ZEW-Konjunkturbarometer

Vertrauen in deutschen Aufschwung ist zerstört

Die Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen sind bei Anlegern und Analysten nicht spurlos vorübergegangen. Die Skepsis der Finanzmarktexperten bezüglich der konjunkturellen Entwicklung habe sich dramtisch verstärkt, sagt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

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Nach den heftigen Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen haben Anleger und Analysten das Vertrauen in den deutschen Aufschwung verloren. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im August auf minus 37,6 Punkte von minus 15,1 Zählern im Vormonat, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 300 Börsianern mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem Rückgang auf minus 25,0 Punkte gerechnet. Auch die Lage schätzten die Börsenexperten nicht mehr so rosig ein. Dieser Index fiel unerwartet deutlich um 37,1 Punkte auf 53,5 Zähler.

„Die bisher schon geäußerte Skepsis der Finanzmarktexperten bezüglich der künftigen konjunkturellen Entwicklung hat sich dramatisch verstärkt“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Angst vor einer Rezession in den USA habe die Unsicherheit ebenso erhöht wie die Herabstufung der Kreditwürdigkeit amerikanischer Staatsanleihen. Hinzu kämen die Schuldenkrise in Europa und der Wachstumseinbruch der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt hatte nur um 0,1 Prozent zugelegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch 1,3 Prozent waren.

Die meisten Experten befürchten derzeit aber keine Rezession. „Dem weniger günstigen außenwirtschaftlichen Umfeld steht die noch immer sehr gefestigte Binnenkonjunktur gegenüber“, schrieb etwa die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Diese speise sich insbesondere aus der hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen, der kräftigen Nachfrage im Wohnungsbau und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Die Bundesbank erwartet deshalb in diesem Jahr nach wie vor ein Wachstum von drei Prozent. 2010 waren es 3,7 Prozent.

Außenhandel bleibt weiter stark

Diese Aussichten scheinen sich auch im deutschen Außenhandel zu bestätigen. Denn der deutsche Außenhandel ist trotz eingetrübter Konjunkturaussichten nach Einschätzung des DIHK weiter auf Rekordkurs. „Bei Ein- und Ausfuhren winken in diesem und nächsten Jahr wieder neue Rekordwerte“, heißt es im jüngsten Weltkonjunkturbericht der Außenhandelskammern des DIHK.

Schon 2011 exportiere Deutschland Waren im Wert von deutlich mehr als eine Billion Euro. Dank des nur leicht verlangsamten Wachstums bei den Ausfuhren sollte es nächstes Jahr gelingen, hinter Exportweltmeister China Platz 2 der Exportnationen zu behaupten.

Nach der DIHK-Prognose dürften die Exporte in diesem Jahr um 11,0 Prozent und im nächsten Jahr um 9,0 Prozent zulegen. Bei den Einfuhren wird von einem Plus von jeweils 11,0 Prozent in beiden Jahren ausgegangen. Der deutsche Außenhandel fällt damit aber deutlich geringer aus als im Boomjahr 2010 mit Wachstumsraten bei Exporten und Importen von jeweils rund 20 Prozent.

Die Weltwirtschaft könnte nach Ansicht des DIHK in diesem Jahr um 3,9 Prozent wachsen und 2012 um 4,1 Prozent. Dies liege merklich über dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre (3,4 Prozent).

„Damit kann das Expansionstempo aus dem Jahr 2010 (fünf Prozent) zwar nicht gehalten werden, aber ein Rückfall in eine Rezession ist nicht zu erwarten“, heißt es in dem Bericht. Problembelastete Staatshaushalte in etlichen Industriestaaten und nach wie vor hohe Rohstoffpreise dämpften das Wachstum der Weltwirtschaft – auf ein aber immer noch moderates Niveau.