Easyjet will pünktlicher werden. Das kündigte Carolyn McCall, die neue Chefin der britischen Billig-Airline, bei der Vorlage des Jahresergebnisses an. Ab Januar 2011 will McCall regelmäßig einen Pünktlichkeitsbericht abliefern. Die Airline habe „mehr Piloten und Crews eingestellt“, um in Spitzenzeiten die Pünktlichkeit zu verbessern, sagte McCall.

Die britische Gesellschaft hatte sich vor allem im vergangenen Sommer wegen Unpünktlichkeit, der Absage von Flügen und ihrer schlechten Informationspolitik den geballten Ärger von Passagieren zugezogen. Derzeit sind 66 Prozent der Flüge pünktlich.

Trotz der Turbulenzen schaffte Easyjet im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinnsprung und kündigte nun an, erstmals eine Dividende zahlen zu wollen. „Das war ein solides Jahr für Easyjet“, sagte McCall. Sie hat erst im Sommer die Leitung der Billiggesellschaft von Andrew Harrison übernommen und ist die erste Frau in der Branche, die in Europa eine so große Airline führt.

Umsatz und Passagierzahlen steigen

Allerdings müssen die Aktionäre darauf noch bis 2012 warten, denn die Fluggesellschaft will den Gewinnanteil erst für das kommende Geschäftsjahr ausschütten. Im vergangenen Geschäftsjahr hat Easyjet den Vorsteuergewinn auf 188,3 Mio. Pfund (212 Mio. Euro) mehr als vervierfacht.

Dabei profitierte die britische Airline von der steigenden Reisefreudigkeit nach dem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise und von billigeren Treibstoffen. Der Umsatz kletterte um 11,5 Prozent auf 2,97 Mrd. Pfund. Die Zahl der Easyjet-Passagiere legte im vergangenen Jahr knapp acht Prozent auf 48,8 Millionen zu. Mit der Ankündigung, erstmals Gewinne an die Aktionäre auszuschütten, kommt Easyjet einer Forderung von Firmengründer und Großaktionär Stelios Haji-Ioannou nach.

Er lobte den Schritt denn auch als „willkommene Kursänderung“ – legte aber gleich nach mit Forderungen: Er verlangte auf mittlerer Frist eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent des Gewinns je Aktie. Das Management denkt dagegen über 20 Prozent nach.

Neuausrichtung im Sommer

Haji-Ioannou hatte zuletzt wiederholt darauf gedrungen, dass die Aktionäre an den Überschüssen der Fluggesellschaft beteiligt werden und ihr „unerbitterliches Wachstum“ aufgeben. Ihm und seiner Familie gehören immer noch 38 Prozent an der Airline und die Rechte an der Marke „Easy“, die neben Flugzeugen auch Hotels, Mietwagen und eine Online-Videothek ziert.

Er hatte im Sommer damit gedroht, Easyjet die Erlaubnis zu entziehen, das „Easy“ im Namen zu führen. Zudem hatte er dafür gesorgt, dass fast das gesamte Topmanagement gefeuert wurde. Die neue Vorstandschefin kündigte trotz der Bedenken ihres Großaktionärs den weiteren Ausbau der Easyjet-Flotte an. Bis 2013 sollen 220 Maschinen für Easyjet fliegen, derzeit sind es 196. Dazu spricht das Easyjet-Management auch mit dem US-Hersteller Boeing.

Die Easyjet-Flotte besteht derzeit zum größten Teil aus Flugzeugen des europäischen Herstellerkonsortiums Airbus. Billiggesellschaften fliegen in der Regel nur die Flugzeuge eines Herstellers, da dies die Ausbildungskosten der Crews und die Wartungskosten senkt.

Zusätzliche Verbindungen und neue Tarife

Die neue Easyjet-Chefin kündigte zudem an, dass sich die Airlines mit zusätzlichen Städteverbindungen und einem neuen flexiblen Tarif, der in den nächsten Wochen erprobt werden soll, stärker als bisher auf Geschäftsreisende konzentrieren. Wer künftig den flexiblen Easyjet-Tarif bucht, kann seinen Flug bis zu zwei Stunden vor Abflug umbuchen. Voraussetzung ist, dass der neue Flug entweder eine Woche vor oder bis zu drei Wochen nach dem geplanten Reisetermin stattfindet.

Die Tarife werden anfangs nur über Geschäftsbuchungskanäle verfügbar sein. Der Anteil der Geschäftsreisenden liegt derzeit bei 18 Prozent. Hier hält McCall mittelfristig eine Steigerung von drei bis fünf Prozent für machbar.