Finanzkrise

Japan stoppt Höhenflug der eigenen Währung

Weil das Vertrauen in Euro und Dollar schwindet, stehen der japanische Yen und Schweizer Franken gerade hoch im Kurs bei den Anlegern – sehr zum Leidwesen der Wirtschaft Japans.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Nach tagelangem Abwärtstrend haben die internationalen Aktienmärkte ihre Talfahrt am Donnerstag erst einmal gestoppt. Der Leitindex Dax lag gegen 11.30 Uhr deutlich mit rund 0,5 Prozent im Plus, Gewinne gab es auch auf dem japanischen Markt. Hintergrund dürften massive Yen-Verkäufe der japanischen Notenbank sein: Die Exportwirtschaft des Landes leidet unter der Yen-Stärke gegenüber dem Dollar. Selbst die Renditen der italienischen Staatsanleihe sanken.

Der dramatische Kursverfall an den internationalen Aktienmärkten endet damit vorerst. Bis zum Mittwochabend hatte der Dax in einem einwöchigen Kursrutsch knapp zehn Prozent seines Werts eingebüßt. Am Donnerstag sorgten teils glänzende Zwischenbilanzen für gute Stimmung: Dicke Kursaufschläge gab es für Adidas und Beiersdorf.

Der Kurs der zuletzt stark unter Druck geratenen italienischen Staatsanleihen sank wieder unter die Marke von sechs Prozent. Dabei war die mit Spannung erwartete Rede von Regierungschef Silvio Berlusconi zum Sparpaket auf ein verhaltenes Echo gestoßen.

Berlusconi hatte am Abend im Parlament erklärt, die Banken des Landes seien solide und die Wirtschaft vital. Um die Schulden- und Finanzkrise jetzt zu überwinden, müssten alle zusammenarbeiten. „Politische Stabilität ist dabei die Waffe gegen die Spekulation“, hatte der Mitte-Rechts-Regierungschef erklärt.

Das Euro-Krisenland Spanien schaffte am Donnerstag trotz der jüngsten Finanzmarkt-Verwerfungen eine vergleichsweise erfolgreiche Auktion bei seinen Staatsanleihen: Das Land begab Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei und vier Jahren im Wert von 3,31 Milliarden Euro. Angestrebt war ein Maximalziel von 3,5 Milliarden Euro, teilte die spanische Notenbank mit. Dreijährigen Anleihen im Wert von 2,2 Milliarden Euro wurden mit einer Rendite von 4,813 Prozent begeben. Bei der letzten vergleichbaren Auktion am 7. Juli hatte die Rendite noch bei 4,291 Prozent gelegen.

Die Börse in Tokio schloss nach dem Eingriff der Notenbank mit leichten Gewinnen: Der Nikkei-Index ging mit einem Plus von 22 Punkten oder rund 0,2 Prozent auf 9659 Punkte aus dem Handel. Hintergrund ist der Eingriff Japans auf dem Devisenmarkt: Die japanischen Währungshüter kündigten an, dass sie ihr Wertpapierkaufprogramm von 10 Billionen Yen auf 15 Billionen Yen (rund 132 Mrd Euro) ausweiten und das Kredit-Volumen von 30 Billionen Yen auf 35 Billionen Yen erhöhen. Der Yen verbilligte sich darauf deutlich.

Zuvor hatte bereits die Schweizer Nationalbank auf den Höhenflug der heimischen Währung reagiert und direkt am Devisenmarkt eingegriffen. Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den Vereinigten Staaten hatte es in den vergangenen Tagen eine Flucht aus dem Euro und dem Dollar in japanische Yen und Schweizer Franken gegeben. Die Wettbewerbsfähigkeit von Japan und der Schweiz wird damit massiv geschwächt.

Die japanische Regierung habe alleine gehandelt, stehe aber in Kontakt mit anderen Regierungen, sagte der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda am Donnerstag in Tokio. Die Intervention am Donnerstag war die dritte seit September 2010. Zuletzt griff die japanische Notenbank im März nach dem Megaerdbeben und dem Tsunami gemeinsam mit anderen Notenbanken am Devisenmarkt ein.

Zuletzt war der Dollar wegen der Probleme der US-Wirtschaft unter die Marke von 77 Yen und damit auf das Niveau vom März gesunken, als der Dollar im Vergleich zum Yen auf ein Rekordtief gefallen war. Mitte 2007 mussten für einen Dollar noch mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Dies ist ein Problem für die stark von Exporten abhängige japanische Wirtschaft, da sie für ihre Produkte im Ausland weniger erlöst oder die Preise erhöhen muss. So sieht zum Beispiel Toyota einen Dollar unter der Marke von 80 Yen als Wachstumsbremse an. Die japanische Notenbank geht bei ihren aktuellen Wachstumsprognosen von einem Kurs von rund 82,60 Yen pro Dollar aus. Am Donnerstagmorgen kletterte der Yen infolge des Eingriffs am Währungsmarkt erstmals seit dem 21. Juli über die Marke von 79 Yen.