Versicherung

Betrugsskandal bei der Münchener Rück aufgedeckt

Frühere Mitarbeiter des weltgrößten Rückversicherers sollen Honorarabrechnungen manipuliert haben. Es entstand ein Schaden von zehn Millionen Euro.

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Der Schock nach den zahlreichen Affären der Konzerntochter Ergo sitzen beim Rückversicherungskonzern Munich Re tief. Nachdem ein Pressebericht im Frühling dieses Jahres enthüllt hatte, dass sich Versicherungsvertreter im Jahr 2007 auf Unternehmenskosten mit Prostituierten vergnügt hatten, riss die Serie weiterer Enthüllungen aus dem Hause Ergo über Wochen hinweg nicht ab. Immer neue Details kamen ans Licht, Ergo musste seine eigenen Angaben revidieren und Stück für Stück mit der Wahrheit rausrücken. Schnell entstand der Eindruck, dass hier vertuscht werden sollte.

Diesmal soll alles anders werden. Diesmal ist es die Zentrale selbst, die von einem Skandal erschüttert wird: Ehemalige Mitarbeiter und ein externer Dienstleister sollen Munich Re um zehn Millionen Euro betrogen haben.

Doch anders als bei den Ergo-Skandalen ist es dieses Mal nicht ein Medienbericht, der die Affäre ans Licht bringt, sondern der Konzern selbst. Frühmorgens stellte die Rückversicherung eine Pressemitteilung auf ihre Homepage – in Absprache mit der Staatsanwaltschaft. Demnach hat der Konzern Ende 2010 bei der Prüfung von Dienstleister-Honoraren Ungereimtheiten festgestellt.

Konzerninterne Sonderprüfung

Eine umfangreiche Sonderprüfung habe dann den Verdacht auf Betrug erhärtet. Daraufhin habe Munich Re selbst Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Dem Vernehmen nach hatte einer der betroffenen Mitarbeiter zu dem Zeitpunkt das Unternehmen bereits verlassen, ein weiterer musste gehen. Die Affäre betraf das Kerngeschäft der Munich Re – die Rückversicherungssparte.

Nach dem Stand der Ermittlungen hantierten ehemalige Mitarbeiter und ein externer Dienstleister aus Südeuropa mit falschen Angaben und manipulierten Rechnungen und verursachten so einen Schaden von rund 10 Millionen Euro. Kunden seien dabei nicht geschädigt worden.

„Das ist keine schöne Sache, aber wir wollen offen damit umgehen“, begründet Konzernsprecherin Johanna Weber die offene Kommunikationsstrategie. Dass das Tochterunternehmen Ergo nicht zuletzt wegen der missglückten Kommunikation über die Skandale in Kritik geraten ist, will in München wohl niemand wiederholen.

Provisionen begrenzen

Als Konsequenz aus dem Skandalen bei der Ergo-Versicherung fordern Verbraucherschützer nun eine Obergrenze für die Provisionen von Vertretern. „Mit der gängigen Praxis werden doch die Anreize völlig falsch gesetzt“, sagte Versicherungsexperte Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen dem „Handelsblatt“.

Zuvor waren neue Vorwürfe gegen Ergo bekanntgeworden. Vertreter sollen laut „Handelsblatt“ bei Betriebsrenten getrickst haben. Mitarbeitern von Unternehmen seien ausgehandelte günstige Sondertarife vorenthalten worden, um deutlich höhere Provisionen zu kassieren. Ergo-Vertreter hätten in „zahlreichen Fällen“ die üblichen Policen mit den ungünstigeren Konditionen angeboten. Eine Quelle des Berichts war ein nicht namentlich genannter langjähriger Generalvertreter. Die Versicherung prüft nach eigenen Angaben, ob es Auffälligkeiten gab.

Fehlerhafte Verträge bei Ergo

Verbraucherschützer Gatschke sprach von einem Versagen der internen und externen Aufsicht. „Das muss doch jemandem bei Ergo aufgefallen sein, dass massenhaft Verträge mit falschen Konditionen geschlossen wurden.“

Es ist nicht zum ersten Mal, dass Ergo wegen fehlerhaften Verträgen in die Kritik kommt: Schon im Juni war bekannt geworden, dass die 2010 von der Ergo-Gruppe übernommene Versicherung Hamburg-Mannheimer (HMI) zahlreiche Riesterverträge falsch berechnet hatte. Die Ergo rechnet allein für den Riester-Themenkomplex mit Entschädigungskosten von fünf bis sechs Mio. Euro.

Der Bund der Versicherten äußerte Unverständnis für die Kommunikationsstrategie des Unternehmens: „Es ist unbegreiflich für mich, dass der Konzern offensichtlich glaubte, diese Dinge für immer unter der Decke halten zu können“, sagte Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied beim Bund der Versicherten dem „Handelsblatt“. „Es wird nicht lange dauern, bis man wieder sagt: die Dinge waren uns bekannt. Und es ist schlimm, dass man jahrelang nichts dagegen getan hat.“