Neues Leitbild

Spitzenmanager machen sich Sorgen um ihr Image

Die Boni-Debatte hat dem Ansehen vieler Top-Manager geschadet. Mit einer neuen Initiative wollen sie verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Die Namen lesen sich wie das „Who is Who“ der deutschen Wirtschaft: Josef Ackermann (Deutsche Bank), René Obermann (Deutsche Telekom), Dieter Zetsche (Daimler), Johannes Teyssen (E.on), Martin Winterkorn (VW), Jürgen Hambrecht (BASF). Dax-Schwergewichte und viele weitere Unternehmen wie Bosch, die Otto Gruppe oder Trumpf haben sich zusammengetan und wollen dem schwindenden Vertrauen der Bevölkerung in die Wirtschaft und ihre Führungskräfte entgegentreten.

Das ist das erklärte Ziel der Initiative „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“. Sieben Spitzenmanager trafen sich jetzt in Berlin, um ihre Initiative vorzustellen. Die Unternehmenslenker sorgten sich laut Jürgen Strube, Initiator des Leitbildes und Ehrenaufsichtsratsvorsitzender bei BASF, nicht nur um ihr eigenes Image. Sie nehmen auch wahr, dass viele Bürger „nicht erst seit der Finanzkrise der Sozialen Marktwirtschaft als Ordnungsprinzip zunehmend skeptisch gegenüber stehen“. Die Wirtschaftselite will nun in einer Selbstverpflichtung „mit konkreten Maßnahmen“ für mehr Vertrauen werben.

Was folgt sind sechs etwas nebulöse Prinzipien, die sich auf Wettbewerb, Leistung oder Nachhaltigkeit für „ein Wirtschaften zum Wohl der Menschen“ beziehen. Interessanter sind die Positionen zu aktuellen Konfliktthemen. Denn die Führungskräfte reagieren auch direkt auf Kritik an Managern, die „ihrer Vorbildrolle und Verantwortung nicht gerecht werden Tatsächlich zeigen Beliebtheitsumfragen regelmäßig, dass Banker und Manager ganz unten auf der Skala stehen. Die Finanzkrise hat dies nicht verbessert. Viele Steuerzahler sind darüber empört, dass mancher Banker selbst dann noch Millionenboni für angemessen hält, wenn sein Geldhaus mit Staatsgeldern gestützt werden muss.

Das negative Image und die Distanz der Menschen zu „denen da oben“ bestätigt auch Renate Köcher, Geschäftsführerin beim Umfrageinstitut Allensbach. Zwar würdige die Bevölkerung die Krisenbewältigung von Politik und Wirtschaft, trotzdem würden Managern negative Eigenschaften wie Egoismus und Materialismus zugeschrieben. Leistung und Gegenleistung müssten nachvollziehbar sein, sagen nun diejenigen, die die Projektionsfläche dieser negativen Eigenschaften sind. Und weiter: Wirtschaftliche Einschnitte für die Belegschaft müssten sich auch in der Vergütung von Führungskräften widerspiegeln. Auch zu der ihr oft vorgeworfenen Profitgier äußern sich die Unterzeichner und plädieren für ein Gewinnstreben, das das Vertrauen in die Marktwirtschaft nicht untergräbt.

Unverbindliche Leitlinien

Wie diese Forderung umgesetzt werden soll, skizzieren die Manager nicht ganz so konkret, wie es sich mancher erhofft hätte. Vergütungskriterien seien so zu gestalten, dass sie verantwortliches Handeln auf Basis langfristiger Unternehmensführung belohnen. Aber: „Verträge sind zu beachten“, sagt Strube und meint damit im Prinzip auch Fälle wie den Ex-Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick, der nur kurz an der Spitze des insolventen Handelskonzern stand und dessen Millionenabfindung deutschlandweit kritisiert wurde. Es werde selten jemanden geben, der seine vertraglich gesicherte Position freiwillig aufgibt, gibt Strube zu.

Doch es geht bei der Aktion auch nicht um neue rechtliche Rahmenbedingungen, sondern eben um unverbindliche Leitlinien. Die klingen zumindest gut: Im Fall eines Stellenabbaus verpflichten sich die Wirtschaftsbosse, in enger Abstimmung mit den Gewerkschaften die Instrumente zum Erhalt von Arbeitsplätzen so weit wie möglich auszuschöpfen. Trotz aller Unverbindlichkeit wollen sich die Firmen laut Strube bei der Einhaltung der Leitlinien „von der Öffentlichkeit und den Medien“ messen lassen. Damit ist der Druck, den sich die Wirtschaftseliten selbst auferlegen, groß – und offenbar notwendig.

Die Wut der Menschen entlädt sich zurzeit in Demonstrationen in Portugal und Irland, wo die Menschen kein Verständnis dafür haben, dass auf ihre Kosten gespart werden soll. Viele machen die Wirtschaft, insbesondere die Finanzbranche, verantwortlich. In Deutschland hält die derzeit gute Konjunktur die Bevölkerung noch davon ab, auf die Straße zu strömen. Doch auch hier findet Manager- und Banken-Bashing statt. So organisiert sich wegen der Schuldenkrise zurzeit eine Bewegung im Internet, die einen organisierten „Bankrun“ am 7.Dezember plant.

Auch tausende deutsche Surfer haben sich angeschlossen und wollen die Banken durch den organisierten Geldabzug in die Bredouille bringen. Prominente Unterstützer wie Eric Canton, Ex-Stürmerstar von Manchester United, fordern nichts weniger als „den Zusammenbruch des Systems“. Solche Bewegungen fürchtet die Wirtschaftselite – und versucht, mit ihrem Leitbild gegenzusteuern. Denn letztlich dämmert ihr der Verlust ihrer Legitimation, wenn sie ihre Präambel mit dem Satz einleitet: „Die Wirtschaft braucht die Zustimmung der Menschen.“