Einzelhandel

Karstadt-Chef plant keine Filialschließungen

Der neue Chef Andrew Jennings will seine Mitarbeiter über die neue Strategie des Warenhauskonzerns informieren. Schließungen von Häusern gehören nicht dazu.

Eines dürfte die Mitarbeiter der Warenhauskette Karstadt schon mal beruhigen: Der neuen Chef Andrew Jennings plant nach Informationen von Morgenpost Online keine Filialschließungen. Zumindest sind nach seiner Strategie „Karstadt 2015“, die er jetzt dem Aufsichtsrat vorstellte, keine vorgesehen. Viel mehr wissen die 25.000 Beschäftigten über die Pläne des Briten, der seit einem halben Jahr im Chefbüro sitzt und über dem Konzept brütet, bisher allerdings noch nicht. Sie sollen am Freitag informiert werden. Bis dahin versucht die Geschäftsführung, Details der Strategie unter der Decke zu halten.

Die Öffentlichkeit erfuhr nach der Sitzung am Mittwochabend im Karstadt-Haus auf dem Berliner Kurfürstendamm aus einer dürren Pressemitteilung lediglich, dass die Jennings-Strategie im Kontrollgremium „sehr positiv aufgenommen“ worden sei. Das deckt sich durchaus mit den Informationen von Morgenpost Online.

Das ultimative Warenhaus der Zukunft hat der 62-jährige Brite, der zuletzt Woolworth in Südafrika geführt hatte, dabei offenbar nicht erfunden – das war auch nicht erwartet worden. Stattdessen geht es ihm eher darum, vorhandene Stellschrauben des Betriebes mit 86 Warenhäusern, 26 Sporthäusern und dem Portal www.karstadt.de neu zu justieren, um Karstadt wieder zum Kundenmagneten zu machen. So soll nach einer früheren Jennings-Mitteilung an die Führungskräfte das Onlinegeschäft deutlich nach vorn gebracht werden.

In den Warenhäusern soll der Einsatz der Mitarbeiter flexibilisiert und stärker am Kundenaufkommen ausgerichtet werden. Dafür bekommen die Verkäufer größere Leistungsanreize. 18 Häuser sollen umgebaut, die Präsentation aller Filialen verbessert werden. Grundsätzlich solle der Kunde im Mittelpunkt stehen und unvergessliche Einkaufserlebnisse bekommen – so wünsche sich das Eigentümer Nicolas Berggruen, schrieb Jennings.

Nach Ansicht von Firmenkennern hat er seine Zukunftsstrategie mit Bedacht auf das Jahr 2015 terminiert. „Das ist schön weit weg von 2012 und erweckt den Eindruck einer mittel- bis langfristigen Planung“, sagt ein Beobachter. 2012 nämlich dürfte es wieder spannend werden für den Fortbestand von Karstadt. Denn im Herbst kommenden Jahres läuft die Verpflichtung für Berggruen aus, alle Karstadt-Häuser weiter zu betreiben und sämtliche Mitarbeiter zu beschäftigen.

Nach diesem Zeitpunkt endet zudem der Sanierungstarifvertrag. Berggruen muss seinen Mitarbeitern anschließend wieder den Tariflohn und damit rund 40 Mio. Euro pro Jahr mehr zahlen als bisher. Dann könnte er auch die inzwischen in drei rechtlich unabhängige Gesellschaften eingeteilte Karstadt Warenhaus GmbH – Premium, Sport und Warenhaus – in Einzelteilen verkaufen. Berggruen dementierte bisher sogar jeden Gedanken an einen Verkauf.

Zunächst holte sich der Eigentümer mit Mehmet Kosematoglu einen weiteren Vertrauten in den Aufsichtsrat. Der für die Türkei-Investments zuständige Mitarbeiter der Berggruen Holding ersetzt Carl Bauerschmitz, der im Oktober 2009 in den Aufsichtsrat gekommen war.

Berggruen hat den Aufsichtsrat im Griff

Damit wird der direkte Einfluss des Eigentümers auf das Kontrollgremium immer größer. Nach dem spektakulären Rücktritt von Rewe-Chef Alain Caparros als Aufsichtsratschef im April rückte bereits Jared Bluestein auf dessen Posten nach. Caparros hatte Probleme mit der rechtlichen Dreiteilung von Karstadt, die Berggruen anstrebte und inzwischen durchgesetzt hat.

Bluestein ist Chief Operating Officer der Berggruen Holding und seit 15 Jahren bei Berggruen. Er war die bestimmende Person bei den Übernahmeverhandlungen um Karstadt im vergangenen Jahr. Gleichzeitig zog Thomas Crawford in den Karstadt-Aufsichtsrat ein, der Finanzchef von Berggruen Holding. Der jetzt berufene Kosematoglu ist seit 2006 bei der Berggruen Holding. Im Januar hatte der Eigentümer auch Doris Schröder-Kopf in sein Gremium berufen, die Frau von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Berggruen und Schröder haben schon seit Jahren ein gutes Verhältnis zu einander.

Im Aufsichtsrat der Karstadt Warenhaus GmbH sitzen 20 Personen, je zehn von der Eigentümer- und der Mitarbeiterseite. Sollte es bei Abstimmungen ein Patt geben, hat der Aufsichtsratsvorsitzende – in diesem Fall Berggruen-Mann Bluestein – eine zweite Stimme, die den Ausschlag gibt. Berggruen kann somit nahezu jede Entscheidung durchsetzen.