Hoffnungsträger

Das sind die großen Mutmacher der Bundesligisten

In Bremen hoffen die Verantwortlichen auf ein Comeback von Naldo. Beim HSV auf einen Mann, der gar nicht spielt. Und in München auf einen Nationalspieler.

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Die Bühne, auf der sie sich präsentieren, könnte größer nicht sein. In 190 Länder wird das Auftaktspiel zur 49. Bundesliga-Saison am Freitagabend (20.30 Uhr) zwischen Borussia Dortmund und dem Hamburger SV übertragen.

Die halbe Welt schaut also zu, wenn sich der Deutsche Meister die Ehre gibt. Dabei werden ihn Millionen auch darauf überprüfen, ob er für die Titelverteidigung gewappnet ist. Jürgen Klopp , der Meistercoach, sieht sein Team vor dem Angriff der Konkurrenz auf einem guten Weg. Dabei ruhen die Hoffnungen nicht nur auf einer „wirklich sehr guten Vorbereitung“, wie Klopp sagt, sondern auch auf zwei Spielern.

Shinji Kagawa (22) heißt der eine, Ilkay Gündogan (20) der andere. Sie sollen, so wünschen es sich die Verantwortlichen des BVB, die Lücke schließen, die Nuri Sahin hinterlassen hat. Denn der Türke, gerade im vergangenen Jahr so etwas wie der Taktgeber im Spiel des BVB, kickt ab sofort für Real Madrid.

Zehn Millionen Euro kassierte Dortmund für Sahin, der sechs Tore erzielt und acht Vorlagen gegeben hatte. Nun sollen es wahlweise Kagawa oder Gündogan richten. Letzterer ist für vier Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg gekommen.

Hier geht es zum großen Bundesliga-Tippspiel von „Metal Hammer“.

Klopp gerät ins Schwärmen, wenn er über einen seiner Hoffnungsträger spricht: „Ilkay ist fußballerisch außergewöhnlich veranlagt und dazu ein schlauer Kerl.“ Gündogan spricht fünf Sprachen und hat im Frühjahr erst sein Abitur bestanden.

Neben Hoffnungsträger Gündogan blicken sie beim BVB gespannt auf ihren Japaner Kagawa. Der war im Juli 2010 aus Fernost in den Ruhrpott gekommen und hatte den Anhang nach nur wenigen Spielen überzeugt.

Acht Tore und eine Vorlage gingen auf sein Konto, ehe Kagawa mit einem Mittelfußbruch fast die komplette Rückrunde ausfiel. „Es fehlt noch etwas bei Shinji. Aber man merkt förmlich, dass er von Tag zu Tag besser wird. Und das ist gut für uns alle hier“, sagt Sportdirektor Michael Zorc.

Die Hoffnungen, das ist zu spüren, sind groß in Dortmund. Aber auch bei anderen Vereinen gibt es Spieler, mit denen die Bosse Sehnsüchte und Wünsche verbinden, die sie hoffen lassen.

In Freiburg etwa. Dort sind sie froh, dass ihr Goalgetter Papiss Demba Cissé (26) geblieben ist. Mit 22 Saisontoren – mehr als die Hälfte aller Freiburger Treffer (41) – hat er zwar Begehrlichkeiten geweckt.

Doch Sportdirektor Dirk Dufner sagt: „Es war noch kein Verein so mutig, ein entsprechendes Angebot abzugeben.“ Deshalb wird Cissé vorerst bleiben. Doch wie schwer es ist, seine Leistungen zu bestätigen, musste Freiburg erst im jüngst im Pokal erfahren – da verlor das Team 2:3 in Unterhaching .

In Bremen ahnen sie nach dem Pokal-Aus in Heidenheim zwar schon, dass ihnen „eine schwierige Saison“ (Sportdirektor Klaus Allofs) bevorsteht. Dennoch hoffen sie weiterhin, nicht noch einmal so desaströs abzuschneiden wie in der Vorsaison, die sie auf Platz 13 beendet haben.

Dabei setzen sie auf die Rückkehr von Per Mertesacker (26) und Naldo (28). Letzterer machte in der vergangenen Saison auf Grund einer Knieverletzung nicht ein einziges Spiel. Und ohne Naldo an seiner Seite wusste auch Nationalspieler Mertesacker nicht zu überzeugen.

