Ansturm auf Edelmetall-Händler

Im Rausch – Deutsche versetzen ihr Altgold

Alte Ringe, Ketten oder Armbänder - viele Bundesbürger bringen ihr Altgold derzeit zum Edelmetallhändler. Grund ist der scheinbar unaufhaltsame Anstieg des Goldpreises.

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Der Anstieg des Goldpreises veranlasst dieser Tage so manche Japaner in so gut wie jeder Ecke ihres Hauses nach dem kostbaren Metall zu suchen. Auch vor dem Gebiss der toten Mutter wird nicht Halt gemacht.

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In den Goldannahmestellen herrscht seit Monaten Hochbetrieb. Mit dem scheinbar unaufhaltsamen Anstieg des Goldpreises bringen immer mehr Bundesbürger ihr Altgold zum Edelmetallhändler. „Die Nachfrage ist größer als je zuvor“, sagt etwa Helga Schwab, die in ihrem Geschäft in Hannover schon seit vielen Jahren Gold ankauft. Inzwischen sei „eine goldrauschartige Atmosphäre“ entstanden.

Alte Ringe, Ketten oder Armbänder, die zum Teil schon zehn oder zwanzig Jahre in den Schubladen lägen, würden jetzt zum Händler gebracht und verkauft, berichtet ein anderer Goldankäufer in Hannover. Auch Silber werde ihm verstärkt angeboten.

Die professionelle Goldgewinnung in Deutschland beschränkt sich nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) heutzutage auf ein einziges Kieswerk in Rhein-Zabern, nördlich von Karlsruhe. Dort werden einige Kilo im Jahr abgebaut. Früher war das anders – Deutschland war durchaus ein wichtiger Goldproduzent.

Ein Großteil des in Deutschland geförderten Goldes stammte dabei allerdings aus schlesischen Revieren, berichten die Wissenschaftler. Die beiden Hauptgewinnungsstellen zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Gruben Reicher Trost bei Reichenstein/Schlesien sowie auch der Rammelsberg bei Goslar im Harz. Aber das ist Vergangenheit.

Heutzutage können Goldbarren sogar schon aus Automaten gezogen werden – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Seit Mittwoch steht eins dieser Geräte am Flughafen in Bremen, am Donnerstag wird ein zweites in einem Einkaufszentrum im Westen der Stadt aufgestellt. Die Automaten spucken Goldbarren in der Größe von einem bis 250 Gramm aus. „Der Größte kostet derzeit etwas mehr als 10 000 Euro“, sagte Thomas Geissler von der Ex Oriente Lux AG, die weltweit 25 Goldautomaten betreibt. 13 davon stehen in Deutschland.

„Wir wachsen extrem schnell zurzeit“, sagte Geissler. Das verdanke das Unternehmen vor allem der gestiegenen Nachfrage. „Wenn der Run auf Gold groß ist, kommt es bei Banken und Händlern in der Regel zu langen Wartezeiten.“ Am Automat ist das Edelmetall sofort erhältlich. Gezahlt wird mit Bargeld oder Karte – ab 2500 Euro müssen sich die Käufer mit ihrem Pass identifizieren, damit soll Geldwäsche verhindert werden. Alle Automaten sind mit dem Internet verbunden und prüfen im Minutentakt den Goldpreis.