilien und Haushaltsgeräte lohnen sich. In diesen Marktkategorien sind die meisten Ebay-Millionäre aktiv.

Wandel von Ebay

Ebay erzählt diese Erfolgsgeschichten gern. Sind sie doch ein gutes Werbeargument für das Internet-Auktionshaus, das sich mehr und mehr in Richtung einer Handelsplattform für Profihändler wandelt. Groß geworden ist Ebay als Online-Flohmarkt gepaart mit dem Charme der Auktion. Doch seit einigen Jahren wandelt sich das Unternehmen.

Die Plattform – anders als etwa Amazon verkauft Ebay keinerlei Waren selbst – buhlt um Markenartikler und Profihändler. Auktionen verlieren hingegen immer mehr an Bedeutung. Die meisten Waren – mittlerweile 61 Prozent – werden zu Festpreisen angeboten. Den fünf Millionen privaten Verkäufern in Deutschland stehen zwar weniger als 200.000 Profihändler gegenüber. Doch diese dominieren das Onlinegeschäft.

Für Menschen wie Ronny Krüger bietet Ebay einen schnellen Weg in die Selbstständigkeit – auch wenn das, wie Krüger berichtet, nicht von vornherein so geplant war. „Anfangs wollten wir mit Verkäufen über Ebay nur unsere Urlaubskasse aufbessern“, berichtet Krüger von den Anfängen. Also fuhr er mit seiner Frau in aller Frühe Media- und Saturn-Märkte in der Hauptstadtregion ab. Dort wurden die billigen Aktions-DVDs von Blockbustern in größtmöglichen Mengen gekauft und dann über Ebay verkauft. Krügers Verkäufe unter dem Ebay-Namen „funreel“ wurden zum Massengeschäft.

Seit 2005 kauft er direkt von Filmverleihern wie Universal. Im selben Jahr entschloss er sich, seinen Angestelltenjob zu kündigen. „Ich war an sieben Tagen die Woche 20 Stunden am Arbeiten. Wir mussten uns entscheiden.“ Mittlerweile ist er ein etablierter Filmgroßhändler, der sogar andere Ebay-Verkäufer beliefert. Acht Millionen Euro beträgt sein Jahresumsatz, rund zwei Millionen kommen über Ebay zustande.

Wandel im Handel

Plattformen wie Ebay und Amazon senken die Eintrittshürden für Menschen, die sich im Handel selbstständig machen wollen. „Die Hürden sind sicherlich niedriger“, sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE), der Online- und herkömmliche Kaufleute vertritt. Zwar brauche man keine Ladenmiete zu zahlen. Dafür gibt es aber andere Beschränkungen und Besonderheiten, die viele schnell übersehen würden, beispielsweise Verbraucherrichtlinien und Rückgaberechte. „Man muss da einfach andere Regeln beachten“, sagt Handelsexperte Falk.

Ronny Krüger kennt das. Abmahnanwälte machen Onlinehändlern das Leben schwer. Widerrufsbelehrungen müssen genau verfasst sein. Das sind Sachen, mit denen er sich tagtäglich befassen muss. Dazu kommen die Anfragen von Ebay-Käufern, die schnell und umfassend beantwortet werden wollen. Da kommt einiges zusammen. Rund 400 Filme verkauft er pro Tag über Ebay, auch über Amazon vertreibt er seine Titel. „Hauptberuflicher Händler war nie mein Ziel“, sagt Krüger. Mittlerweile beschäftigt er Kollegen seiner alten Firma, insgesamt arbeiten acht Menschen für ihn. Auch wenn er nie Unternehmer sein wollte: Nun gibt es erst einmal kein Zurück.