Schuldenkrise

Munich Re für Solarstrom als Griechen-Hilfe

Konzernchef Nikolaus von Bomhard fordert eine umfassende Lösung der europäischen Schuldenkrise und bringt in diesem Zusammenhang Abnahmegarantie für Sonnenstrom aus Griechenland ins Spiel.

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Wenn sich eine Versicherung derzeit mit dem Thema Griechenland beschäftigt, muss es nicht immer um Abschreibungen auf Staatsanleihen gehen. Torsten Jeworrek, Rückversicherungsvorstand der MunichRe, brachte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen des Konzerns an diesem Donnerstag einen viel langfristigeren Vorschlag in der Griechenlandfrage auf den Tisch.

Er setzte dabei auf eine Anregung von EU-Kommissar Günther Oettinger auf, der bei den Griechenland-Hilfen die Sonnenenergie besonders einbeziehen will. „Griechenland hat günstige Bedingungen für Photovoltaik und Windkraft“, sagte Jeworrek. Man könne den Strom dort wesentlich günstiger produzieren als in Deutschland – selbst wenn man die Transportkosten einrechne.

Gleichzeitig wolle Europa mehr auf Ökostrom setzen – und gerade Deutschland brauche durch den Atomausstieg in Zukunft höhere Volumina als bisher gedacht. „Man könnte eine Abnahmegarantie für Griechenland auf europäischer Ebene andenken“, schlug Jeworrek vor. Die Frage der Finanzierung der Anlagen ließ er offen. Denkbar wäre es jedoch, dass die EU einen Teil der Hilfen darauf verwendet. So wäre gesichert, dass den Griechen die Einnahmen aus der Stromproduktion zustehen und nicht einem privaten Investor.

Teil des Prestigeprojektes Desertec kann Griechenland dennoch nicht werden. Munich Re ist Teil des Führungskonsortiums des groß angelegten Wüstenstromprojektes. Es soll Strom aus Sonnenthermie von Nordafrika nach Europa bringen. „Für diese Technologie braucht es große Ebenen. Griechenland ist da ungeeignet“, erklärte Jeworrek. Eine Ausrichtung Griechenlands auf Ökostrom könnte ein Weg sein, dem Land dauerhaft zu helfen. MunichRe-Vorstand Nikolaus von Bomhard mahnte eine umfassendere Lösung der Schuldenkrise an: „Bisher sind nur die Symptome behandelt worden. Es muss resolute Schritte der Politik geben.“

In den Halbjahreszahlen der Munich Re hinterließ die Griechenlandkrise ihre Spuren : Die Abschreibungen führten zu Verlusten in der Höhe 125 Mio. Euro. „Wir haben uns entschlossen, klare Verhältnisse zu schaffen und alles auf Marktwerte abgeschrieben“, erklärte Finanzvorstand Jörg Schneider. Dennoch übertraf die Munich Re mit 738 Mio. Euro den Gewinn des Vorjahresquartals wider Erwarten sogar leicht.

In den ersten drei Monaten des Jahres hatte die Rückversicherung unter den extrem hohen Belastungen aus den Naturkatastrophen gelitten – das konnte sie nun ausgleichen. Im ersten Halbjahr steht unter dem Strich noch ein Verlust von nur noch 210 Mio. Euro, allein im ersten Quartal waren es knapp eine Mrd. Euro gewesen. Euro. Während das Kapitalanlageergebnis einbrach, konnte die Gruppe die Beitragseinahmen steigern.

Durch die Katastrophen haben sich Preise um Umsätze in der Rückversicherung verbessert. „Ich hoffe, dass wir heute den Wendepunkt erreicht haben“, sagte Konzernchef von Bomhard. Sein ursprüngliches Jahresgewinnziel von 2,4 Mrd. Euro hatte er zwar schon im März nach der Katastrophe in Japan aufgegeben, doch „schwarze Zahlen“ will er dennoch erreichen.

Auch die Erstversicherungsgruppe Ergo lieferte passable Ergebnisse ab – trotz der Skandale der vergangenen Monate. Mit Blick auf Sexpartys und falsche Riesterverträge räumte er selbst Fehler ein: „Ich mache mir den Vorwurf, dass wir nicht früher schon Compliance-Regeln in den Außendienst getragen haben.“ Mit der Aufklärung der Ergo zeigte er sich jedoch zufrieden.

Im Halbjahresbericht bestätigte er erstmals öffentlich, dass der „Ausgangspunkt“ für die Schwierigkeiten ein Streit mit ehemaligen Vermittlern der HMI sei. „Dabei geht es um offenbar weit überhöhte Abfindungsforderungen, denen Ergo nicht nachkommen kann und darf“, stärkt er in dem Bericht Ergo-Vorstand Torsten Oletzky den Rücken.