Firmen-Umfrage

Mittelständler sehen den Aufschwung in Gefahr

Die Berater von Ernst & Young haben 700 Firmen zur Geschäftslage befragt. Wegen der Schuldenkrise in Europa schwindet der Optimismus.

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Deutschlands Mittelständlern verdirbt die Schuldenkrise in der Euro-Zone zunehmend die Laune. Im Rahmen einer vierteljährlichen Befragung des internationalen Beratungsunternehmens Ernst & Young, die Morgenpost Online vorliegt, gab nur noch die Hälfte der Befragten an, in den nächsten sechs Monaten bessere Geschäfte zu erwarten. Das ist seit Juni 2009 der niedrigste Wert. Damals steckte Deutschland noch mitten in der schwersten Nachkriegsrezession.

Zudem gehen 55 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass die Euro-Krise den Aufschwung gefährdet. Zudem haben 58 Prozent Zweifel, ob angeschlagenen Länder der Euro-Zone wie Griechenland, Portugal und jüngst Spanien Italien ihre Probleme in den Griff bekommen. Zudem ängstigt 53 Prozent der Firmen ein mögliches Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Im Vergleich zum März, als 44 Prozent diese Sorge äußerten, ist das ein gewaltiger Zuwachs.

Einschränkend muss zu der Erhebung gesagt werden, dass sie vor den turbulenten Wochen an der Börse gemacht wurde. Seit Anfang August hat der Leitindex Dax mehr als 17 Prozent verloren. Diese Eskalation der Krise ist mithin in der Umfrage nicht berücksichtigt.

„Das Wachstumstempo verlangsamt sich – viele wichtige Absatzmärkte deutscher Unternehmen kämpfen mit zum Teil erheblichen Problemen, und allein kann sich auch die immer noch sehr robuste deutsche Wirtschaft nicht gegen eine schwächere Weltkonjunktur stemmen“, sagt Georg Graf Waldersee, Chef von Ernst & Young für Deutschland, Schweiz und Österreich. „Die schwelende Schuldenkrise in Europa zehrt an den Nerven der Akteure“, so Waldersee.

Eine kleine Überraschung ist die unerwartet hohe Zustimmung der befragten Unternehmen zum Atomausstieg, der bis 2022 erfolgen soll. 73 Prozent befürworten die Energiewende in Deutschland. Das ist umso bemerkenswerter, weil in der Vergangenheit zahlreiche Wirtschaftsverbände, darunter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), vor den unabsehbaren Folgen für die Energieversorgung gewarnt.

Ernst&Young befragt für den Vertrauensindex 700 Mittelständler. 34 Prozent der befragten Firmen machen im Jahr mehr als 100 Millionen Euro Umsatz, 22 Prozent zwischen 50 und 100, der Rest zwischen 20 und 50 Milionen Euro.