Konjunktur

Deutschlands Ökonomen haben zu früh gejubelt

Die Bundesregierung erwartet ein Ende des Turbo-Aufschwungs. Das ist kein Grund zur Panik, zeigt aber unsere Abhängigkeit von der Weltwirtschaft.

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In den vergangenen Wochen haben sich Politiker und Ökonomen darin überboten, deutsche Wirtschaft hochzujubeln . Deutschland stehe besser da als alle anderen Industrienationen, so der einhellige Tenor. Weil endlich auch der Konsum anspringe, könne Deutschland über Jahre hinaus die Rolle der Wachstumslokomotive in Europa übernehmen.

Einige verwegene Ökonomen prophezeiten der deutschen Wirtschaft gar ein „goldenes Jahrzehnt“. Doch nun trübt sich die Stimmung merklich ein. Alle Frühindikatoren, die Auskunft über die Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Monaten geben, zeigen nur in eine Richtung: nach unten . Die Champagner-Laune von Einkaufsmanagern, Börsenprofis und Unternehmen ist verflogen.

Noch ist das kein Grund zur Panik. Die Stimmung trübt sich zwar ein, sie ist aber immer noch verhältnismäßig gut. Überdies wird Deutschland weiterhin von zwei historischen Besonderheiten profitieren. Erstens sind die Zinsen im Euroraum für die boomende deutsche Wirtschaft viel zu niedrig.

Derzeit liegen sie bei 1,5 Prozent. Für die Bundesrepublik müssten sie aber mindestens doppelt so hoch sein. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) aber Rücksicht auf die schwächelnde Wirtschaft in den europäischen Krisenländern nehmen muss, wird Deutschland noch lange Zeit von billigem Geld profitieren.

Die zweite historische Besonderheit: Zum ersten Mal seit 40 Jahren ist der Abwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt gestoppt. Und ein Ende des Beschäftigungswunders ist nicht abzusehen. Die Auftragsbücher der Firmen sind immer noch prall gefüllt, sie werden noch Monate alle Hände voll zu tun haben und deshalb weiterhin Arbeitskräfte einstellen.

Kein Grund also zur Sorge, könnte man meinen. Doch das Risiko, dass aus der Stimmungseintrübung eine Depression werden könnte, ist nicht zu unterschätzen. In der Weltwirtschaft lauern derzeit viele Unsicherheitsfaktoren. Die Beschlüsse des EU-Gipfels haben eine Eskalation der Europäischen Schuldenkrise zwar verhindert, endgültig gelöst ist die Krise damit aber nicht.

In China kämpft die Regierung gegen ein Überhitzen der Konjunktur. Gelingt ihr keine weiche Landung, wird das die deutschen Exporteure hart treffen. Sie haben besonders vom Boom in Fernost profitiert. Auf der anderen Seite der Erdkugel wünscht man sich hingegen solche Probleme.

Die US-Wirtschaft kommt nicht aus den Startlöchern, viele Amerikaner suchen seit Monaten einen Job. Und jetzt sorgt auch noch die US-Schuldendebatte für Unruhe. Wenn China und die USA gleichzeitig aus dem Tritt kommen und die Eurokrise weiter schwelt, könnte der deutschen Wirtschaft ein ungemütlicher Herbst bevorstehen.