Das Internetauktionshaus Ebay ist auf Einkaufstour. Der US-Konzern kauft Brands4friends, Deutschlands größten Online-Einkaufs-Club, und will so sein Geschäft mit Mode-Artikeln weiterentwickeln. „Brands4friends wird seine Eigenständigkeit auch nach der Übernahme behalten“, sagte Stephan Zoll, Geschäftsführer von Ebay Deutschland, Morgenpost Online. Ebay baue bereits seit anderthalb Jahren seinen Modebereich systematisch aus und werde mit dem Zukauf nicht nur sein Angebot erweitern, sondern auch von den Marktkenntnissen der Berliner profitieren.

Das Internetauktionshaus einigte sich mit dem Berliner Online-Klub auf einen Kaufpreis von 150 Millionen Euro, wie die Unternehmen gemeinsam bekannt gaben. Die Übernahme soll im ersten Quartal 2011 abgeschlossen sein.

Brands4friends ist seit September 2007 online und mit rund 3,5 Millionen Mitgliedern die Nummer eins unter den Mode-Einkaufsklubs in Deutschland. Das Unternehmen verkauft vor allem Kleidung, Schuhe und Accessoires von rund 600 Marken zu Schnäppchenpreisen im Internet: Die Produkte sind für die Mitglieder jeweils nur kurze Zeit erhältlich.

Für die Hersteller ist dieser Vertriebsweg attraktiv, weil sie hier Restposten und Sonderkollektionen zu günstigen Preisen verkaufen können, ohne damit das Ansehen der Marke zu beschädigen: Dadurch, dass das Klub-Angebot nur von Mitgliedern eingesehen werden kann, bleibt das Hochpreis-Image in der breiten Öffentlichkeit gewahrt. Die Klubmitglieder sparen bei solchen Einkäufen bis zu 70 Prozent.

Gegründet wurde das Berliner Start-up-Unternehmen von Christian Heitmeyer, Constantin Bisanz, Nicolas Speeck und Mario Zimmermann. Anfang des Jahres war die Tengelmann-Gruppe (Kaiser's, Obi) eingestiegen. Zu den weiteren Kapitalgebern gehörten Partech International, Mangrove Capital Partners und Holtzbrinck Ventures. Brands4friends setzt nach eigenen Angaben inzwischen rund eine Million Euro pro Tag um und verkauft täglich etwa 33.000 Produkte.

„Ebay ist der perfekte Partner für uns“, sagte Brands4friends-Chef Sergio Dias. „Wir können unsere Handels- und Markenkompetenz sowie unsere Marktkenntnisse einbringen.“ Andersherum profitiere sein Unternehmen von Ebays Reichweite und dessen Erfahrung im Internethandel. Dadurch könne Brands4friends noch schneller wachsen als ohnehin schon.

Einstiges Kerngeschäft macht nur noch 40 Prozent aus

Zurzeit beschäftigt das Unternehmen am Hauptsitz Berlin rund 200 Mitarbeiter. Im Herbst hatte Dias aber bereits angekündigt, den Absatz im kommenden Jahr verdoppeln und zudem Firmen im Ausland zukaufen zu wollen. Die Firma hat bereits Niederlassungen in Österreich, Großbritannien und Japan. Für ein solches Programm ist vor allem Geld nötig.

Das braucht das Unternehmen ohnehin, um im hart umkämpften Markt der Online-Shopping-Klubs zu überleben: Nur durch rasches Wachstum kann Brands4friends Konkurrenten wie Vente Privée aus Frankreich und BuyVIP aus Spanien weiterhin auf Abstand halten. Und so spricht Dias denn auch von einer starken finanziellen Basis dank der Übernahme.

Ebay wiederum wandelt sich seit einigen Jahren: In Deutschland war die US-Firma vor zwölf Jahren als Internet-Auktionsplattform gestartet, über die Privatpersonen vom abgelegten Business-Kostüm bis zur gebrauchten Waschmaschine ihre Sachen anbieten konnten. Dieser Geschäftszweig wachse auch weiterhin, sagt Deutschland-Chef Zoll. „Noch schneller wächst aber das Festpreissegment.“ Gemeint ist damit fabrikneue Ware, die über gewerbliche Händler und Hersteller bei Ebay verkauft wird. Weltweit mache dieser Teil bereits 60 Prozent des Handelsvolumens von Ebay aus, der Anteil des ehemaligen Kerngeschäfts ist auf 40 Prozent zurückgegangen.

Das Geschäft mit der Mode gehört für Ebay – das sich selbst wegen seiner Neuausrichtung nicht mehr „Internetauktionshaus“, sondern allgemeiner „Online-Marktplatz“ nennt – deshalb zu den wichtigsten strategischen Pfeilern: Schon jetzt setzt das Unternehmen weltweit mehr als 5,4 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro) pro Jahr in diesem Bereich um.

In den vergangenen Monaten hatte Ebay in Deutschland und Großbritannien im Internet „Fashion-Outlets“ mit Mode von Markenherstellern eröffnet. „Der Modemarkt ist ein großer Markt mit hohen Margen, der gerade im Online-Bereich sehr stark wachsen wird“, sagte Zoll. Einkaufsklubs wie Brands4friends erreichen hier besonders viele Kunden: Einer Ebay-Erhebung zufolge wird rund ein Fünftel der Online-Verkäufe von Kleidung und Schuhen in Europa über die Klubs abgewickelt.

Amazon greift in Spanien zu

Kein Wunder also, dass die größten Internetkaufhäuser sich die attraktiven Einkaufsgemeinden im Web als Vertriebspartner sichern: Ebay-Konkurrent Amazon kündigte im Oktober die Übernahme des Mode-Klubs BuyVIP aus Spanien an. Ebay-Deutschland-Chef Zoll lobte derweil seinen Einkauf: Unter den Online-Shopping-Klubs habe Brands4friends die beste Marke und die beste Marktposition.

Obwohl beide Plattformen auch künftig unabhängig voneinander arbeiten sollen, verspricht sich nicht nur Ebay Synergieeffekte von dem Zusammenschluss: Das Unternehmen will auf seinem Portal für Brands4friends werben und seine Kunden für eine Mitgliedschaft begeistern, wie Zoll sagte. Das werde Brands4friends Besuche auf der Seite und neue Mitglieder einbringen, sagte Dias. „Das bedeutet Wachstum sowohl für uns als auch für unsere Herstellerpartner.“