Warnstreik

Ver.di will Billiglöhne bei Easyjet ausmerzen

Der monatelange Streit zwischen dem Easyjet und der Gewerkschaft Ver.di eskaliert. Die deutsche Belegschaft stimmte fast geschlossen für einen Streik - und das zu Ferienbeginn. Der Flughafen Schönefeld ist vorbereitet.

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Mitten in den Sommerferien müssen Flugreisende bei der britischen Gesellschaft Easyjet mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Von nächster Woche an droht die Gewerkschaft Ver.di mit einem Streik der in Deutschland beschäftigten Piloten und Flugbegleiter.

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Eigentliche wollte die neue Easyjet-Chefin Carolyn Mc Call nach harten Auseinandersetzungen der Unternehmensführung mit dem Hauptaktionär Stelios und großen Problemen im Flugbetrieb Ruhe in das Unternehmen bringen. Jetzt eskaliert ein monatelanger Streit mit der deutschen Gewerkschaft Ver.di und den Mitarbeitern in Berlin, der kurz nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Sommer begonnen hat.

Ein unbefristeter Streik in der Hauptferienzeit im zweitwichtigsten Markt der britischen Billigfluggesellschaft würde das Unternehmen in einer wirtschaftlichen schwierigen Lage hart treffen. Denn Verspätungen und Flugstreichungen führen bei Fluggesellschaften zu Störungen im gesamten Streckennetz. Es dauert nach einer Unterbrechung des Flugbetriebs in der Regel Tage, bis alle Strecken wieder normal bedient werden.

Offensichtlich sind die Positionen in den vergangenen Monaten aber so oft ergebnislos ausgetauscht worden, dass Ver.di jetzt die Machtprobe sucht, den Briten aber noch ein paar Tage Zeit zur Besinnung geben will: „Wir wollen Easyjet in dieser Woche noch Gelegenheit geben, auf uns zuzukommen“, sagte Ver.di Verhandlungsführer Holger Rößler. In den bisherigen Angeboten von Easyjet habe es „akzeptable und nicht akzeptable Elemente gegeben.“

Solange es beispielsweise bei den Flugbegleitern massive Gehaltsunterschiede gebe, könne auch nicht über einen Tarifvertrag verhandelt werden. Rößler wies darauf hin, dass Flugbegleiter, die Easyjet seit dem 1. Mai einstellt, 20 Prozent weniger Geld als ihre Kollegen bekommen. „Das ist der Knackpunkt. Dieser Unterschied muss zunächst erst einmal beseitigt werden. Es muss eine vernünftige Vergütungsstruktur geben.“

Wann in der nächste Woche gestreikt wird, sollte Easyjet sich nicht bewegen, wollte der Gewerkschaftsvertreter nicht sagen. Das werde erst am Vorabend bekannt gegeben. „Hier geht es nicht mehr um Warnstreiks. Das heißt der Streik dauert mehrere Tage.“ Betroffen von dem Streik wären vor allem die beliebten Urlaubsziele der Deutschen: Ibiza, Mallorca oder Teneriffa.

Am Flughafen Schönefeld, herrschte am Montag angesichts des bevorstehenden Streiks noch Gelassenheit bei den meisten Passagieren. „Wir sind optimistisch. Ein Streik stört uns nicht. Und wenn es Probleme geben sollte, dann wird das für uns ein Abenteuer“, sagte Ewa Bucko aus Poznan in Polen. Gemeinsam mit Magdalena und Maciej Binczewska (beide 15) flog die 18-Jährige am Montag mit Easyjet für zehn Tage nach Barcelona. Ob sie pünktlich nach Berlin zurückkommen, ist ungewiss. Greg (47) und Casey (44) aus den USA wollten am Montag mit Easyjet nach Paris. Von dem Streik erfuhren sie eher zufällig und waren froh über die Nachricht. „Wir denken darüber nach, ob wir den Rückflug umbuchen sollten“, sagte Greg.

Easyjet reagierte gestern auf die Streikankündigung lediglich mit einer kurzen Pressemitteilung. „Easyjet ist enttäuscht über das Ergebnis der Urabstimmung trotz des Angebots, die Löhne zu erhöhen“, heißt es. Die Airline habe sich in langen Verhandlungen dafür eingesetzt, eine Einigung zu finden, und sei überzeugt, dass das Angebot für eine Einigung hinreichend gewesen wäre. Easyjet sei immer bemüht, faire und vernünftige Bedingungen für alle Mitarbeiter sicher zu stellen. Im Fall eines Streiks versichert die Airline, alles dafür zu tun, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. „Sollte es zu einem Streik kommen, wird Easyjet wie immer seinen Passagieren alle Flugplanänderungen per Email und Sms mitteilen und die Website easyJet.com laufend aktualisieren“, heißt es.

Easyjet ist am Flughafen Schönefeld die Airline mit den meisten Passagieren und hat in Berlin einen Marktanteil von 13,5 Prozent aller Passagiere. Täglich starten und landen 60 Easyjet-Maschinen in Schönefeld.

Die Berliner Flughäfen haben bereits angekündigt, im Fall eines Streiks ihr Personal vor Ort zu verstärken, um Passagiere besser beraten zu können. Außerdem werden zusätzlich „mobile Service-Teams“ eingesetzt, die Getränke und Spiele für Kinder verteilen, um die Wartezeit besser zu überbrücken.