Merkels Kandidat

Ex-Bundesbankchef Welteke zweifelt an Weidmann

An der Ernennung von Jens Weidmann zum neuen Notenbankchef gibt es weitere Kritik. Einer seiner Vorgänger hält ihm mangelnde Erfahrung vor.

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Der ehemalige Präsident der Bundesbank, Ernst Welteke, hat sich skeptisch zur Ernennung Jens Weidmanns als neuen Notenbankchef geäußert. „Eine Schwäche ist sicher, dass Weidmann noch nie einen so großen Apparat mit so vielen Mitarbeitern geführt hat“, sagte Welteke, der von 1999 bis 2004 der Bundesbank vorstand, der "Financial Times Deutschland".

Allerdings stehe Weidmann als Bundesbankchef nicht alleine da, sondern die Institution funktioniere auch "aus sich heraus". Weidmann ist der Wunschkandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Welteke ist SPD-Mitglied. 2004 war er über die Adlon-Affäre gestürzt, bei der er sich in das Berliner Luxushotel hatte einladen lassen.

Der Münchener Makroökonom Gerhard Illing kritisierte indessen den mangelnden akademischen Hintergrund Weidmanns. “Es hätte in Deutschland durchaus hervorragende – ungefähr gleich alte - Kandidaten gegeben, die Kompetenz und hohes internationales Renommee aufweisen."

Harte Kritik hatte auch sein ehemaliger Professor geäußert: „Er ist der Aufgabe nicht gewachsen“, sagte Roland Vaubel von der Universität Mannheim Morgenpost Online. „Er ist ein guter Ökonometriker, aber ein farbloser Technokrat. Es liegt ihm nicht, wirtschaftspolitisch zu argumentieren, das heißt zu begründen, mit welchen wirtschaftspolitischen Instrumenten die Ziele am besten erreicht werden können“, so Vaubel.

Er glaubt auch, dass der Einfluss Deutschlands im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) schwinden werde. „Anders als Weber wird Weidmann nicht versuchen, auf den EZB-Kurs starken Einfluss zu nehmen.“ Ein bekannter deutscher Ökonom legt den Finger in eine andere Wunde: „Die Frage ist, ob Weidmann das Rückgrat hat, sich von seiner alten Position als Kanzlerberater zu lösen und unabhängig von der Politik zu agieren, so wie es ein Bundesbank-Chef tun soll.“