DIW-Studie

Ungleiche Einkommen bremsen deutsches Wachstum

Eine Studie des DIW belegt: Die deutsche Wirtschaft könnte viel stärker wachsen, würde die Kluft zwischen Arm und Reich nicht immer größer.

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Die steigende Kluft zwischen armen und reichen Haushalten bremst einer Studie des Berliner DIW zufolge die deutsche Wirtschaft. In den vergangenen Jahren habe sich das Einkommensgefüge zugunsten der Einkünfte aus Unternehmertätigkeit und Vermögen und damit zugunsten der einkommensstarken Haushalte verschoben, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. Diese Haushalte konsumierten aber vergleichsweise wenig. „Die Entwicklung der Einkommensstruktur des letzten Jahrzehnts ist nicht nur verteilungspolitisch, sondern auch makroökonomisch problematisch“, sagte der neue DIW-Chef Gert Wagner.

Die Löhne sind in Deutschland in den vergangenen Jahren kaum gestiegen, die Unternehmensgewinne und Vermögen dagegen schon. Doch während Geringverdiener nahezu ihr gesamtes Einkommen brauchen, um damit ihr Leben zu finanzieren, legen Spitzenverdiener einen vergleichsweise großen Teil ihrer Einkünfte auf die hohe Kante und steigern den Konsum nicht in gleichem Maß.

„Das dämpft die Konjunktur, zumal die höheren Ersparnisse offenbar auch nicht zur Ankurbelung der in Deutschland seit Jahren nur schwachen Investitionstätigkeit dienen“, sagte DIW-Experte Karl Brenke. „Vielmehr fließt viel Kapital ins Ausland ab. Deutschland lebt also unter seinen Verhältnissen.“ Für das laufende Jahr gehen Experten aber dank der guten Lage am Arbeitsmarkt von einer Belebung des privaten Konsums aus. Die Nürnberger GfK rechnet mit einem Anstieg von 1,5 Prozent.

Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, manche Experten trauen Deutschland drei Prozent Plus zu. Die Wirtschaft gehe dabei mit Schwung in das neue Jahr, teilte das DIW zu seinem Konjunkturbarometer mit: Für das erste Vierteljahr sei mit einem Wachstum von 0,6 Prozent zu rechnen. Dabei spielten Nachholeffekte eine Rolle.

Wegen des frühen Winters waren viele Arbeiten am Bau im vierten Quartal 2010 liegengeblieben, die nun nachgeholt werden dürften. Der Aufschwung erfasse inzwischen aber alle Bereiche der Wirtschaft. „Die konjunkturelle Erholung setzt sich im neuen Jahr auf breiter Basis fort“, sagte DIW-Experte Ferdinand Fichtner.