Deutschlands Profi-Fußball hat sich von der Wirtschaftskrise erholt. In der 1. und 2. Bundesliga steckt zwar immer noch jeder fünfte Klub in der Verlustzone, wie die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst&Young in ihrer aktuellen Studie „Bälle, Tore und Finanzen“ feststellt. Doch im Vorjahr hatte noch fast jeder zweite Verein rote Zahlen geschrieben.
Grund für den Aufschwung seien zum einen eine bessere Auslandsvermarktung und die Tatsache, dass Sponsoren sich wieder großzügiger zeigen. „Zum anderen haben die Klubs in der vergangenen Saison auf die Kostenbremse getreten und insbesondere bei den Personalausgaben den Rotstift angesetzt“, sagt Studienautor Thomas Fuggenthaler. Der Negativtrend der jüngsten Vergangenheit sei damit gestoppt.
Wirtschaftliche Situation hat sich verbessert
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in der Fußballbranche hat sich dementsprechend stark verbessert. Nach zwei Jahren Krise und Pessimismus geben sich im Vorfeld der am Freitag beginnenden Bundesliga-Saison 2011/2012 immerhin neun von zehn der befragten Manager optimistisch.
Hatten im Vorjahr noch 24 Prozent die wirtschaftliche Lage als schlecht bewertet, sind es diesmal nur noch neun Prozent. Und die Negativ-Einschätzungen kommen ausnahmslos von Zweitliga-Klubs, heißt es in der Untersuchung, an der sich in diesem Jahr 34 der 36 Profi-Vereine in Deutschland beteiligt haben. Experten überrascht diese Zweiteilung nicht. „Die Schere zwischen 1. und 2. Liga geht schon seit Jahren auseinander“, sagt ein Sportökonom.
Trotzdem geben sich auch die Erstliga-Manager zurückhaltend bei der Zukunftsplanung . „Der Sparkurs wird fortgesetzt“, ist sich Fuggenthaler sicher. Auf teure Spieler jedenfalls wollen die Vereine zunehmend verzichten. Schon jeder dritte Klub rechnet der Umfrage zufolge mit erneut sinkenden Transferausgaben – obwohl die Zahlungen schon jetzt merklich geringer sind als in früheren Jahren. In der aktuellen Wechselperiode jedenfalls hat bislang alleine Bayern München die ganz großen Summen für neue Spieler gezahlt – insgesamt bislang rund 45 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die übrigen 17 Erstliga-Vereine kommen zusammen gerade mal auf 87 Millionen Euro.
„Die Vereine setzen mittlerweile auf Talente statt auf Topverdiener“, sagt Experte Fuggenthaler. Tatsächlich wurden Stars zuletzt eher verkauft denn verpflichtet. Mit aktuell 102 Millionen Euro sind die Transfererlöse in diesem Sommer ungewöhnlich hoch. Statt in gestandene Kicker zu investieren, geben die Vereine ihr Geld lieber für die Nachwuchsförderung aus. Und laut Umfrage wird sich diese Entwicklung in der neuen Saison fortsetzen. Immerhin 53 Prozent der Manager rechnen mit steigenden Ausgaben für die Jugendabteilungen und Nachwuchszentren – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Ernst&Young-Befragung vor acht Jahren.
Angesichts dieser Sparpolitik geben sich die Klubs entsprechend zuversichtlich für die Zukunft. Schon jeder zweite Bundesliga-Manager rechnet der Studie zufolge mit steigenden Einnahmen in der neuen Saison, weitere 44 Prozent glauben an mindestens gleichbleibende Erlöse.
Besonders viel versprechen sich die Vereine dabei vom Verkauf von Fanartikeln und vom Sponsoring. Gerade letzteres ist Fuggenthaler zufolge nicht unbegründet. Denn nachdem die Wirtschaft hierzulande wieder wächst, sei auch Sportsponsoring wieder gefragt, sei es über Trikot- und Bandenwerbung oder über den Kauf von Namensrechten. „Und da ist und bleibt die Fußball-Bundesliga die erste Wahl im Vergleich zu anderen Sportarten.“
Rekord beim Ticketverkauf
Das glaubt auch Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL). Er nennt das deutsche Fußball-Oberhaus ein „Premiumprodukt“ , zumal es dort so spannend zugehe wie in keiner anderen Topliga in Europa. Das lässt sich auch an den Zuschauerzahlen ablesen. Mit 480.000 Saisontickets gibt es erneut einen Rekord beim Verkauf von Dauerkarten. Primus ist dabei der aktuelle Meister Borussia Dortmund mit insgesamt 53.000 verkauften Abos, gefolgt von Schalke 04 mit 44.000 und Bayern München mit 38.000.
Fuggenthaler warnt dennoch vor zu großem Optimismus. „Die Wachstumsgrenzen bei den Zuschauereinnahmen dürften bald erreicht sein“, sagt der Sportökonom. Immerhin liege die Stadienauslastung allein schon in der 1. Liga bei rund 96 Prozent. Und höhere Ticketpreise dürften kaum zu vermitteln sein, auch wenn der Eintritt hierzulande noch deutlich niedriger ist als beispielsweise in England oder Spanien.
Bedenken hat Fuggenthaler zudem bei der Medienvermarktung, von der sich die Klubs in den kommenden Jahren nochmals Mehreinnahmen versprechen. Zwar biete die Auslandsvermarktung durchaus noch Potenzial. Bei der Inlandsvermarktung dagegen dürfte vorerst wenig Spielraum nach oben bestehen. „Dafür sorgen allein schon die längerfristig abgeschlossenen Verträge“, warnt er.



