Euro-Schuldenkrise

Warum Italien nicht Griechenland ist

Italien hält den Atem an. Und im restlichen Europa nehmen die Befürchtungen zu, dass das Land als nächstes in die Schuldenkrise gerissen wird. Doch letztendlich dürfte Italien wohl eine griechische Tragödie erspart bleiben.

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Angst vor Überschwappen der Schuldenkrise auf Italien belastet Börsen - EU-Spitzentreffen in Brüssel

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Italien stöhnt unter seiner riesigen Schuldenlast, schlägt sich mit politischen Spannungen herum und kommt mit dem Wachstum kaum voran – doch eine griechische Tragödie dürfte dem Land nach Meinung von Experten erspart bleiben. Dennoch geht die Unsicherheit in „bella Italia“ um. Nach einem „schwarzen Freitag“ mit einem Kurssturz von Bankaktien an der Mailänder Börse titelte der konservative „Corriere della Sera„: „Italien hält den Atem an“, in der linksliberalen Zeitung „La Repubblica“ hieß es: „Spekulation, Angst an den Märkten“.

Am Montag traten die verschärften Vorschriften für Leerverkäufe der Börsenaufsichtsbehörde Consob in Kraft, die zunächst bis zum 9. September gelten. Sie verpflichten Händler, der Consob Geschäfte zu melden, die in größerem Umfang auf fallende Kurse italienischer Aktien wetten. „Diese Welle von heftigen Spekulationen nimmt Italien zu einem Zeitpunkt ins Visier, da es Zweifel über seine Haushaltsziele gibt“, erklärt Marco Valli, Ökonom bei der Bank UniCredit. Auf der anderen Seite verfüge Italien über die drittgrößte Industrie der Eurozone, während Griechenland hauptsächlich vom Tourismus lebe. Und das italienische Haushaltsdefizit sei niedriger als das vieler anderer europäischer Länder.

Das Anfang des Monats von der Regierung in Rom bekanntgegebene, aber noch nicht vom Parlament beschlossene rigide Sparprogramm in Höhe von rund 47 Milliarden Euro soll dazu beitragen, die Märkte zu beruhigen. Denn Italien hat mit etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Griechenland den höchsten Schuldenstand in der Eurozone. Die Ratingagenturen Moody's sowie Standard and Poor's drohten bereits damit, das Land herabzustufen.

Mit dem Sparpaket will Rom das Haushaltsdefizit bis 2014 auf 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken. 2010 hatte es bei 4,6 Prozent gelegen. Vorgesehen sind weitere Kürzungen im öffentlichen Dienst, im Gesundheitswesen und bei der Rentenversicherung. Die Gehälter der Beamten bleiben eingefroren, auch ein Einstellungsstopp bleibt bestehen.

„Der Sparplan ist glaubwürdig, aber die politischen Spannungen haben die Wirksamkeit seiner Botschaft verringert“, sagte Fabio Fois von Barclays Capital. Dazu gehören die Animositäten zwischen dem angeschlagenen Regierungschef Silvio Berlusconi und seinem Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Dieser Umstand führte nach Einschätzung von Giuliano Noci, Wirtschaftsprofessor an der Handelsschule MIP der Polytechnischen Universität in Rom, dazu, dass die Märkte Italien als „Risikoland“ einstuften. Dazu kommt ein mutmaßlicher Korruptionsskandal, in den Tremonti verwickelt sein soll. Schon machten Gerüchte die Runde, der Minister werde zurücktreten.

Der italienische Präsident Giorgio Napolitano rief am Montag feierlich zu „nationalen Zusammenhalt“ auf. Bei führenden Vertretern der oppositionellen Demokratischen Partei schien er damit auf Zustimmung zu stoßen. Sie kündigten an, der Verabschiedung des Sparprogramms noch vor der Sommerpause keinen Stein in den Weg legen zu wollen.