Gelungenes Comeback

Zumal er sich im Saisonendspurt dann noch verletzte. Inzwischen ist er wieder fit und feierte beim letzten Härtetest vor dem Bundesligastart im Spiel gegen Everton (1:0) ein gelungenes Comeback. „Ich habe in den Zweikämpfen null zurückgezogen, das ist ein gutes Zeichen“, sagte Mertesacker.

Genauso wichtig wie seine Rückkehr ist ein Mitwirken Naldos. Für Trainer Thomas Schaaf ist der brasilianische Innenverteidiger eine Art „Neuzugang aus den eigenen Reihen – solange war er schon nicht dabei“. Man wolle Naldo, der seit dieser Woche wieder im Mannschaftstraining ist, nun behutsam aufbauen.

Bayern stärkt die Abwehr

„Es ist wichtig, dass wir die richtige Dosierung für ihn finden“, sagt Schaaf. Auch Naldo selbst findet, dass es am besten sei, „nur nichts zu überstürzen“. Ein bisschen müssen sich die Kollegen, die in der Vorsaison immerhin 61 Gegentore kassierten, also noch gedulden, ehe Naldo wieder für Stabilität in der Defensive sorgen kann.

Auch im rund 750 Kilometer entfernten München zählt ein Verteidiger zu einer ganzen Schar von Hoffnungsträgern. Rund 13 Millionen Euro ließ sich der FC Bayern die Dienste von Jerome Boateng (22, Manchester City) kosten. Der deutsche Nationalspieler soll seinen Teil dazu beitragen, die schlampige Abwehr der vergangenen Saison (40 Gegentore) vergessen zu lassen.

Trainer Jupp Heynckes, auf dem nach einem titellosen Jahr die größten Hoffnungen ruhen, sagt über Boateng: „Er hat sich sehr gut eingeführt, gibt hinten schon Anweisungen und agiert sehr konsequent. Er wird sich in München etablieren.“ Manuel Neuer (25) mit Sicherheit auch.

Tristesse in Hamburg

Mit der deutschen Nummer eins hoffen sie in München auf eine neue Epoche nach der Ära Oliver Kahn. Neuer zählt aktuell zu den besten Torhütern der Welt. „Mit ihm haben wir hinten auf lange Sicht wieder eine feste Größe. Das ist gut für einen Verein mit hohen sportlichen Ansprüchen“, sagt Sportdirektor Christian Nerlinger.

In Hamburg dagegen ruhen die Hoffnungen in erster Linie nicht auf einen Spieler, sondern viel mehr auf einen Sportdirektor. Frank Arnesen (54) , im Mai vom FC Chelsea an die Elbe gekommen, soll den HSV nach Jahren der Tristesse aufpolieren. Der Druck ist groß. Dennoch gibt sich der Däne gelassen.

„Wenn ich Druck habe, ist es der, den ich mir selbst auferlege. Ich habe das Glück gehabt, bislang immer in großen Vereinen arbeiten zu dürfen. Und der HSV zählt zu dieser Kategorie. Es ist ein Verein, der in der Bundesliga oben dabei sein muss. Ich finde es spannend hier zu sein – in Hamburg und in dieser Liga. Es ist eine Liga, deren Spannung seinesgleichen sucht“, sagte Arnesen „Morgenpost Online“.

Wie groß die Erwartungen an Arnesen sind, konnte man zuletzt schon beim Blick auf ein Fanmagazin erahnen. Darin war eine Illustration erschienen, die den Sportdirektor als Engel zeigt, der über dem Stadiondach durch seinen Flügelschlag die dunklen Wolken vertreibt.

Arnesen, sagen Branchenkenner, hat das beste Netzwerk von allen Managern in Europa. Seit Wochen telefoniert er täglich vier, fünf Stunden. Durch seine Kontakte soll er Spieler und Partner für den Traditionsverein gewinnen, die dem Klub wieder auf Kurs bringen. „Es wird nicht leicht“, sagt Arnesen, „aber ich bin positiv gestimmt.“