Luxushotels streichen zunehmend ihren Service zusammen, auch wenn sie dadurch hart erarbeitete Sterne verlieren. Die Nobelherbergen leiden besonders stark unter der Wirtschaftskrise. Viele Touristen streichen ihre Urlaubsbudgets zusammen, und Unternehmen genehmigen deutlich weniger Geschäftsreisen.

Der Konzern Starwood Hotels & Resorts, der unter anderem die Marke St. Regis betreibt, werde einige seiner Häuser mit niedrigerem Service und weniger Sternen arbeiten lassen, sagte eine Sprecherin. Das gelte solange, bis sich die Branche wieder erholt. InterContinental versucht ebenfalls in allen Hotels, Kosten zu senken, bis die wichtigste Kundengruppe, die Geschäftsreisenden, wieder in größerer Zahl kommt. Auch kleine Einsparungen machten viel aus, sagte Konzernchef Andrew Cosslett. „Man kann die Menge der Speisen auf dem Buffet reduzieren, weniger Äpfelsorten anbieten oder sogar die Temperatur des Pools um ein oder zwei Grad senken – das alles wirkt sich aus.“

Fünf Sterne bilden in den meisten Ländern die höchste Bewertung für den Standard von Hotels. Um sich dafür zu qualifizieren, müssen Hotels ein „außergewöhnliches, unverwechselbares Umfeld schaffen, das einen durchgehend hervorragenden individuellen Service bietet“, heißt es im Reiseführer Mobil Travel Guide, der in den USA Hotelsterne vergibt.

„Um Sterne zu halten, braucht es enorme Investitionen“, sagte der ehemalige Hilton-Vorstandschef Stephen Bollenbach. „Die Bewertungen werden nicht für gute Kapitalrenditen vergeben.“ Bollenbach gab sein Amt auf, nachdem der Finanzinvestor Blackstone die Hilton-Gruppe 2007 kaufte.

„Eine Vielzahl von Dingen, die uns alle besoffen gemacht haben, können weggelassen oder auf ein Maß beschränkt werden, das weniger aufdringlich und damit wirtschaftlicher ist“, sagt Lewis Wolff. Er ist Mitbegründer von Martiz, Wolff & Co, dem Betreiber von Luxushotels wie dem Ritz Carlton St. Louis und dem Four Seasons in Toronto. Ein Willkommenspräsent ist nach den Regeln des Mobil Travel Guide in Fünf-Sterne-Häusern Pflicht; Eiskübel müssen aus Glas, Metall oder Stein sein. Kunden an der Bar müssen unaufgefordert mindestens zwei Sorten hochwertiger Snacks angeboten werden.

Für die Vergabe von Hotelsternen gibt es keinen internationalen Standard. In vielen europäischen Ländern werden sie von Branchenverbänden vorgenommen, so in Deutschland vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Hotels die Entscheidung treffen, dass es finanziell nicht sinnvoll ist, den fünften Stern zu behalten – und das Hotel stattdessen neu zu positionieren“, sagte Mark Woodworth, Präsident des Analysehauses PKF Hospitality Research. „Innerhalb der nächsten sechs Monate dürften die Besitzer von sehr hochklassigen Hotels beginnen, sich in einem niedrigeren Preissegment zu positionieren.“

Die Belegungsrate von Luxushotels ist in den zwölf Monaten bis Ende Juli auf 57 Prozent gesunken. Ein Jahr zuvor betrug sie noch 71 Prozent. Die Konkurrenz um Kunden hat die Preise unter Druck gebracht. Der durchschnittliche Zimmerpreis weltweit ist um 16 Prozent auf gut 245 Dollar (171 Euro) gesunken. „Da die meisten Luxushotels unterbelegt sind, setzen sie auf Preissenkungen, um Kunden anzulocken“, sagt Jeff Higley von Smith Travel.

Bloomberg