Euro-Krise

Die fünf Optionen für Griechenlands Umschuldung

Die Wirtschaftweisen sind für eine Umschuldung, Bundesbank-Chef Weidmann dagegen. Diese Pläne könnten in der Griechenland-Krise helfen.

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1. Der Pariser Plan

Die Materie ist technisch komplex und in ihren Risiken kaum zu durchdringen. Der Plan, den sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy offenbar von französischen Banken hat schreiben lassen, macht das Ganze noch komplizierter: Die Geldhäuser würden Griechenland-Anleihen, die bis 2014 auslaufen, voll zurückbezahlt bekommen. Die Hälfte des Geldes investieren sie in neue, 30 Jahre laufende Anleihen. Weitere 20 Prozent gehen in die Absicherung dieser Investments. Den Rest des Kapitals behalten die Banken.

Der Vorteil: Athen bekommt einen Zahlungsaufschub und Zeit zur Stabilisierung.

Die Nachteile: Am Markt kosten die Anleihen, die die Investoren halten, nur rund 50 Prozent des Ursprungswerts, Griechenland aber würde 100 Prozent an die Banken zahlen, finanziert mit EU-Geldern. 30 Prozent davon stecken die Banken ein. Nur 50 Prozent stehen Athen als frisches Kapital zur Verfügung. Der Nutzen hält sich in Grenzen. Ein Modell, Bank-Aktionäre die Risiken ihrer Investments spüren zu lassen, ist das auch nicht.

2. Der Anleiherückkauf

Die Regierung von Premier Giorgos Papandreou könnte die eigenen Anleihen am Markt zurückkaufen. Das Geld dafür würde ihr der Euro-Rettungsfonds EFSF borgen.

Die Vorteile: Bei Preisabschlägen von 50 Prozent ließe sich für Athen ein gutes Geschäft machen. Und weil das Ganze auch noch freiwillig wäre, da die Investoren ja nicht zum Verkauf ihrer Anleihen gezwungen werden, würde diese Maßnahme wohl keinen "Credit event" auslösen. Griechenland wäre nicht offiziell zahlungsunfähig. Die Märkte für Anleihen und Kreditausfallversicherungen blieben ruhig. Die gefürchtete Ansteckungsgefahr für andere EU-Schuldensünder wäre relativ gering.

Der Nachteil: Sobald Griechenland mit hohen Milliardenbeträgen am Markt eigene Anleihen zurückkauft, werden die Preise für diese Papiere steigen. Abschläge von 50 Prozent werden nicht mehr zu erzielen sein. Das Vorhaben, Griechenlands Schuldenlast sehr deutlich zu verringern, wäre damit nahezu unerreichbar.

3. Rückkauf zu Fixpreisen

Anders als bei einem Rückkauf zu Marktpreisen würde Athen seinen Gläubigern in diesem Fall einen festen Preis bieten. Diese müssen sich überlegen, ob sie die Papiere zu diesem Preis verkaufen, weil sie fürchten, später noch weniger dafür zu bekommen. Sie könnten aber auch darauf setzen, dass das Land später noch einmal nachlegt oder die restlichen Anleihen bei Fälligkeit sogar vollständig zurückzahlt.

Der Vorteil: Anders als beim Rückkauf zu Marktwerten steigt der Preis in diesem Fall nicht. Die Schuldenreduzierung könnte deutlich größer ausfallen.

Die Nachteile: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht gern von "Sticks and carrots", zu Deutsch: Zuckerbrot und Peitsche. Der feste Preis aber ist gleichzeitig ein Problem. Ratingagenturen sowie die Internationale Swap und Derivate Vereinigung (ISDA) könnten das Ganze als "Rating event" oder sogar als Kreditausfall werten. Kreditausfallversicherungen, sogenannte CDS, würden fällig. Milliardenabschreibungen könnten sich durch die Bücher der Banken ziehen. Es ist der Fall, den viele fürchten.

4. Der Anleihentausch

Varianten eines Anleihentausches gibt es viele. Der französische Plan gehört dazu. Doch es geht auch wesentlich einfacher. Griechenland tauscht seine alten Bonds gegen neue mit deutlich geringerem Nennwert, dafür aber vielleicht mit einer Garantie durch die europäischen Partner oder den EU-Rettungsfonds EFSF oder später ESM.

Der Vorteil: Auf diese Weise ließ sich die griechische Staatsverschuldung je nach Ausgestaltung deutlich senken – vorausgesetzt, ausreichend Investoren tauschen. Dafür aber muss man die neuen Anleihen vermutlich mit Garantien ausstatten.

Die Nachteile: So einfach wie die Sache klingt, ist sie nicht: Ohne Garantien würde ein Anleihentausch wie eine Zwangsaktion wirken. Denn: Warum sollte eine Bank freiwillig ihre Anleihen gegen Investments mit geringerem Wert tauschen? Wieder wäre die Stabilität der Finanzbranche in Gefahr, weil die ISDA so etwas als Kreditausfall werten würde. Die Garantien könnten das je nach Ausgestaltung vermutlich verhindern, kosten dafür Athen aber jede Menge Geld. Je besser die Garantien, desto geringer wird die Schuldenreduktion.

5. Wiener Vereinbarung

Unter dem "Vienna Agreement", wie es im Euro-Deutsch heißt, versteht man die freiwillige Vereinbarung von Banken, Versicherungen und anderen Investoren, nicht schlagartig ihre gesamten Anleihen abzustoßen und zurückgezahlte Gelder auch in neue Bonds zu investieren. Wiener Vereinbarung heißt das, weil sich die Anleger und Behörden während der Finanzkrise in Wien geeinigt hatten, auf diese Art Osteuropa vor der Pleite zu bewahren.

Die Vorteile: Das Ganze ist freiwillig, es kommt offiziell nicht zu einem Zahlungsausfall. Und wenn sich alle an die Vereinbarung halten, hilft das einem Land über die Zeit.

Die Nachteile: Mit dieser Variante wird Griechenlands Schuldenlast nicht gemindert. Das überschuldete Land müsste also weiterhin hohe Tilgungsleistungen erbringen. Die Pleite wäre damit nur aufgeschoben, nicht aber aufgehoben. Zudem hängt selbst bei weniger dramatischen Fällen der Erfolg der Maßnahme davon ab, dass alle ihre Vereinbarungen auch einhalten. Bei Osteuropa gelang das, weil die Banken ein Interesse daran hatten. Bei Griechenland aber scheiterte ein ähnlicher Versuch schon im vergangenen Jahr.

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