Irlands Kreditwürdigkeit

Ratingagenturen bleiben zu Recht unerbittlich

Die Ratingagenturen dürfen sich nicht daran orientieren, was politisch opportun ist oder beruhigend auf die Märkte wirkt. Die Herabstufung Irlands ist daher konsequent.

Ratingagenturen dafür zu beschimpfen, dass sie ihre Arbeit machen, ist für Europas Politiker – und auch manche Analysten – inzwischen zu einer Art Volkssport geworden. Gemessen daran fallen die ersten Kommentare zur neuesten Herabstufung Irlands durch Moody’s – „nicht hilfreich“, „enttäuschend“ – fast schon glimpflich aus.

Auf den ersten Blick mag die neuerliche Kritik verständlich wirken. Schließlich haben die Iren seit Ausbruch der Schuldenkrise tapfer Entbehrungen aller Art ertragen, schließlich deutet sich in ihrem Land bereits ein zumindest zarter Aufschwung an – im Vergleich zu Griechenland und auch Portugal oder Spanien ist Irland der Musterschüler unter den europäischen Schuldenkrisenländern.

Doch bei den Einstufungen der Ratingagenturen geht es nicht darum, zu bewerten, ob eine Regierung oder eine ganze Nation sich nach Kräften gemüht hat, ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern – sondern um die Kreditwürdigkeit selbst. Nicht Fleißpunkte zählen, sondern Ergebnisse. Und erst recht nicht zählen dürfen Überlegungen, was gerade politisch opportun ist oder beruhigend auf die Märkte wirkt. Ratingagenturen, die sich darauf einließen, würden sich selbst überflüssig machen.

Moody’s & Co scheinen das zu wissen ­– und geben sich vom Gezeter und den Drohungen der Politik entsprechend unbeeindruckt. So gesehen, hat die Entscheidung, Irland auf „Ramschniveau“ herunterzustufen, auch eine gute Seite.